BLUE NOTE

Wie alles begann
Der erste Törn - Palagruza
Vorbereitungsarbeiten
Die Helden
Das Boot
Reiseroute (NEU)
(21.06.2004 aktualisiert)
Reiseberichte
(26.10.2004 aktualisiert)
Kontakt

© Christian Widermann 2003, 2004
Unsere letzte Atlantik Etappe und Portugal:
Flaute und ruhiges Meer - das freut uns gar nicht sehr!

Selten hatten wir so wechselhafte Winde wie auf dieser 900 Seemeilen langen Etappe von den Azoren zu der weltbekannten Portweinmetropole Porto gehabt. Selbst im Mittelmeer sind wir mit weniger Motorstunden und Segelmanövern ausgekommen. Es verging kaum eine Stunde wo wir nicht den Spinnaker bergen, das Groß setzten oder wieder einmal den Motor starten mussten. Aber alles Schlechte hat auch eine gute Seite - so genossen wir die Sonne und das ruhige Meer und wurden wieder - wie so häufig auf den Azoren - von Delphinen aufgeheitert, die vor unserem Bug waghalsige Kunststücke vollführten.


Wieder nutzten wir die Zeit um diverse Arbeiten an Bord zu verrichten und verbrachten den Rest der Tage mit lesen und Kartenspielen. In Porto erwarteten uns Connys Freundin Petra mit ihrem Jörg, die uns von Porto nach Lissabon begleiten wollen. Leider verspäteten wir uns mit unseren 4 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit ein wenig.

Die Küste Portugals und Spaniens - von Porto nach Motril:

Porto:
Pflichtbewusst wollten wir uns in der Marina von Leixoes anmelden, da dies in Portugal sogar üblich ist wenn man von einem anderen Hafen innerhalb Portugals kommt. Vermutlich ist dieser überall im Land noch spürbare übertriebene Bürokratismus ein Rest des sozialistischen Regimes Portugals, welches noch 1974 in Kraft war. Einen Tag vor unserer Ankunft ist allerdings die Tankstelle der Marina abgebrannt und daher entfielen auch die Formalitäten. Die Boote, die in der Marina lagen, waren durch den Ölteppich, der alles gleichmäßig überzog, stark bedient und sie konnten die Marina wegen der Ölbarriere auch nicht verlassen. Nach einer ruhigen Nacht im Industriehafen nahmen wir den Bus nach Porto, um dort mit Petra und Jörg an einer von einer Weinkellerei gesponserten gratis Stadtrundfahrt teilzunehmen, die natürlich mit einer Portweinverkostung endete.


An die sozialistische Zeit Portugals erinnern auch der Stand der Schuhputzer die in unserer "westlichen" Welt (Portugal ist ja eigentlich einer der westlichsten Staaten der EU) eigentlich ausgestorben sind. Die unter Denkmalschutz stehende Stadt hat zwei Gesichter - einerseits die hübschen Fassaden der mehrere hundert Jahre alten Bauwerke und andererseits die völlig verwahrloste Substanz hinter den Fassaden. Die meisten Häuser im Zentrum stehen leer oder es steht überhaupt nur mehr die Front, die nicht abgerissen werden darf.
Die wahre Attraktion entdeckten wir erst am nächsten Tag - während Petra und Conny spurlos in einem Einkaufszentrum verschwanden, machten sich die Männer auf, die unergründlichen Tiefen der Portweinkeller zu ergründen. Schnell fanden wir heraus, dass die Kellereien am Fluss eher auf Tourismus ausgerichtet waren und für die Verkostung etwas verlangten. Etwas weiter am Berg oben wurden die Keller immer tiefer in den Felsen angelegt und der Portwein immer besser und vor allem die Bedienung immer hübscher. Der hochprozentige, da mit Brandtwein angereicherte Wein zeigte bald seine Wirkung, was sich im Verlust von Jörgs Reiseführer abzeichnete.



Etwas verspätet trafen wir unsere mit Fetzen beladenen Mädchen, die von einem sensationellen Buffet mit Riesenoktopussalaten im Einkaufszentrum berichteten.

Peniche und die Berlenga Insel:
Nicht ohne unser Boot mit dem hervorragenden Wein aus der Region Douro und einigen Flaschen Portwein als Ballast zu beladen, lichteten wir bei leichtestem Wind bzw. völliger Flaute unseren Anker um die vor Peniche gelegene Isla Berlenga, die ein Vogelparadies sein soll, zu erforschen. Petra, die schon sehr bald dem Neptun opferte, war, glaube ich, schon sehr froh als die Inseln nach einer langen Nachtfahrt vor uns aus dem diesigen Horizont auftauchten. Wir trauten unseren Augen nicht als wir eine kleine Feriensiedlung mit Supermärkten, Bars und sogar einem Campingplatz auf der völlig kargen Insel ausmachten. Etwas entfernt vom Rummel ankerten wir vor einer tollen Wasserburg, die zu einem Hotel umfunktioniert wurde.

 

Mit Dingi und Diveglider erkundeten wir die zahllosen Wasserhöhlen, die sich wie Tunnels durch die Insel zogen. Die unzähligen Vögel, die wir auf dem Weg zum Leuchtturm sehen konnten, scheinen in Harmonie mit den Touristen zu leben. Nahrung dürften sie reichlich im Meer finden. Interessant war eine Vogelmutter, die für ihre Kleinen eine Krabbe heraus würgte, von denen wir unzählige auf der Fahrt sahen. Mit Schnorchel und Neopren - bei 18 Grad Wassertemperatur empfehlenswert - entdeckten wir in einer Höhle einen großen Wels und einige Krabben.
In Peniche leisteten wir uns die Marina und wurden von Petra und Jörg in eines der vorzüglichen Fischrestaurants ausgeführt. Vor allem der Fischeintopf, eine regionale Spezialität, stellte sich als äußerst lecker heraus. Der Strand von Peniche - auch Supertubus genannt - gilt als Wellenreitparadies. Die Wellen hatten aber, wie Jörg und ich feststellen mussten, Ruhetag und so planschten wir nur sehr professionell ein wenig herum ohne unsere unglaublichen Surfkenntnisse unseren Beachgirls demonstrieren zu können. Die waren aber auch so mit uns zufrieden und selbst Petzi oder auch Petzibär genannt mutierte auf der Weiterfahrt nach Lissabon zum wahren Seebär - brachte sie Neptun schließlich keine weiteren Opfer und steuerte bei bis zu 25 Knoten Gegenwind und Regen die Blue Note nach Lissabon.

Lissabon:
Die erste Nacht verbrachten wir in Cascais, wo sich beim Ankerauf am nächsten Morgen unser Anker in einer anderen, alten schweren Kette verfing und nicht mehr hochzubekommen war, wie ich mit Schnorchel und Taucherbrille in dem sumpfig trüben eiskalten Wasser feststellen musste. Dieses kleine Pech vermieste uns aber nicht das tolle Erlebnis mit dem Schiff durch den Tejo nach Lissabon zu segeln. Nach einem Zwischenstopp bei der Hafenpolizei auf einem abenteuerlichem Schwimmsteg, wo ich die unheimlich bedeutenden 2,5€ Hafensteuer zahlen musste, während die gesamte Crew versuchte unter Einsatz ihrer Kräfte und Knochen das Schiff, welches durch den Schwell auf den Steg gedrückt wurde, zu sichern, segelten wir vorbei am Torre de Belem, wo ich vor zwei Jahren die erste JOD in Natura besichtigt hatte.

 

Nachdem wir die selben Formulare, die wir zuvor unter Einsatz von Gesundheit und Schiff für die Hafenpolizei ausgefüllt hatten nochmals in der Marina ausgefüllt hatten, schlenderten wir ins Zentrum und besichtigten den Aufzug von Eiffel, die alte Festung, von der sich ein schöner Ausblick auf die weitläufige Stadt bot, und bummelten durch die Fußgängerzonen des nach einem Erdbeben völlig zerstörten und im Planquadrat neu angelegten Stadtzentrums. Wie schon vor zwei Jahren beeindruckte mich die gepflegte, ruhige Stadt mit ihren eindrucksvollen Prunkbauten und Palästen. Was sich allerdings in den zwei Jahren geändert hatte waren die unzähligen Drogenhändler, die vor allem mir - möglicherweise wegen meiner coolen Sonnenbrille - laufend Haschisch zum Verkauf anbieten wollten. Durch einen Zufall entdeckten wir Abends noch das Weingeschäft, in dem ich schon vor zwei Jahren bei einer unglaublich dicken, einem Weinfass ähnelnden Dame ganz hervorragenden Wein gekauft hatte. Für das Abschiedsessen von Petra und Jörg fanden wir mitten im Zentrum ein unwahrscheinlich uriges Einheimischenlokal, wo wir uns die Bäuche mit der Spezialität des Hauses "Gambas al Olio" voll schlugen.
Für uns hieß es nun Abschied von Petra und Jörg zu sagen, die uns sehr ans Herz gewachsen sind. Dafür hießen wir unser neues Crewmitglied Michele aus der Schweiz willkommen, der mit uns bis Motril an der Küste Spaniens segelt.

Portugals Südküste:
Nach zweitägigem Kreuzschlag bis zum Cabo Sao Vicente, dem südwestlichsten Zipfel Portugals ankerten wir in der Nacht direkt am Kap und stellten am nächsten Morgen fest, dass das Wasser zum Tauchen zu trüb ist. Daher nutzten wir den Wind, um nach Portimao zu segeln, ein netter Hafen mit einer schönen Burg neben unserem Ankerplatz.


Von hier starteten Michele und ich mit den Rädern zu dem Kurort Monchique, der für seine Thermen vulkanischen Ursprungs bekannt ist. Auf dem 900 Meter hohen Gipfel Foja konnte man noch die Verwüstungen sehen, die der vor wenigen Wochen wütende Waldbrand angerichtet hatte. Weiter ging es mit dem letzten vorhandenen thermischen Lüftchen zur Algarve-Hauptstadt Faro. Die Hafeneinfahrt zu unserem ruhigen Ankerplatz in der Flussmündung hatte 4 Knoten Gegenstrom zu bieten und nur mit Hilfe des noch vorhandenen Windes und des Motors schafften wir es hinein. Die Städte entlang der Küste waren alle durch große Hotelbunker an den endlosen Sandstränden gekennzeichnet und verlockten uns wenig. Wir wählten den direkten Weg nach Tarifa, wo wir einen traumhaften Ankerplatz vor der der Stadt vorgelagerten Halbinsel mit Leuchtturm fanden.


Ein schöner Sandstrand umrahmt von einer Burg war unser Landeplatz für das Dingi. Am Sandstrand auf der anderen Seite der Halbinsel brachen tosend die Atlantikwellen und bildeten ein Eldorado für Wellenreiter. Auch ich schaffte es ein paar Mal am Brett zu stehen und kam natürlich einem Einheimischen in die Quere, der mich am liebsten erwürgt hätte. Obwohl das Wasser saukalt war, wagten Michele und ich ein paar Tauchgänge und wurden mit dem Wrack eines Raddampfers, einem Mondfisch, mehreren Muränen und einer Riesenschildkröte belohnt. Der Leiter der heimischen Tauchschule war sehr hilfsbereit bei der Reparatur meines Scubapro Reglers, der aber trotzdem nicht so recht funktionieren wollte. Schließlich montierte ich unsere beiden über 30 Jahre alten Poseidon Mundstücke die zwar antiquiert sein mögen aber scheinbar zuverlässiger und auf jeden Fall leichter zu warten sind als Scubapro. Als ich eines Morgens im Fischereihafen auf das Service meines Reglers wartete konnte ich einen Mann beobachten, der einen gut zwei Meter langen Fisch aus dem Kofferraum seines Autos lud. Das Fische dieser Größe hier in der nährstoffreichen Strasse von Gibraltar keine Ausnahme sind zeigte ein Fischkopf am Fischmarkt der von einem noch größeren Exemplar stammte und sicher die halbe Stadt mit Fischsuppe versorgen konnte. Conny verwöhnte sich an Land mit diversen Leckereien aus der Konditorei und mit Eis. Auch die Altstadt ist trotz der vielen Touristen sehr attraktiv mit ihren engen Gassen und der das Zentrum beherrschenden Burg. Einzig der Wind, der die gesamten 5 Tage zum Surfen nicht reichte, enttäuschte mich sehr.

Gibraltar:
Erst am Tag unserer Abreise nach Gibraltar stellte sich das altbekannte "Strasse von Gibraltar Phänomen" ein-bei mäßigem Wind segelten wir mit Spi und Groß von Tarifa los; Mit der Strömung erreichten wir mit einen Schnitt von 10 Knoten bald Gibraltar und wurden aus heiterem Himmel von Böen bis zu 40 Knoten überrascht. Gerade rechtzeitig konnten wir Spi und Groß bergen und uns nur mit Genua 2 in die nächste Ankerbucht retten. Endlich kam ich zum Surfen - welch Geschenk und gutes Omen zu meinem 30er.


Der Smutje verwöhnte den stark gealterten Kapitän nach allen Regeln der Kunst mit herrlichem Wurstsalat und Gambas al Olio. Gibraltar, der erste Punkt unserer Reise, den wir nach vollendeter Atlantikrunde zum zweiten Mal besuchten, zeigte sich mit seinen Wucherpreisen und den unendlich vielen Schnapsläden unverändert. Selbst die Affen waren genauso verspielt wie vor einem Jahr.

Ceuta:
Wir ließen es uns nicht nehmen die spanische Enklave Ceuta am afrikanischen Kontinent zu besuchen. Die Marina war mit 7 Euro genau wie der Treibstoff spottbillig. Die Stadt selbst war bei unserer Ankunft ein wenig verschlafen aber erwachte gegen Abend zum Leben. In dem etwas außerhalb direkt an den Felsklippen gelegenen Restaurant El Andalous erlebten wir die marokkanische Küche mit in Blätterteigtaschen gefüllten Gambas und exotisch zubereiteten Hühnchen sowie dem picksüßem Pfefferminztee hautnah. Vor allem aber der leckere Nachspeisenteller hatte es Conny sehr angetan. Auch die Blue Note freute sich, so wie wir, sehr über die Süßwasserdusche und die Marina bot eine gute Gelegenheit das Positionslicht am Mast zu wechseln.