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Sardinien - die Grotte des Neptun und seine Rache:
Morgens machten wir uns schon bald auf zu unserem nächsten Ziel Alghero in Sardinien. Dort entdeckte ich schon drei Jahre zuvor die tolle Unterwasserhöhle Grotta di Nerea, die ich nun Conny unbedingt zeigen wollte, da diese ohnehin praktisch auf unserem Weg lag. Auf der Reise begleitete uns diesmal ein kleiner Piepmatz, der einen ganzen Tag damit verbrachte das Boot zu erkunden und so ziemlich alles voll geschissen hat. Nach zwei Tagen liefen wir mitten in der Nacht in Porto Conte ein und fanden neben anderen Seglern einen Ankerplatz gleich in der Nähe der Unterwasserhöhle. Zwei Tage mit mehreren Tauchgängen lang erforschten wir die 250 Meter lange und mit etlichen Lebewesen wie Hummern, Langusten, Congerale, Welse und natürlich Tauchern bevölkerte Höhle und stellten fest, dass man hier in Alghero mit seinen vielen Unterwasserhöhlen und Steilwänden ohne weiteres einen mehrwöchigen Tauchurlaub verbringen könnte. Überhaupt war ich fasziniert, wie wenig sich Alghero in den drei Jahren, seit dem ich das letzte Mal hier war, verändert hatte.
So gab es in der Höhle immer noch den 2 Meter Congeraal, der Conny fast zu Tode erschreckte und in dem gemütlichen Cafe an der befestigten Uferpromenade wurde immer noch U2 gespielt. Abends führte ich zur Abwechslung einmal Conny in eine leckere Pizzeria aus, um mich für die Leckereien zu bedanken mit denen sie uns auch bei schwersten Wetter an Bord verwöhnt. Nächstes Ziel war Porto Pollo in der Strasse von Bonifaccio, eines von Europas Top- Surfrevieren. Nach einem Zwischenstopp auf der ehemaligen Gefängnisinsel Asinara erreichten wir Porto Pollo bei gewittrigem Wetter und schon abflauendem Mistral, so dass Surfen an diesem Tag leider nicht mehr möglich war. Am nächsten Tag wartete Neptun allerdings wieder mit einer kleinen Überraschung auf und ließ und nicht einmal ein wenig verschnaufen. Nach einem verregneten Vormittag, den wir gemütlich in unserem Schneckenhaus mit Lesen verbrachten, drehte der Wind auf Nordost und wurde immer stärker.
Sämtliche Boote inklusive uns verließen ungesäumt den nun ungeschützten Ankerplatz. Die anderen hatten es allerdings ein wenig leichter mit ihren Ankerwinden und den starken Maschinen. Kaum hatten wir den Anker endlich aus 15 Meter geborgen mussten wir gegen die 30 Knoten Wind ankämpfen um uns in die nur 2 Meilen entfernte Bucht zu retten. Mit Motor allerdings fuhren wir eher rückwärts, konnten das Boot nicht gegen den Wind halten und liefen Gefahr demnächst an den Strand getrieben zu werden. Der Versuch die Genua ein wenig auszurollen endete mit einem Riss im Segel, der verhinderte, dass wir den Fetzen wieder ordentlich wegrollen konnten. Immer wenn das Boot aus dem Wind geblasen wurde mussten wir einen vollen Kreis drehen damit wir wieder gegen an kamen. Durch die nun größer gewordene Angriffsfläche am Vorstag wurde das Boot geschüttelt und immer mehr abgetrieben bis ich es endlich schaffte die inzwischen völlig zerrissene Genua vom Vorstag frei zu bekommen, auszurollen und zu bergen. Nun konnten wir in letzter Sekunde mit der Sturmfock, die wir in der Karibik nie benötigten in den ruhigen Naturhafen Porto Pollo flüchten, dessen enge ungekennzeichnete Einfahrt wir Dank unserem Computernavigationssystem problemlos schafften. Nun konnte ich auch ruhigen Gewissens unter die unendlich vielen anderen Surfer mischen die durch die Bucht zischten. Die Nacht verlief wieder weniger ruhig - unser Anker driftete und von unseren Nachbarn erfuhren wir dass zwei andere Yachten am Vortag deswegen gestrandet sind......
Die pontinischen Inseln - auf den Spuren der Römer:
Als der Wind sich gelegt hatte die Sonne wieder schien und wir unsere Fleecejacken langsam wegpackten, beschlossen wir zu den pontinischen Inseln vor Neapel weiterzusegeln. Diese kleinen Inseln zwischen Sardinien und Neapel strotzen nur so von Geschichte, war doch zum Beispiel Ventotene Verbannungsort für die Kaisergemahlin Agrippina oder für Kaiser Augustus Tochter Julia. Da es keinen Flughafen gibt und die Anreise mit dem Tragflächenboot für die meisten Touristen zu beschwerlich ist hat der Massentourismus noch nicht Einzug gehalten und wir teilten die Inseln nur mit anderen Seglern, einigen italienischen Wochenendgästen und den überaus freundlichen Einheimischen, die sich hauptsächlich mit Fischfang beschäftigten.
Die 180 Seemeilen von Porto Pollo nach Ponza legten wir mit leichtem Rückenwind in 1,5 Tagen zurück und fingen sogar eine Goldmakrele, die beim Einholen leider wieder vom Haken rutschte. Um Mitternacht fiel unser Anker neben anderen Seglern in der bei Westwind völlig ruhigen Bucht neben dem Hafen und wir schliefen beide wie Steine. Von den ersten Sonnenstrahlen geweckt trauten wir unseren Augen nicht, so bezaubernd ist der kleine Ort der sich mit den vielen bunten Häusern und der alten Hafenpromenade an den mit Weinreben bewachsenen steilen Hang aus Vulkangestein schmiegt. Die Blue Note verholten wir in den Fischerhafen, wo wir ohne Probleme ankern durften sowie Wasser und Treibstoff tanken konnten. Nachdem wir durch das Labyrinth aus engen Gassen gefunden hatten führte uns ein steiler Weg auf den Inselberg und überall boten sich Weintrauben und Brombeeren, die über die Zäune wucherten als Erfrischung an.
Ein italienischer Opa bestand darauf, dass wir unbedingt seine Kaktusfrüchte und die Weintrauben probieren, die er gerade gepflückt hatte. Die waren zwar gut aber eine äußerst stachelige Angelegenheit, da der Mann die Kakteen und die Weintrauben im selben Sack transportiert hatte fanden sie sich die Stacheln nun in unseren Zungen und Lippen wieder.
Der Wein wird von den Einwohnern nur für den Eigenbedarf angebaut und kann nicht gekauft werden. Dafür freuten wir uns umso mehr als uns ein Weinbauer seinen frisch geernteten Sturm und einjährigen Wein kosten ließ. Der typische Geschmack von Wein mit Ursprung aus Vulkangestein wie wir ihn auch auf den Azoren kennen gelernt hatten war unverkennbar. Leicht beschwipst fanden wir durch das Gassenlabyrinth zurück zum Boot erholten uns von diesem kulinarischen Vormittag und schlossen den Tag mit einem Tauchgang zu dem der Insel vorgelagerten Riff den Formigas ab. Dort fanden wir eine schöne Steilwand, klares aber erstaunlich kaltes Wasser und leider eher wenige Fische, wenn man von einem schönen Drachenkopf absieht. Sehr gefiel uns auch ein Spaziergang zu dem Leuchtturm am Südkap der Insel, der wie eine Märchenburg auf einem steilen Felsen thront und durch einen engen Serpentinenpfad und einen Tunnel zu erreichen ist.
Bei wenig Wind legten wir die 25 Meilen zu der ehemaligen Gefängnisinsel Ventotene zurück. Auf einer ihr vorgelagerten Insel St. Stefano waren in dem über 200 Jahre alten Gefängnis noch bis 1970 Häftlinge untergebracht. An den Hafengebühren (45€ pro Nacht) spürten wir die Nähe zu Neapel und hörten von anderen Seglern, dass es in Ischia mit 100 € pro Nacht noch schlimmer wird. So begnügten wir uns mit dem ein wenig schaukeligen Ankerplatz vor der festungsähnlichen Stadt mit ihren bunten Häusern und dem Rathaus in Form einer Burg. Im römischen Galeerenhafen, der noch mit aus dem Vulkangestein gehauenen Pollern ausgestattet ist machten wir mit den Dingi fest, bestaunten die kleinen Felsenhöhlen am Hafen die den Römern als Vorratslager dienten und fanden auch ein gemütliches Kaffeehaus mit leckerem Capuccino und feinen Mehlspeisen aus Blätterteig.
Dank der Flaute konnten wir vor St. Stefano ankern und dort das arenaförmig angelegte Gefängnis besichtigen.
Der Tag wurde für uns perfekt als wir zufällig bei einem Tauchgang im Osten der Insel zwei über 1 Meter großen Zackenbarschen begegneten.
Ischia und Neapel:
Ungern lichteten wir den Anker, aber es gab ja noch so viel zu entdecken! So kamen wir schon nach wenigen Stunden in der Dämmerung auf der Insel Ischia an und ankerten in dem geschützten Hafen Forio an der Westküste. Ischia ist bekannt für seinen Wein und die Thermalbäder haben schon den alten Römern und unserer Kaiserin Elisabeth gedient. In regelmäßigen Abständen wurde Ischia durch Erdbeben und Vulkanausbrüche zerstört, von denen man aber heute nichts mehr merkt. In Forio bewunderten wir die alten Kirchen und Burgen und schleckten mit Genuss das italienische Gelati. An der Ostseite der Insel fanden wir geschützt durch den Burgberg Ischia Ponte einen unglaublich attraktiven Ankerplatz, der mir als Ausgangspunkt für eine Radtour auf den 800 Meter hohen Vulkangipfel diente. Immer wieder fielen mir förmlich Weintrauben als Stärkung in die Hände und so war es ein leichtes die spektakuläre Aussicht vom durch steile Felsen gebildeten Gipfel über die ganze Insel zu genießen. Ein über uns hinwegziehendes Tief brachte Regen, Gewitter und Sturm und so driftete eine deutsche vor uns ankernde Yacht, die zu wenig Kette gelegt hatte am Morgen direkt auf uns.
Weil wir zufällig alles beobachteten konnten wir eine Kollision vermeiden und der völlig überforderten, allein an Bord befindlichen Bordfrau behilflich sein den Motor zu starten und die Ankerwinde zu betätigen. (Ihr Mann war zum Bäcker gerudert und hatte jetzt Probleme bei dem starken Wind zum Boot zurück zu kommen) Das Spektakel wurde noch abgerundet durch ein weiteres Boot, das ebenfalls knapp an uns vorbeigedriftet ist und nun gemeinsam mit dem deutschen Schiff in dem quer über die ganze Bucht ausgebrachten Reusen hing. Die Fischer hatten nun alle Hände voll zu tun ihre Reusen zu retten und die Schiffe zu befreien. Als wir noch zwei Wasserhosen beobachteten und fotografiert hatten, die in unmittelbarer Nähe an uns vorbeizogen legte sich der Wind etwas und wir konnten bei herrlichem Sonnenschein weiter zu dem netten Fischerdorf S Angelo an der Südküste der Insel fahren.
Nur die meterhohen Wellen sowie das trübe Wasser zeugten vom nächtlichen Spektakel, was leider auch einen Tauchgang vor S Angelo unmöglich machte. Weil es uns vor S Angelo auch zu schaukelig war segelten wir noch am selben Tag zum berühmten Naturhafen bei Miseno, dem ehemaligen Flottenstützpunkt der Römer von dem heute nur mehrere moderne Marinas ersichtlich sind. Kaum fiel unser Anker donnerte und blitzte es rund um uns und in finsterer Nacht harrten wir mit ein paar Gin-Tonics den Dingen. Der Wind frischte bis 30 Knoten auf und wehte natürlich genau aus Osten, der einzigen Windrichtung gegen die der Hafen keinen Schutz bietet. Dank unseres guten "Schlafmittels" konnten wir trotzdem gut ausgeschlafen am nächsten Tag Neapel besichtigen. Zur Einstimmung fanden wir durch Zufall einen Flohmarkt wo ich zwei alte Zenith Uhren erstand. Sehr beeindruckt hat uns die Galeria deren mehrere 100 Jahre alte Häuser von einer Glaskuppel überdacht sind. Auch die Plaza bestaunten wir mit dem großen roten Königspalast und der Kathedrale mit den ausladenden Säulengängen.
Vor der schwarzen Burg leisteten wir uns eine Pizza Napoli um frisch gestärkt ein Kaffeehaus zu entdecken, wo man uns um 3 € 2 Capuccinos mit Mineralwasser und leckeren Mehlspeisen servierte. Obwohl in der Umgebung Neapels tolle Plätze wie Capri, Amalfi oder die Tempelstadt Paestum zu entdecken gewesen wäre zog es uns in den warmen Süden zur Taucherinsel Ustica.
Ustica - im Taucherhimmel:
Nach 1,5 Tagen erreichten wir nach einer gewittrigen Nachtfahrt den kleinen aber gut geschützten Hafen in der Bucht von S Maria und waren gespannt was uns, die wir meinten im Mittelmeer schon alle Tauchattraktionen gesehen zu haben Ustica wohl noch bieten konnte. Mitten in dem kleinen aber sichern Hafen konnten wir als einziges Segelboot ankern und uns mit dem Heck an eine freie Mouringtonne hängen. Wie sich herausstellen sollte war dies unser neues Zuhause für zwei Wochen. Schnell schloss uns der Tauchschulbesitzer David ins Herz, von dem ich einen Spezialschlüssel für die Reparatur meines Reglers borgte. Vielleicht gefiel ihm, dass es noch Taucher gibt die ihren Regler selbst reparieren. Jedenfalls lud David uns auf eine Inselrundfahrt mit seinem Tauchboot ein, bei der er und sein Divemaster Francesco uns sämtliche Divespots inklusive GPS Koordinaten verrieten. Damit der Gastfreundschaft nicht genug - die beiden nahmen uns in die Tauchergemeinschaft von Ustica auf, zeigten uns die beste Bar und Pizzeria und verrieten uns noch einige Geheimtipps wie das Brioche con Gelato in der Bar Centrale - hervorragendes italienisches Eis anstelle im Becher in einem aufgeschnittenen Milchweckerl.
Die Insel selbst bot tolle Wanderwege entlang der Küste oder über die mit Pinien bewachsenen Berge und kann mit eigenem Wein aufwarten. Ein netter Weinbauer, dem wir ein paar relativ teure Flaschen abkauften ließ uns in seinem Gemüsegarten die unzähligen reifen Tomaten und das frische Basilikum ernten aus denen Conny ein Spagetthisugo zauberte, das sogar von unserem sizilianischen Freunden gelobt wurde. Für den Archäologisch Interessierten gibt es alte Gräber und andere Ausgrabungen zu bestaunen. Die reifen Feigen fallen einem beim Joggen förmlich in den Mund. Überhaupt fühlten wir uns bald wie zu Hause - alle grüßten uns schon lächelnd als die Verrückten, die mit dem Minischlaucherl ständig um die Insel zum Tauchen fahren - das Meer war spiegelglatt und im Hafen schliefen wir ruhig wie in einem Hotel. Die Tauchplätze waren wirklich einmalig. Die abgekühlte Lava der Insel mit ihrer vulkanischen Vergangenheit bildet riesige betauchbare Höhlen und Canyons oder bizarre Riffs die wie Nadelspitzen aus den blauen Tiefen senkrecht hoch steigen. Fast bei jedem Tauchgang wurden wir von gewaltigen Zackenbarschen von über einem Meter Länge umringt und bestaunten sogar einmal eine gewaltige Herde Barakudas von über 100 Fischen, die ohne Scheu mit uns schwamm und uns förmlich einhüllte.
Mit unserem kleinen Dingi legten wir bei den 20 Tauchgängen über 40 Meilen zurück und wurden sogar einmal von David mit seinem Tauchboot zu einem besonders schönen Tauchspot am anderen Ende der Insel geführt. Trotzdem konnten wir nicht genug von Ustica bekommen und sehr schwer fiel uns der Abschied von den Hellshark - Divern David, Francesco und Jonathan und vor allem von Ustica mit den vielen unvergesslichen Erinnerungen als der Tag kam, wo ausnahmsweise ein wenig Wind wehte und uns die Abreise ermöglichte.
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