|
|
| Der erste Probetörn: Palagruza, September 2002 |
Der Plan war klar: Rainer und ich wollten von Monfalcone nach Griechenland segeln, um die Blue Note kennen zu lernen und mal so richtig zu erleben, was es heißt einen Monat auf See, möglichst ohne Marina und Zivilisation zu verbringen.
Leider haben wir die Rechnung ohne den Wind gemacht: Mehrere Tage Flaute und ein Besuch bei Freunden in meiner "zweiten Heimat" Vrgada ließen uns erst nach einer Woche auf der Insel Vis ankommen.
Nächstes Ziel war die Küste Italiens dummerweise ohne jegliches Kartenmaterial abgesehen von einem Übersegler im Maßstab 1:1.000.000. Als ich den Übersegler zum Geburtstag bekam, fiel mir sofort ein kleiner "Punkt" Mitten in der Adria zwischen Albanien, Kroatien und Italien auf: Palagruza. Da wollten wir auf jeden Fall zumindest vorbeisegeln. Auf halben Weg von Vis nach Palagruza war wiedermal Flaute, die Nacht kam früher als erwartet und eigentlich wollten wir viel lieber die Küste Kroatiens kennen lernen als bei Flaute nach Griechenland zu motoren. Außerdem hatten wir ohnehin nicht ausklariert. Warum also nicht in Palagruza übernachten?
Leichtsinnig war es schon ohne Ankerplatzbeschreibung nur nach dem blauen Fleck am Übersegler um Mitternacht und ohne Mond vor diesem Felskoloss mit Leuchtturm zu ankern.
 Die durchwachte Nacht am 20m tiefen Ankerplatz hat sich ausgezahlt.
Kaum hatten wir in 20m Meter Tiefe knapp hinter einem gespenstisch aus dem nichts herausragenden Felsenriff geankert, frischte natürlich der Wind auf und wir mussten die Nacht durchwachen.
Was uns wohl am nächsten Tag erwartet?
Ist die Insel zugänglich und bewohnt?
Am Morgen sahen wir die wilde Schönheit dieser Insel. Wie durch ein Wunder hatten wir genau vor dem einzigen Strand der Insel geankert (Zalo Bucht). Und siehe da - am Strand stand eine Fischerhütte von der ein Weg Mitten durch die Felsen zum Leuchtturm führte. Ein Blick mit dem Schnorchel beruhigte ungemein: Der Ankergrund in 20m ist hauptsächlich Sand und wenn man von den zwei Unterwasserfelsen, die wie Pilze in die Höhe schießen absieht, ganz gut.
Nun aber ab ins Dhingi um die Insel zu erforschen! Je näher wir dem Leuchtturm kamen umso schöner wurde der Ausblick auf die Bucht und das glasklare Wasser.
Am Berg angelangt erwartete uns eine neue Überraschung: Ein Dutzend junge Archäologinnen aus Dubrovnik buddelten gerade ein altes Römerskelett aus.
Weiter Richtung Leuchtturm staunten wir wieder: Eine ältere, etwas gebrechliche Dame spazierte in feinem Seidengewand an uns vorbei, wünschte uns in bestem Deutsch einen guten Morgen und machte uns darauf aufmerksam, dass der weitere Weg Richtung Leuchtturm nur "Gästen" vorbehalten ist. Die Erklärung: Ein Unternehmen Namens "Plovput" kümmert sich um die Instandhaltung der Leuchttürme an der adriatischen Küste und auf den Inseln. Ein Teil dieser Leuchttürme wurde kürzlich für die Aufnahme von Gästen hergerichtet. Auch im 1875 errichteten Leuchtturm von Palagruza kann man in mehreren, geschmackvoll eingerichteten Apartments Unterkunft finden.
Früher erleichterte Palagruza manchen Menschen die Überfahrten zwischen den Adriaufern, anderen Seefahren wurden die tückischen Riffs vor der Insel zum Verhängnis, wovon mehrere Wracks bei der 3 sm entfernten Felseninsel Galijula zeugen.
Palagruza hat mehrere hundert Jahre Regattatradition: Bis vor einigen Jahren war es bei den Fischern von Komiza (Vis) Brauch ganztägige Regatten von Vis nach Palagruza mit Segelbooten des Typs "falkusa" zu veranstalten. Die Bucht Zalo diente auch den Fischern als Landeplatz, vorrausgesetzt der Wind kam nicht aus Süden.
Die wahre Schönheit Palagruzas zeigte sich aber vor allem Unterwasser. Das schroffe Landschaftsbild setzt sich Unterwasser fort und in den zahlreichen Überhängen, Höhlen und Spalten finden viele Meerestiere wie Langusten, Muränen oder Pfeilhechte Schutz. Wie wir später erfuhren gibt es ein Projekt des kroatischen Ministeriums für Seefahrt und Verkehrswesen Palagruza zu einem Unterwassernaturpark zu erklären, um die Unterwasserwelt in der Region besonders zu schützen. (Zeitschrift Blaue Tiefen, Revue More 2002)
 ohne Worte...
|
|