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St. Lucia - von Langusten und tollen Gipfeln:
Nach dem Klaus und Christian den ersten Sonnenbrand ausgefasst und die Bekanntschaft mit der Seekrankheit am etwas schaukeligen Tauchplatz vor dem Diamond Rock überwunden hatten, segelten wir bei angenehmen Nordostwind nach St. Lucia um in Rodney Bay einzuklarieren und dort zu erfahren, dass Ankern und Tauchen wie in Dominica auch hier verboten ist. Nichts desto trotz war unser nächstes Ziel die verträumte Bucht Anse Cochon, die mit einem schön bewachsenen Wrack, reichlich Langusten und vielen Fischen aufwarten konnte. Jedenfalls war das Lobstersushi, das Christian gezaubert hatte nicht zu verachten....
Weiterhin war Neptun auf unserer Seite - vor den Pitons schnorchelten wir ein wenig am Caille Point und fanden tatsächlich mitten am Riff einen 18 kg Anker mit 30 m Kette. Unser Ankerplatz Malgre Tout direkt unter dem Petit Piton, der fast senkrecht 800 Meter aus dem Meer wächst, ist wohl der eindrucksvollste Ankerplatz auf den wir je ankerten (in diesem Fall für 40 EC "mooringten", da ankern ja verboten ist). Nachmittags kämpften sich Conny und ich in einem Traunstein - ähnlichen Klettersteig , den uns einer der selbsternannten Führer natürlich nur gegen Geld verraten hatte auf den Gipfel und genossen den unbeschreiblichen Ausblick auf unser Boot. Als wir eine warme Dusche in den Hot Falls am Fusse des Pitons nahmen und auf unseren Berg sahen konnten wir nicht glauben dass es möglich war dort hoch zu klettern.
Leider hatten wir nur für 3 Tage einklariert (für mehr als 3 Tage müsste man wieder extra ausklarieren) und so mussten wir weiter nach St. Vincent der nördlichsten der Grenadinen - Inseln.
St. Vincent and the Grenadines - Inselhüpfen und Piraten:
Gemütliche 4 Bft Halbwind - ein Segeltraum - der Atlantik zeigte sich Christian und Klaus von seiner gemütlichsten Seite! Ein paar Stunden später fiel unser Anker in dem kleinen Dorf Chateaubelair am Fuße des 1000 Meter hohen Vulkans Soufriere, den Christian und ich besteigen wollten. Die Steilwand, die wir auf der Nordostseite von Chataeubelair Island entdeckten, war unglaublich - die mit den buntesten Korallen bewachsene, 40 Meter hohe Wand aus Vulkangestein schloss sich wie eine Höhle über unseren Köpfen. Die Nacht war etwas ungemütlich - der Schwell aus Norden rollte direkt in die Bucht und unser Heim wurde wieder zum Schaukelpferdchen. Tags darauf machten wir St. Vincent unsicher - so glaubten wir zumindest bis wir zum Boot zurückkamen.....
Schon die Landung mit dem Dingi in der Brandung ging etwas in die Hose und so wanderten Christian und ich mit nassen Schuhen auf den Soufriere während Conny und Klaus die Dark View Wasserfälle besichtigten. Der Wanderweg war wunderschön, erschien uns aber endlos. Dafür aber war der Gipfel wolkenfrei und wir hatten die schönste Aussicht in den großen Krater mit seinem Lavakegel in der Mitte. Erst 1979 kam es zum letzten Ausbruch und zum Abrinnen des Kratersees, erzählte uns ein Rasta der mit seinem Großeinkauf aus dem Ort (zwei kleinen Fischen im Plastiksackerl) zu seinem selbstgewählten Domizil in den Bergen wanderte. Um den Weg zur Blue Note abzukürzen kletterten wir einen steilen Hang in einem leeren Flusslauf, der statt Wasser tausende verrottete Kokosnüsse führte, zum Meer. Als ich Connys Gesicht sah, die uns mit dem Dingi abholte, wusste ich es war etwas passiert. Jemand hatte in unser Boot eingebrochen und alles durchwühlt. Nichts war gestohlen bis auf Connys Tauchlampe, einem Bier, ein Apfel und der Mastfuß meines Surfboards - Laptop, Tauchcomputer, GPS und unsere sonstigen Schätze waren unangetastet - uns fiel ein Stein vom Herzen. In dem nächsten größeren Ort Barrouallie wollten wir noch am selben Tag eine Verlustanzeige erstatten und einklarieren.
Für das Einklarieren haben sich die Jungs von Barroullie etwas besonderes einfallen lassen: Zwar konnte Immigrations bei der Polizeistation abgewickelt werden aber für die Zollformalitäten musste man in die Nachbarbucht Wallilabou fahren, wo der Zoll aber nur zwischen 4 und 6 am Abend ist. Die Verlustanzeige war überhaupt erst möglich nachdem man einklariert hatte. Das ganze Theater haben wir uns einfach erspart, indem wir schließlich in Bequia einklariert haben und St. Vincent nach einem kurzen bis auf die starke Strömung unspektakulären Tauchstop in Petit Byahaut fluchtartig verließen. Die Grenadinen sind nicht ganz billig - 50 Euro für unseren 8 tägigen Aufenthalt sind für uns absoluter Rekord. Von nun an war Inselhüpfen am Programm - wir erkundeten Petit Nevis, wo bis vor wenigen Jahren noch Wale abgeschlachtet wurden. Bei einem Tauchgang vor Pigeon Island reihten sich vor Conny und mir vier ordentliche Lobster auf einer Korallenbank auf und bettelten "Bitte nehmt mich" - was wieder einmal in einem Langustensushi endete. Auf der Prominenten-Insel Mustique mischten wir uns in Basils Bar unter Mick Jagger, Tommy Hilfinger und Konsorten, promenierten ein wenig und erwischten definitiv zuviel Hurrikane David (Cocktail) was sich bei unseren sonst sehr trinkfesten Matrosen bei der rauen Überfahrt am nächsten Tag bald zeigte.
Nicht nur die Matrosen fielen dem Hurrikane David zum Opfer - auch der Kapitän konnte sich gerade noch aufs Schiff retten - die Bootsschlüssel wurden fortgespült und konnten erst am Morgen nach aufwendiger Suchaktion geborgen werden. Als einzig Tapferer kämpfte ich mit einem Riesenbarrakuda - nicht einmal das Filetieren erfreute Christian heute, wie sich unschwer aus der grünlichen aus seinem Mund in drei großen Schwällen kommenden Flüssigkeit erkennen ließ. Auf der Insel Canouan erholten sich Klaus und Christian von den Strapazen am Strand in Corbay, während Conny und ich bei einem schönen Tauchgang eine Schildkröte und mehrere Muränen aus nächster Nähe beobachten konnten. In der Rameau Bay zauberte Conny vier herrliche Barrakuda Filets mit Curry Sauce und Christian musste schmerzhaft feststellen, dass Hummerscheren doch schärfer sind als jene der Flusskrebse, für die seine Reuse ausgelegt ist. Tatsächlich haben die Biester den Köder rausgefressen und die massive Reuse zerbissen. Die nächste Insel, die wir besuchten war Mayreau, wo wir in der Saline Bay den Österreicher Heinz mit seinem Schiff Alegria trafen und zu kaltem !!! Bier und sonstigen Leckereien auf seiner Oyster 52 eingeladen wurden.
Am Riff vor der Bucht betauchten wir Nachmittags auch das Kanonenboot Purina aus dem 1. Weltkrieg. Der Dampfkessel, die Grundstruktur des Schiffes sowie die zwei eindrucksvollen Schiffsschrauben waren noch gut erhalten. Im Wrack tummelten sich Muränen und andere kleinere Fische. Tags darauf machten wir wegen Flugbuchung von Klaus und diversen Einkäufen einen kurzen Abstecher nach Union Island um dann endlich zu unserem Traumziel den Tobago Cays aufzubrechen, wo wir mehrere Tage bleiben wollten......
Und die Tobagos sind, was die Klarheit und türkisgrünen Farben des Wassers und die Einzigartigkeit bedingt durch die riesige Lagune gebildet vom Horse Shoe Reef betrifft, wirklich nicht zu überbieten. Wie im Reiseführer beschrieben - kaum fiel unser Anker, mussten wir ausgerüstet mit Schnorchel und Taucherbrille einfach alle ins Wasser springen. Die Tage auf den Tobagos vergingen leider wie im Flug mit Tauchen am Horseshoe Reef, Inselerkunden und Surfen. Ein Highlight war die kleine Insel Petit Tabac, die wir an einem Tag mit der Blue Note besuchten.
Während Klaus und Christian einen Tag lang Robinson spielten, Kokosnüsse knackten und das Riff erforschten sahen Conny und ich beim Tauchen Muränen, Barrakudas und gleich drei Langusten, die leider ein wenig scheu waren. Auch das Windsurfen kam nicht zu kurz - flaches Wasser und konstante 5 Bft ließen mein Herz höher schlagen.
Umso enttäuschter war ich, als ich feststellen musste, das der dämliche Dieb aus St. Vincent meinen Mastfuß mitgenommen hatte. Also konnte ich nur das kleine Segel mit dem Reservemastfuß verwenden, was aber immer noch ausreichend war. Beim Surfen lernten wir den Franzosen Gerald und seine Frau kennen, die auch wie die Mambo mit Kind und Kegel auf einem Katamaran unterwegs waren. Schließlich kam der Tag, an dem wir uns von Klaus trennen mussten - wir feierten gebührend Abschied im Restaurant Bouganvilla in Union Island, wo wir neben Lobster und T-Bone Steak auch noch andere Inselschönheiten vorgeführt bekamen.... Der Begriff "Kapitänsdinne" bekam in diesem Lokal eine sympathische Bedeutung: der Kapitän speist bei größeren Gruppen frei.
Das Haifisch- und Lobsterbecken neben unserem Tisch, der nette französische Chef, der selbst die Lobster am Grill warf und Uncle Sam´s Special Cocktail taten auch ihren Beitrag zur tollen Stimmung.
Den letzten etwas verregneten Tag auf St. Vincent &the Grenadines verbrachten wir auf der wunderschönen Privatinsel Petit St. Vincent und beschnorchelten dort die groteske Sandinsel Mopion, die nur mit einem einzelnen Sonnenschirm aufwarten kann.
Grenada - Hochburg der Bürokratie, Insel der Wasserfälle, Treffpunkt der Österreicher:
Und wieder mussten wir einklarieren und diesmal aber gleich mal nach allen Regeln der Kunst! Grenada umfasst drei Inseln: Carriacou, Petit Martinique und Grenada. Nicht nur, dass wir 10 Formulare mit selbem Inhalt bei drei verschiedenen Behörden ausfüllen und ordentlich bezahlen durften - nein, wir wurden von den netten Beamten von Zoll, Einwanderung und Hafenbehörde auch mal so richtig angeschnauzt. Entschädigt wurden wir mit einem gemütlichen Tag vor Sandy Island - die berühmte Barcadi Insel, die seit dem letzten Hurrikan anstelle 11 Palmen nur mehr eine etwas verkrümmte bieten kann. Dafür liegt gleich vor der Insel ein Riff, wo es nur so von leider sehr klugen und flinken Lobstern wimmelte. Mit Surfen, Tauchen und Drachenfliegen vertrieben wir uns die Zeit und lernten wieder eine französische Familie mit ihrer blauen Centurion 49 und ebenfalls einem Surfbord kennen, mit denen wir schnell Freundschaft schlossen.
Hervi und Catherine trafen wir fast auf allen Ankerplätzen in Grenada wieder. Zwischen Carriacou und Grenada besuchten wir noch die wilde nur temporär von Fischern bewohnte Insel Rhonde, die uns sehr an unser Erlebnis in der Cane Garden Bay erinnerte. Die Atlantikroller bogen sich irgendwie um die Insel in die Bucht und brachen mit schaurigem Getöse und meterhoher Gischt an den vorgelagerten Felsen. Bald war uns die Schaukelei zu dumm und weiter ging es nach Grenada, wo wir von der Ankerbucht Hallifax aus die Concord Falls besichtigen wollten. Wir trauten unseren Augen nicht als wir auf dem einzigen Boot in der Bucht, einem alten Holzkutter, eine österreichische Fahne wehen sahen. Martin war damit auch von den Kapverden nur drei Tage nach uns über den Atlantik gesegelt. Zusammen erkundeten wir die Concord Falls, verwöhnten unsere salzverkrustete Haut und Haare mit Süßwasser und sammelten Muskatnüsse, die hier einfach überall herumlagen. Auch Bananen und Mandarinen gab es im Überfluss. Bei einem Einheimischen, den Martins Taxifahrer kannte, kosteten wir leckeren Sorrel Juce und selbst angesetzten Zuckerrohrwein, der unserem Most in punkto Geschmack locker das Wasser reichen kann, aber im Alkoholgehalt weit überlegen ist. Schon etwas schwindlig fanden wir dann wieder zu unserem Boot und ließen den Abend auf Martins Boot mit einem Sundowner ausklingen.
Am nächsten Morgen trennten sich leider unsere Wege - Martin musste nach Norden und wir wollten 2 Meilen südlich in die Dragon Bay, wo auf den vorgelagerten Riffen um Mouliniere Point spektakuläre Tauchplätze mit einem Wrack einer 40 Fuß Yacht und schönen mit Korallen bewachsenen Steilwänden zu finden sind. Hier trafen wir auch den nächsten Österreicher als einziges Boot in dieser Bucht vor Anker: ein Vorarlberger mit einer 41 Fuß Oceanis, der ebenfalls gerade über den Teich gekommen war und uns von Venezuela ganz tolle Dinge berichten konnte. Leider musste er auch nach Norden und so lernten wir nur die grünen Riesenmuränen und die vielen großen Raubfische bei ausgedehnten Tauchgängen am Riff näher kennen. Tags darauf hatten wir geplant das legendäre Wrack der Bianca C - einem 600 Fuß (183 Meter) langem Kreuzfahrtschiff, das 1975 wegen eines Brandes vor St. George gesunken war - zu suchen und zu betauchen. Leider war dies nicht ganz so einfach - keine Mooringtonne und nur die ungenaue Position laut Seekarte ließen uns bei der Suche schon fast verzweifeln - bis wir endlich ein Tauchboot überreden konnten uns die Position zu "verkaufen". Christian und ich tauchten nahe eines verankerten Fischerbootes ab und drifteten mit der starken Strömung ins Ungewisse.
In 40 Meter Tiefe tauchte vor uns plötzlich das ungeheuer große Wrack wie aus dem Nichts auf. Mehrere Stockwerke hoch lag es leicht auf der Seite und wir drifteten in dieser großen Tiefe schnell an dem Schiff entlang. Die Nullzeit reichte gerade um viel zu schnell an dem Monsterwrack vorbeizutreiben und die außergewöhnlich großen Barsche, Barrakudas und Thunfische zu bestaunen, die hier einen neuen Lebensraum gefunden haben. Etwas Bedenken hatte ich beim Auftauchen ob uns Conny mit der Blue Note gleich finden würde - aber es lief alles wie am Schnürchen. Der zweite Tauchgang mit Conny war fast noch schöner, da etwas weniger Strömung war. Für unser Abschiedsessen kaufte Christian von dem Fischer einen frischen Red Snapper, der von ihm liebevoll mit allerlei Inselzutaten verfeinert als bester Fisch überhaupt in unsere Geschichte einging. Dazu verkosteten wir noch einen Rum aus Grenada - Marke Westerhall um unglaubliche 6 Euro, der wie feinster Cognac schmeckte und leider viel zu schnell leer wurde.
Und das nächste Abenteuer wartete auf uns: eine rasante Fahrt - mit Überholmanövern durch unübersichtliche Kurven, mehreren beinahe Crashs, die von freundlichem Hupen und Winken begleitet wurden sowie ständigem Geheule des Motors an der Grenze zum roten Drehzahlbereich - mit dem Inselbus (Subaru Van zugelassen für maximal 12 Personen) mit 19 teilweise ziemlich übel riechenden Landsleuten besetzt, der uns zum Grand Etang, dem großen Kratersee in luftiger Höhe brachte. Wir dankten Gott, dass wir den Anblick des wie der Neusiedlersee anmutenden Sees, noch erleben durften und wanderten weiter zu den Seven Falls - die in mehreren Stufen durch den dichten Regenwald brausten und eine erfrischende Bademöglichkeit boten. Wir fühlten uns alle ein wenig wie Tarzan und Jane als wir in das glasklare Wasser sprangen. Retour entschieden wir uns aus Sicherheitsgründen für Autostopp und kamen so mit einem netten Pfarrer wieder ins Tal zurück.
Knapp vor unserer Abreise nach Tobago traf dann auch noch der Österreicher Dieter ein, den wir schon flüchtig in Guadeloupe kennen lernten - soweit zur Seemacht Österreich auf den Weltmeeren. Abschied von allen und auf zu unserem ungeplanten neuem Ziel: Tobago - angeblich eine Perle in der Karibik.
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