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| Unsere Atlantiküberquerung von West nach Ost: |
Die erste Etappe: Kuba - Bermudas
Nachdem wir die sichere Marina in Havana verlassen haben empfing uns Neptun gleich gebührlich mit 30 Knoten Gegenwind und einer, bedingt durch den Golfstrom extrem steilen See gegen an. Nur mit Genua 2 stampften wir schon bald in völliger Dunkelheit Richtung Norden, etwas enttäuscht, weil wir den Wind die nächsten 200 Meilen genau gegen an haben werden. Tags darauf waren wir nur mehr 50 Meilen von den Florida Keys entfernt und wir wurden sogleich von einem amerikanischen Küstenwachenboot empfangen, das uns als potentiellen Staatsfeind sogleich den ganzen Vormittag verfolgte. Sicherheitshalber haben wir gleich auf den anderen Bug gewendet und den Ami mit einer Anfrage der Wettersituation für die nächsten Tage beschäftigt. Seitdem Bush alle Boote, die aus Kuba kommen zu Staatsfeinden erklärt hatte, waren wir leicht verunsichert was passieren würde wenn uns der Ami nach unserem letzten Hafen fragen sollte. Wetter hatte er nach 2 Stunden noch immer keines für uns, dafür aber verschwand er bald und wir waren wieder mit unseren üblichen Sorgen alleine: Segel rauf und Segel runter war unsere Hauptbeschäftigung dieses Tages weil der Wind sich laufend änderte. Zwischendurch riss sich das als Dirk festgebundene Großfall vom Baum los und ich durfte bei den 2 Meter Wellen zur Abwechslung einmal in den Mast was alles andere als ein Vergnügen war.
Endlich sahen wir nach zwei Tagen kreuzen die Silhouette der unendlich vielen Hochhäuser von Miami und wir brauchten trotz des Golfstromes der uns mit seinen vier Knoten zu einem Etmal von 200 Meilen verhalf, mehrere Stunden bis die Riesenstadt im Kielwasser verschwand. Nun standen wir vor der schwierigen Entscheidung ob wir weiterhin mit dem Golfstrom über New York nonstop zu den Azoren fahren sollten oder ob wir wie geplant durch die Kalmenzone zu den Bermudas segeln sollten um dort einen kurzen Zwischenstopp zwecks Schlafpause und Dieseltanken zu machen. Aus Sicherheitsüberlegungen und weil die Windrichtung günstig schien fiel die Entscheidung zugunsten Bermudas. Schließlich konnten wir an der US Küste nirgendwo anlegen, da wir kein US-Visum hatten. Ungern trennten wir uns von unserem Turbolift Golfstrom und konnten bei leichtem Wind einen direkten Kurs auf Bermudas anlegen. Bald schlief der Wind völlig ein und wir motorten langsam unserem doch immerhin noch 800 Meilen entfernten Ziel entgegen. Wechselhafte Winde hielten uns die nächsten Tage auf Trab und die Zickzacklinie am großen Nordatlantikübersegler näherte sich nur langsam unserem Ziel. Schließlich kam aber doch der hier übliche SW Wind und wir zischten mit Passatsegeln und oftmals einem Schnitt von 8 Knoten Richtung Bermudas.
Von den Tankern, die uns auf ihrem Weg Richtung Gibraltar laufend überholten, bekamen wir fast täglich einen Wetterbericht und eines Abends überholten wir sogar ein anderes Segelboot aus Holland Namens Leavenheart auf seinem Weg zu den Bermudas. Der SW Wind hielt bis die Bermudas vor unserem Bug aus dem Nebel tauchten und wir hatten die 1300 Meilen in nur 9 Tagen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 6 Knoten zurückgelegt. Den Motor benötigten wir wider Erwarten nur etwa 5 Prozent der Strecke. Durch den Town Cut nach St. George - dem Haupthafen der Insel - wurden wir von dem sehr eifrigen Inselfunker Bermuda Harbour Radio gelotst, der den Seglern für Informationen jeglicher Art rund um die Uhr zur Verfügung steht. Der Hafen war gerammelt voll von Seglern aller Nationalitäten, die wie wir, auf ihrem Weg nach Osten eine kurze Pause machten. Die Zollformalitäten waren im Vergleich zu Kuba eine wahre Freude. Auch die 15 Dollar pro Person schreckten uns nach Kuba nicht mehr sonderlich. Der Zollbeamte, ein sympathischer Schwarzer mit schwarzer Sonnenbrille und blauen Bermudahosen fuhr uns sogar durch den ganzen Ort zum Segelzubehörladen und zeigte uns bei der Gelegenheit gleich St. George. Die enge Riffeinfahrt zur Tankstelle war uns bei den 30 Knoten Wind nicht ganz geheuer und so beschränkten wir uns an diesem ersten Tag auf schlafen und nichts als schlafen.
Gut erholt erledigten wir am nächsten Tag den Dieselkauf (1,2 Dollar pro Liter!!) und tankten auch Wasser an der Tankstelle was wir wenige Stunden später noch bereuen sollten. Das Wasser war scheußlich und sogar die Spagetthi die wir mit diesem Wasser kochten waren ungenießbar. Als wir das merkten war die Tankstelle leider schon zu und so versuchten wir unser Glück beim benachbarten Restaurant, das unglaublicher Weise einem Schladminger gehörte, wie sich später zeigte. Bei einem kleinen Rundgang durch den Ort bestaunten wir die schön restaurierten alten Hauser, deren Dächer alle mit einzigartigen Tonschindeln gedeckt sind. Der halbe Ort ist als Golfplatz angelegt und der Weg zum alten Fort St. Catherine war ein Spießroutenlauf zwischen verirrten Golfbällen, die über unsere Köpfe wegsausten.
Sehr beeindruckend fand ich die unfertige Kirche, die sehr an die alten Abbeys, die ich aus England kannte, erinnerte. Conny erfreute sich mehr an dem Eisgeschäft und vor allem an dem leckeren Eis das mit 4 Dollar etwas teurer als in Kuba ausfiel. Den Abend verbrachten wir gemeinsam mit einem französischen Ehepaar auf einer First 31.7, die ebenfalls Freunde von Mambo waren und von denen wir erfuhren, dass Mambo schon eine Woche vor uns abgesegelt ist. Den Beiden ist auf ihrer zweijährigen Tour durch die Karibik der Mast gebrochen weil das Vorstag gerissen ist, was man noch an dem geschäfteten Mast erkennen konnte. Bei Ti-Punch beschlossen wir gemeinsam am nächsten Tag Richtung Flores auszulaufen. Leider verpassten wir uns am nächsten Morgen, weil wir länger für das Ausklarieren benötigten und wir sollten uns nie mehr treffen, da die Beiden die südliche Route gewählt haben und nicht in Flores angekommen sind.
Die zweite Etappe: Bermudas - Azoren
Der SW hat auf einen leichten Nordost gedreht und wir mussten mit Motor Richtung Norden tuckern um dort am 40 Breitengrad auf die zuverlässigeren Westwinde zu stoßen. Wie wir aus den Wetterkarten, die wir auf den Bermudas erstanden haben erkennen konnten, zog leider ein Tief nach dem anderen über uns weg und wir kämpften ständig mit dem regnerischen Wetter und dem stark wechselnden Wind. Einmal hatten wir Flaute mit Regen, dann wieder Sturm mit 40 Knoten. Das Schlimmste war für uns die Kälte, die wir ja gar nicht mehr gewohnt waren. Der warme Golfstrom mischt sich am 40 Breitengrad mit dem kalten Lavradorstrom, wodurch häufig Nebel entsteht.
Unseren Kurs konnten wir meist nicht fahren, da entweder der Wind gegenan oder die Wellen ungünstig liefen und so verschenkten wir einige Meilen durch Zick Zack Kurse Richtung Azoren. Eines Nachts, grotesker Weise genau nachdem ich ein Buch über Sicherheitstechnik beim Segeln gelesen habe und feststellen musste dass wir keinen Blitzableiter vom Mast zum Kiel haben, wurden wir von ständigen Blitzen, die direkt neben uns einschlugen, begleitet. Die nassen Segel hatten wir geborgen um die Blitze nicht allzusehr anzulocken und wir trieben mit den Gewitterböen immerhin mit 3 Knoten ausnahmsweise sogar in die passende Richtung. Gegen Ende erst kam der ersehnte SW Wind - zu Beginn mit bis zu 9 Bft (40kn) und wir hatten mit der Genua 3 ausreichende Besegelung.
Bald konnten wir die Genua 2 zusätzlich als Passatsegel setzen und erst 100 Meilen vor Flores erwischte uns die berüchtigte Flaute um das Azorenhoch. Die schönsten Erlebnisse waren die häufigen Begegnungen mit Delphinen, die wir schon an den Geräuschen, die deutlich im Boot wahrnehmbar waren, erkannten. Mehrmals täglich schwammen die verspielten Burschen mit uns und heiterten unsere manchmal etwas verregnete - nebelige Stimmung richtig auf. Oft sprangen die bis zu 2 Meter großen Tiere über die Rumpfhöhe hinweg und landeten mit einem ordentlichen Platsch knapp vor unserem Bug. Niemals aber sind wir mit einem Delphin zusammen gestoßen. Immer öfter sahen wir auch die giftigen portugiesischen Galeren - Quallen die sich mit Hilfe eines "Segels" fortbewegen. Und schließlich nach 13 Tagen schon zeichnete sich Flores vom diesigen Horizont ab. Wieder haben wir mit unserem kleinen Boot 1800 Meilen in nur 13 Tagen mit einer Geschwindigkeit von 5,5 Knoten zurückgelegt. Mehr als glücklich fiel unser Anker in dem urigen Ort Lajes in Flores neben vielen anderen, hauptsächlich französischen Seglern.
Die Azoren - das westlichste Ende Europas
Flores die Blumeninsel:
Unser Anker fällt nach 13 Tagen auf hoher See in Lajes, dem Haupthafen auf der Azoreninsel Flores neben vielen anderen Fahrtenseglern aus Frankreich, USA, Südafrika und England. Erfreut stellten wir fest, dass wir Segler hier freundlich aufgenommen werden und keiner hier Interesse auf eine Jagd nach unserem Geld hat. Die Einklarierungsformalitäten wurden schnell und freundlich von einem jungen Polizisten erledigt, der schon an der Mole auf uns wartete. Unglaublich aber wahr - Internet und Duschen (leider eiskalt) sind hier für uns Segler umsonst. Gleich hinter unserem Boot hatten wir einen herrlichen Ausblick auf die alte Walfabrik und die nette Kirche hinter einem Strand mit Grillplatz und einem schönen Wasserfall.
Nachdem wir uns ausgeruht hatten erkundeten wir die nähere Umgebung von Lajes mit den Fahrrädern - wo man nur hinschaut grüne Berge und steile mit Blumen gesäumte Straßen, die mehr von Kühen als von Autos bevölkert wurden. Die Azoreninseln sind vulkanischen Ursprungs und deshalb findet man auf Flores insgesamt 8 Kraterseen - sogenannte Caldeiras, die sich häufig über mehrere hundert Meter hohe Wasserfälle ins Meer ergießen. Unsere Räder durften wir bei einem ehemaligen Walfänger, der nun ein kleines Café am Hafen betreibt, unterstellen. Die Räder - auch wenn inzwischen schon etwas verrostet - waren uns in den nächsten Tagen sehr nützlich um die vor allem bei Sonnenschein unheimlich attraktive Berglandschaft kennen zu lernen. Vom Morro Alto hatten wir einen herrlichen Ausblick auf die Nachbarinsel Corvo. Von der Abbruchkante des über 100 Meter hohen Riviera Grande Wasserfalles blickte ich auf die kleinen Ortschaften Faja Grande und Fajazinha, die an der Westküste wie Adlerhorste zwischen zahlreichen Wasserfällen in die Felswände eingebettet sind. Die Einwohner von Flores - sehr viele gibt es ja nicht mehr, weil sie vor allem nach Amerika ausgewandert sind, sind alle äußerst freundlich - möglicherweise auch weil sie gelernt haben von EU Geldern zu leben. Für die insgesamt 5000 Einwohner der Insel wird ein riesiges Straßennetz durch die Insel errichtet und auch die laufende Vergrößerung der etwas unglücklich angelegten Mole sichert laufend Arbeitsplätze durch EU Gelder.
Sehr grotesk ist auch dass man keine frische Milch sondern nur Haltbarmilch kaufen kann, obwohl es auf der Insel um ein vielfaches mehr Kühe als Einwohner gibt. Tatsächlich zahlt die EU für jede Kuh derart viel Kopfgeld, dass die Trinkwasserqualität auf allen Azoreninseln durch die übertriebene Weidewirtschaft ernsthaft gefährdet ist. Der öffentliche Transport ist eine Freude wie wir bei einer Wanderung mit unseren französischen Freunden von der Tamata von Faja Grande nach Ponta Delgada, dem Nordzipfel der Insel festgestellt haben. Der Fahrer des Pickups entschuldigte sich bei uns, dass er nur auf der Ladefläche Platz hat, da auf dem Beifahrersitz eine Riesentorte transportiert wurde. Dafür hielt er bei einem Aussichtspunkt, um uns einen schönen Felsen zu zeigen.
Ein anderer Segler erzählte, dass er in einem Restaurant in St. Cruz zu Abend gegessen hatte und die Wirtin nach einem Autoverleih gefragt hat. Die Reaktion der Wirtin war für die "Florentiner" typisch: Sie gab ihm einfach ihre Autoschlüssel und borgte ihm das Auto den ganzen Nachmittag lang kostenlos. Dass der Franzose das Auto wieder vollgetankt hatte konnte sie gar nicht verstehen - es wäre doch selbstverständlich sein Auto zu verborgen.
Vor allem gewannen wir die Gegend um den Ort Faja Grande sehr lieb, mit seinen eindrucksvollen Wasserfällen und dem gewaltigen Felsen, der sich senkrecht über 400 Meter vor dem Ort erhebt und über den wir über einen unglaublichen, in den vertikalen Fels gehauenen Wanderweg ins Tal stiegen. Häufig begegneten wir Kaninchenjägern, die oft mit bis zu 5 Kanichen an ihren Gürteln hängend durch die Gegend streiften. Beinahe alle Kilometer liegt auf der Straße ein von einem Auto überfahrenes Kaninchen, derartig wimmelt es von den kleinen Hasen auf Flores.
In Ponta de Faja besuchten wir die Österreicherin Christa, die wir durch Zufall kennen lernten und dort in einem schön restaurierten Haus ihre Pension verbringt. Wir wurden mit einheimischen Köstlichkeiten wie dem offiziell nirgendwo erhältlichen Weichkäse und einer herrlichen Orangenmarmelade bewirtet, alles Geschenke von den Nachbarn, die Christa nach einem Jahr in ihre Familie aufgenommen haben.
Unser neues Crewmitglied Thomas fühlte sich schnell wohl an Bord und genoss mit uns die letzten Tage in Flores, die leider viel zu schnell vergingen. In der schönen Faja de Lopo Faz grillten wir zartes, heimisches Rindfleisch vor einem unbeschreiblich schönem Panorama einer gewaltigen Steilwand (Faja), die direkt in einem schwarzen Sandstrand umrahmt von Bananenplantagen übergeht. Dort fanden wir Überreste eines Satelliten, die an den Strand gespült wurden. An unserem letzten Abend wollte ich gemeinsam mit unseren französischen Freunden von der Tamata Fische jagen um sie anschließend am Strand zu grillen. Im eiskalten Wasser schwammen wir bibbernd über eine Stunde herum, aber die wenigen Fische, die wir sahen, waren schneller als wir. Schließlich fand ich einen großen Rochen, der wie die Rettung des Grillabends schien. Das Tier hatte eine derartige Kraft, dass ich ordentlich strampeln musste um überhaupt wieder an die Oberfläche zu kommen. Nicht genug damit - der Rochen zerfetzte mit seinem Stachel auch noch das nur 4 Wochen alte Dingi der Franzosen. Schließlich gewannen wir doch unversehrt den Kampf und konnten das herrliche Fleisch am Strand grillen.
Der Nachmittag war allerdings mit Dingireparatur und Schuldgefühlen meinerseits ausgefüllt. Wir blieben trotzdem Freunde und segelten tags darauf gemeinsam bei Traumwetter, schöner Brise und glatter See zur 150 Seemeilen entfernten Insel Graciosa. Morgens wurden wir von Delphinen begrüßt, die uns wieder ein Stück begleiteten.
Graciosa - Windmühlen, Höhlen, Wein und Naschereien:
Unter Spi sahen wir bald den eindrucksvollen Krater der ehemaligen Vulkaninsel, die weniger grün ist als Flores und deren Wahrzeichen ihre Windmühlen und der gute Weißwein der Insel ist.
Nachdem wir in Praja als einziges Schiff geankert hatten und doch einige Zeit vor Tamata angekommen waren wollten wir gleich nach St. Cruz dem Hauptort trampen um den Wein zu verkosten. Der Polizist, bei dem wir uns melden mussten und der auch zufällig nach St. Cruz fuhr, nahm uns mit und so wurden wir im Polizeiauto zum Weingut zur Weinverkostung gebracht und bekamen obendrein noch eine kurze Führung zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von St. Cruz. Dazu zählt eine Windmühle, die immer noch in Betrieb ist, sowie ein großer Teich am Hauptplatz der früher als Tränke für die Kühe diente. Die Stierkampfarena, die in einem der Stadt vorgelagerten Krater angelegt wurde zeugt vom vulkanischen Ursprung der Insel.
Von der Weinverkostung am letzten Weingut (Terra do Conde) der Insel wurden wir nicht enttäuscht. Vor allem der süße Portwein, der dem Madeirawein sehr ähnlich ist, hatte es uns neben dem ausgezeichneten Branntwein angetan. Weitere kulinarische Spezialitäten bei denen vor allem Conny nicht nein sagen konnte, sind die Quejadas - ein liebevoll zubereitetes Zuckergebäck, das allerdings auch nicht ganz billig ist. Schnell fanden wir einen Pickup der uns die bergige, durch dichten Nadelwald führende Straße zurück nach Praja brachte. Schon von Weitem erkannten wir Mambo, unsere Freunde von den Kapverden, die mit Tamata eingetroffen war. Das Wiedersehen wurde ausgiebig gefeiert und tags darauf bestiegen wir alle zusammen, bis auf die arme Conny, die sich den Fuß an einer Klampe aufgerissen hatte, den gewaltigen Krater, in dessen Innerem ein Tunnel führte. In dem fruchtbaren, mit dichter Vegetation bewachsenem Krater weideten Kühe, welche die Basis für den hervorragenden Käse der Insel liefern.
Im Zentrum der Caldeira liegt eine gewaltige Höhle mit einem unterirdischen See und einer Schwefelquelle, die wir zusammen besichtigten. Der Führer, der pro Person nur 50 Cent Eintritt von uns verlangte führte uns durch einen Turm, dessen Wendeltreppe über 20 Meter in die Höhle führte. Seitdem angeblich zwei Leute durch die giftigen Dämpfe umgekommen sind, kann man das immer noch vorhandene Ruderboot nicht mehr für eine Fahrt über den unterirdischen See nutzen.
Sao Jorge - kaltes Tauchvergnügen:
Obwohl Graziosa sehr schön ist kann sie im Vergleich zu Flores nicht mithalten und so brachen wir schon am nächsten Tag zu der 40 Meilen entfernten Insel Sao Jorge auf, die wie Flores als Wanderparadies gilt und vor allem durch ihre steilen Küstenlinie besticht. Über 60 Kilometer lang, 1000 Meter hoch und nur 8 Kilometer breit bietet sie unendliche Wanderwege zu den zahlreichen Fajas (Felsabbrüchen) die wegen ihrer leichten Zugänglichkeit zuerst besiedelt wurden. Die steile Nordseite der Insel ist oft in Nebel gehüllt, während auf der Südseite, wo auch unser Zielhafen Velas liegt, meist die Sonne scheint. Nach einer endlosen Motorfahrt bei völliger Windstille fingen wir schon bei Dämmerung knapp vor Velas wieder einmal - unmittelbar nachdem wir Thunfisch aus der Dose gegessen hatten - eine kleine aber feine Dorade. Kurz davor hatte uns eine Delphinherde begleitet, die vermutlich auf der Suche nach denselben Leckereien war. Der Ort Velas liegt imposant eingebettet in einem ehemaligen Krater und wird an der Westseite von einer senkrechten Felswand zum Meer hin begrenzt. Erstes Ziel nach einer ruhigen Nacht war mit den Rädern den 1100 Meter hohen Pico Esperanza zu ergründen. Eine schöne, mit Blumen gesäumte Schotterstraße führte uns entlang des Hochplateaus und gewährte uns eine einmalige Aussicht auf den Gipfel der Nachbarinsel Pico mit ihrem gleichnamigen Berg. Vorbei ging es an kleinen Kraterseen, in denen unzählige Frösche um die Wette quakten und vor Velas war schon die Mambo zu sehen, die ebenfalls in den zum Glück von Fahrtenseglern selten besuchten Hafen einlief.
Im Ort wurde fleißig für das Fest der Emigraten gerüstet und abends bekamen wir eine Galavorstellung der Walfänger, die mit ihren Gaffelseglern eine Regatta direkt vor unserem Ankerplatz veranstalteten. Noch vor zwanzig Jahren wurden die Tiere mit diesen langen Holzbooten gejagt, da Motorboote die Wale verscheuchen würden. Heute beschränken sich die Inselbewohner Gott sei Dank auf friedliche Regatten zwischen den einzelnen Inseln. Die mit zehn Mann bestückten, schwert- und kiellosen Segelboote werden wie einst zu den Jagdplätzen mit Motorbooten zu den Regatten geschleppt.
Mit Johan machten wir die Tauchgründe vor Velas unsicher, sahen neben der spektakulär zerklüfteten Unterwasserlandschaft riesige Zackenbarsche und Johan fand sogar eine Monsterlanguste, die er unserem Mitsegler Thomas schenkte. Mit dem Druckkochtopf und einer leckeren Mayonnaise von Mambo war im Nu ein unvergessliches Abendessen gezaubert.
Bei der Siegerehrung der Walfänger, die ich zusammen mit Johan besuchte, erzählte er mir von den Spannungen an Bord und den beruflichen Verpflichtungen daheim, die zum Abbruch seiner Weltumsegelung geführt hatten. Dabei kam auch heraus, dass Johann ein Multimillionär ist, was er uns bisher perfekt verheimlicht hatte. War doch die Mambo auf den Kapverden noch intensiver als wir damit beschäftigt sämtliche Supermärkte abzuklappern um die günstigsten Einkaufsmöglichkeiten auszuloten. Bei der Siegerehrung blieb derart viel von der leckeren einheimischen Kost über, dass wir uns gerne opferten und uns bereitwillig die Bäuche voll schlugen.
Pico - ein perfekter Gipfel:
Bald stand leider der endgültige Abschied von Mambo bevor, da wir weiter nach Pico wollten um den perfekt kegelförmigen Vulkangipfel zu besteigen. Das Wetter spielt dabei eine entscheidende Rolle, da der Gipfel häufig und oft auch ganz unvermittelt von Wolken eingehüllt sein kann. Thomas war einige Jahre zuvor gescheitert und musste im Sturm auf halber Höhe übernachten, weil die Sicht für den Abstieg nicht ausgereicht hatte. Wir landeten in Sao Roque, einem ganz bezaubernden Ort am Fuße des Pico, der mit seinen alten aus schwarzem Lavagestein erbauten Häusern beeindruckte. Neben unserem Ankerplatz fand sich die alte Walfabrik, die heute als Museum dient und die ziemlich aufwendige Maschinerie für die Verarbeitung der Wale beherbergt. Anstelle der Wale sind auch auf Pico die stark subventionierten EU-Kühe getreten und der Duft der Kuhfladen begleitet einem hier wie auf Flores auf der gesamten Insel. Mit dem Wetter hatten wir für unsere Gipfelbesteigung nicht auf anhieb Glück - dafür genossen wir die Gastfreundschaft von Sao Roque mit gratis Internet und Duschen.
Auf einer Radtour über das gesamte Hochplateau der Insel erkundete ich die Vulkanhöhle Frei Matias und durchquerte die nicht enden wollenden Vulkangipfel der Osthälfte der Insel auf einer schönen Forststrasse.
Tags darauf war endlich das Wetter passend und wir trampten zum Ausgangspunkt der Pico Besteigung auf 1200 Meter Seehöhe. Wir wussten es wirklich zu schätzen bei schönstem Wetter und nach 2 Stunden den Gipfel auf 2300 Meter zu erreichen. Der Ausblick war atemberaubend. Hinter dem kleinen Wolkenkranz, der sich am Pico gebildet hatte konnten wir alle Inseln der Mittelgruppe sehen, darunter auch unser nächstes Ziel, Horta auf der Insel Faial.
Die Insel Faial - der Seglertreff:
Bei Seglern aller Nationen bekannt ist die gut geschützte Marina in Horta von der wir allerdings ein wenig enttäuscht wurden. Nicht nur, dass wir nicht vor der Marina neben den anderen Ankerliegern ankern durften - auch die Duschen waren nicht im Preis inbegriffen und kosteten pro Dusche 1,7€ extra. Dazu kam noch dass die Sanitärräume nur von 8 - 20 Uhr geöffnet waren. Aus Protest legten wir uns vor die Hafenmauer, was aber bei der herrschenden Flaute keineswegs unkomfortabel war. Ganz im Gegenteil - abends wurden wir von Delphinen besucht, die wir ganz nahe atmen hörten und es gab auch keine lästigen Nachbarn, die bis spät in die Nacht mit lauter Musik feierten. Wir feierten allerdings schon - nämlich das Wiedersehen mit der österreichischen Yacht Alegria und ihrem Besitzer Heinz. Neben ausgezeichnetem Wein und Pasta spielte die Schiffskapelle zu unseren Ehren mit Ziehharmonika und Saxophon auf. Die Hauptsehenswürdigkeiten von Horta sind wohl die Segelyachten und der Seglertreff Peter´s Sportcafe, wo wir uns mit Heinz den ein oder anderen Gin Tonic genehmigten und über unsere Abenteuer plauderten. Für Thomas bedeute Horta das Ende der Reise und wir erwarteten meine Eltern, die uns wieder mit Ersatzteilen versorgten und gemeinsam mit uns zur westlichsten Azoreninsel Sao Miguel segelten. Für einen würdigen Empfang leisteten wir uns doch einen Tag in der Marina um Kompressor, Tauchflaschen und Mountainbike zu entrosten und neu zu lackieren.
Auch die Blue Note bekam eine gründliche Süßwasserwäsche sowohl innen als auch außen. Jetzt durften wir uns neben den unendlich vielen anderen Seglern an der Kaimauer verewigen. Wir fanden einen Platz direkt neben dem Bild der Mambo und malten dort einen Delphin - dessen häufige Begegnung auf unserer Überfahrt immer besonders aufmunternd war und uns daher viel bedeutet.
Auf der Alegria bereitete uns Heinz ein einmaliges Abschiedsfrühstück mit selbstgemachtem Brot und einer Spezialeierspeis. Mein Vater entdeckte in Heinz einen ehemaligen Geschäftskontakt und auch die Leidenschaft zum Fliegen und Segeln teilten sie Beide. Umso schwerer fiel dann auch der Abschied, der wie immer etwas überstürzt kam - schließlich gibt es ja noch so viel zu entdecken!
Terceira:
Nach einem gemütlichen Abend in Madalena auf Pico (wir sind ausgerechnet in den einzigen Drogentreff auf den Azoren gestolpert, weil die Spelunke die beste Aussicht hatte) erkundeten wir zu Viert in unserem kleinen Dingi mit meinen Eltern inklusive kompletter Tauchausrüstung die vorgelagerten Inseln. Neben der üblichen, zerklüfteten, wenn auch im Vergleich zu den Tropen etwas kahlen Steilwand begegneten uns Barrakudas und ein 1 Meter großer Barsch sowie eine Muräne.
Den guten Wind nutzten wir aber noch am selben Tag um weiter Richtung Osten zu kommen. Der Anker fiel in dem verträumten Dorf Calleta auf der Insel Sao Jorge. Selbst hier hat man vor kurzem mit EU Geldern eine riesige Kaimauer errichtet obwohl der dadurch entstandene Hafen kaum genutzt wird. Die Garnelen-Buzara, die meine Mutter in der Funktion als Hilfssmutje zubereitete, passte ausgezeichnet zu unserem Weißwein von der Insel Pico. Bei sehr unkonstantem Wind motorsegelten wir nach Terceira, um die Stadt Angra, die als Weltkulturerbe gilt, zu besichtigten. Kurz vor Sonnenuntergang wurden wir wieder einmal, wie so oft auf den Azoren, von Delphinen begleitet. Gekonnt vollbrachten sie ihre Kunststücke vor unserem Bug während weiter entferntere Tiere meterhoch aus dem Wasser sprangen um zu jagen.
Unsere Erwartungen von Angra wurden mehr als übertroffen. Einstimmig beschlossen wir, dass Angra zu den schönsten Städten zählte, die wir jemals besucht haben. Obwohl die ganze Stadt 1985 von einem Erdbeben stark verwüstet wurde, gibt es eigentlich keinen klassischen Altstadtkern, da die ganze Stadt eigentlich alt ist. Eine Radtour auf den 1100 Meter hohen, leider in Nebel verhängten Gipfel der Insel führte uns durch blumengesäumte Forststrassen vorbei an Rinderfarmen, die auf die Zucht von Kampfstieren spezialisiert sind. Solch ein, jedes Monat stattfindende Stierstraßenfestival durften wir zufällig miterleben. Dabei werden die Stiere nicht verletzt sondern nur durch die mit Menschen gefüllten Strassen getrieben. Die Stimmung ist unbeschreiblich wenn die halbe Stadt "panisch schreiend" durch die reichlich geschmückten Strassen läuft. Von der schreienden Menschenmasse hatte ich jedenfalls mehr Angst als vor dem Stier, der mehrmals wegen Müdigkeit ausgewechselt wurde. Vermutlich ist diese Art des Zeitvertreibes, den die Bewohner von Terceira veranstalten, besser als die Autorennen auf der 9 Kilometer langen Inselstraße der Azoreninsel Corvo, welche die 60 Einwohner mit ihren sage und schreibe 90! Autos veranstalten oder die nicht zu verleugnenden Drogenprobleme der scheinbar gelangweilten Jugendlichen zum Beispiel auf der Insel Flores.
Meine Eltern führten uns in die besten Lokale von Angra zum Essen aus. So entdeckten wir beispielsweise die Dachschindelspezialitäten der Cervejaria Aires gegenüber der Kirche Se, wo Oktobus, Scampi oder Stockfisch in einer Dachschindel, die an den Enden mit Germteig verschlossen ist, in einer leckeren Sauce im Ofen gebraten werden.
Auch das Frühstück fiel wie bei Millionären aus - Omelett mit Käse und Schinken oder Leckereien aus der hiesigen Konditorei ließen wir uns servieren. Derartig gestärkt machten wir uns auf die 100 Seemeilenetappe nach Sao Miguel bei relativ regnerischem Wetter aber dafür ganz gutem Wind.
Sao Miguel:
Um 3 Uhr nachts liefen wir nach einer rasanten Halbwindfahrt in Punta Delgada ein, dem Hauptort der Insel Sao Miguel. Dort fanden wir nach einigen Mühen auch einen sicheren Platz in der total überfüllten Marina und auch einen Segelmacher sowie die Simrad Vertretung, die sich unserem in Kuba verstorbenen automatischen Steuermann annehmen sollte. Die von der Marina aus eher hässlich anmutende Stadt entpuppte sich bei genauerem Erkunden als sehr nett. Das etwas weiter westlich gelegene Stadtzentrum beeindruckt mit einigen alten Palästen und Kirchen aus dem 16. Jahrhundert und bald entdeckten wir auch das hier auf den Azoren oft verfügbare gratis Internet im sogenannten PT Gebäude.
Sao Miguel erstreckt sich mit einer Länge von 60 Kilometern von Ost nach West und ist damit die größte Insel in der Gruppe der Azoren. Mit dem Mietauto erkundeten wir zwei Tage lang die Insel, die einige spektakuläre Attraktionen zu bieten hat. Obwohl Sao Miguel wie jede der anderen Inseln wieder ganz einzigartig ist haben alle Inseln eines gemeinsam: die mit Hortensien gesäumten Straßen und Felder. Die Westseite der Insel wird beherrscht von der Caldeira, das Sete Cidades, ein gewaltiger Krater in dem sich neben drei Seen auch eine kleine Ortschaft versteckt. Unsere Tour führte uns vorbei an Windmühlen zu den Teeplantagen Cha Formosa bei dem gleichnamigen lieblichen Fischerort an der Nordküste gelegen. Dort konnten wir die einzige in Europa vorhandene Teefabrik mit den dazu gehörigen Plantagen besichtigen und den vornehmlich schwarzen Tee, verkosten. An der Nordküste etwas in den Bergen spürt man dass die vulkanisch aktive Zeit der Insel noch nicht allzu lange her ist - an den Hängen reiht sich ein geothermisches Kraftwerk nach dem anderen, die mit ihren weißen Dampfwolken von weither sichtbar sind.
Im Ort Caldeiras konnten wir mehrere Schwefelquellen besichtigen und ein Stück weiter in luftiger Höhe bei Lombadas badeten wir inmitten einer eindrucksvoll zerklüfteten Berglandschaft neben den Ruinen einer alten Abfüllanlage mitten im herrlichsten Mineralwasser. Bei Sonnenuntergang erreichten wir über eine abenteuerliche Bergstrasse den wildromantischen Kratersee Lagoa do Fogo auf 900 Meter Seehöhe.
Die Ostseite der Insel beeindruckt durch den Ort Furnas, der neben einem Kratersee und mehreren Schwefelquellen für seine einzigartigen Cozidos bekannt ist. Hierbei handelt es sich um einen Eintopf aus Fleisch oder Fisch der zusammen mit heimischen Gemüsen, wie den Jam Knollen in einem Riesentopf in den heißen Schwefelquellen am See gekocht wird. Nach einem heißen Bad in einer Geheimschwefelquelle, die nur Einheimische kennen, führte uns ein Abstecher in den äußersten Osten der Insel über endlose Kurvenstrassen durch steile, bewaldete Schluchten zu dem malerischen Ort Nordeste, dessen Kennzeichen ein großes Viadukt im Ortskern ist.
Unseren Besuch auf Sao Miguel beendeten wir mit einem Segeltörn zu der kleinen Kraterinsel vor dem Ort Vila Franca Do Campo. Dort bestaunten wir die schroffe Felslandschaft über als auch unter Wasser, bevor wir nach einer unruhigen Nacht vor Anker nach Ponta Delgada zurückkehrten um uns von meinen Eltern wieder zu trennen.
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