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| Erinnerungen an die Atlantischen Inseln |
Zuhause in der guten Stube sitze ich und denke beim Betrachten der Fotos an die schöne Zeit auf der "Blue Note". Eine Etappe auf ihrer langen Reise durfte ich Martin und Conny begleiten. Von den Kanaren, genauer gesagt von Gran Canaria, zu den Kapverdischen Inseln, wo unser Landfall auf der Insel Sal erfolgte. In Baia da Palmeira, so fremd und unwirklich, wie einem Europäer die Cabo Verde Islands eben erscheinen.
Wie bin ich eigentlich dazu gekommen? Nun, es war eine kleine Notiz in der Yachtrevue, ein Telefonat, dann das Kennenlernen und viele e-mails. Ja ich habe viel Freizeit, ich bin im Ruhestand, bin Hoppy-Segler und möchte Blauwassersegeln kennenlernen. Das war es also. Die Überfahrt wird mir ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Das Bewußtsein, daß eine Yacht eine geschützte Zelle, mit einer Crew und rundum sonst nichts ist, wird durch die sogenannte Einsamkeit noch unterstrichen. Man lebt mit der Bordroutine, dem Wachegehen und dem Tag- und Nachtwechsel. Die tausende Meter Tiefe des Atlantiks, die hunderte von Meilen sowohl vor dem Bug als auch hinter uns festigen den Charakter und die Crew. Wenn an Steuerbord die Sonne farblos versinkt so kommen wenig später die Sterne, welche jede Nacht zu einem neuen Erlebnis werden lassen und wenn die Sonne an Backbord wieder fahl und kaum erkennbar aufgeht, sieht alles ringsum gleich aus. Wie schnell wir uns vorwärts bewegen erkennen wir nur am GPS und unseren Etmalen. Die seltenen Positionslichter eines Flugzeuges sagten uns, dass wir nicht alleine auf dem Ozean waren. In den 129 Stunden der Überfahrt sahen wir nur zwei Schiffe. Die Leuchtspuren des Planktons in den sternenhellen Nächten ohne Mond sind unbeschreiblich. Bei Tag sind die immer wieder anbeißenden Goldmakrelen regelrechte Highlights. Das lässt sich mit Fisch im Restaurant nicht vergleichen und Martin hat viel Zeit mit dem Putzen und Zubereiten verbracht. Der beständige, aber in seiner Stärke sehr variable Passatwind hat uns mit Segelwechsel auch immer beschäftigt und schlussendlich vergehen solche Tage immer viel zu schnell.
Natürlich waren wir alle drei glücklich, so problemlos und schnell auf Sal angekommen zu sein. Doch verglichen mit den anschließenden Tagen der Ruhe und der Erholung hätte die Überfahrt für mich auch länger dauern können. Auf der Insel Sal lagen wir an drei verschiedenen Ankerplätzen um dann einen Schlag nach der Insel Boa Vista zu machen. Auf dieser Fahrt erwischte uns ein kurzes, aber heftiges Tropengewitter. Lange schon hörten wir den Donner, ohne das Unwetter zu ahnen. Das Gewitter war nicht zu sehen, bis sich eine scharf abgegrenzte Wolkenwalze über dem Horizont aufbaute und uns entgegenkam. Nun wurde die vom Harmattan verstaubte "Blue Note" von uns gewaschen und als das Wetter abzog sahen wir unser Ziel, Boa Vista, an Backbord vor uns.
Die Wirkung solcher exotischer Inseln, das für mich ungewöhnliche warme Klima auf 16 Grad nördlicher Breite und die erzwungene Funkstille (kein t-mobile-Empfang) weckten in mir die Empfindung, noch weiter weg von Europa zu sein. Die für mich letzte Fahrt mit der "Blue Note" ging zurück nach Baia da Palmeira, entgegen dem Passat. Die ersten sechs Stunden waren noch ein Anlieger, dann drehte jedoch der Wind und wir mussten ein paar Schäge kreuzen. Die flotte Yacht benötigte auch gegenan nur sieben Stunden für 37 Meilen.
Viele nette Menschen habe ich durch dieses Erlebnis kennengelernt und ich werde die "Blue Note" Martin und Conny in lieber Erinnerung behalten. Die Homepage zu lesen ist mir ein Bedürfnis geworden und ich begleite die Beiden in Gedanken auf ihrem Törn. Für die noch vor ihnen liegenden tausenden von Meilen wünsche ich ein Mast- und Schotbruch und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.
Fritz
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