BLUE NOTE

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(21.06.2004 aktualisiert)
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(26.10.2004 aktualisiert)
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© Christian Widermann 2003, 2004
Kanaren - Kapverden:
La Palma - die schönste Insel der Kanaren:

Nach den geruhsamen Tagen in Las Galettas zog es uns wieder weiter zur westlichsten Insel La Palma, die mit ihrer schönen Stadt St. Cruz und ihrem 2400 Meter hohen Gipfel als die grünste Insel der Kanaren gilt. Kaum waren wir ums Südkap von Teneriffa gesegelt, war der Wind aufgrund der fehlenden Thermik und Düsenwirkung gleich null und wir mussten den Motor starten. Wir haben gehört, dass es hier Wale gibt und sahen eine Meile voraus gleich zwei Touristenboote, welche die Wale verfolgten. Auch auf uns kamen plötzlich 4 Grindwale zu, die wenige Meter vor unserem Bug auf Tauchstation gingen. Schon ein eindrucksvolles aber auch furchteinflößendes Gefühl, wenn man bedenkt, dass manche Yachtunfälle auf Zusammenstösse mit Walen zurückzuführen sind. Kaum waren wir ein paar Meilen weiter setzte wieder die Winddüse ein und wir kämpften bei bis zu 9 bft nur mit dem Sturmsegel gegen an. In unserer Ankerbucht angekommen fehlte es Beate und Jörg etwas an Appetit - kein Wunder, da unser Schaukelpferdchen wieder einmal zeigte was es so kann. In der Früh steigerte sich das sanfte Schaukeln zu einem wilden Rodeoritt und wir verholten schlaftrunken in den Hafen von San Sebastian, der Hauptstadt von La Gomera. Pünktlich um 8 wurden wir auch schon vertrieben, da wir angeblich den großen Schiffen im Weg waren und nahmen gleich Kurs auf La Palma. Der Wind reduzierte sich nach La Gomera, einer typisch kargen Kanareninsel wieder auf normale Passatstärke und wir setzten in einem Anflug von Ehrgeiz wieder seit langem die Genua 1, mussten das Grossegel aber schon bald doppelt reffen. Highlights im positiven und negativen Sinn auf dieser Fahrt waren einerseits die Wale, die wenige Meter vor unserem Bug auf Tauchstation gingen und andererseits der noch nie benutzte, nagelneue in Ibiza getauschte Autopilot der den Dienst nach zwei Stunden quittierte und nur mehr, wie wir schon mehrmals leidvoll erfahren haben, aufgrund der zu schwachen Gebermagneten vor sich hin ruckelte. Uns blieb also nichts anderes über als von Hand zu steuern, da nun beide Autopiloten defekt waren. Für uns ist dies ein ernstes Problem, da eine Atlantiküberquerung ohne Autopiloten mit Sicherheit kein Vergnügen ist und sich der nächste Simrad Händler in Gran Canaria, also in der entgegengesetzten Richtung befindet. Der Anblick von La Palma ließ uns frohlocken, weil er uns wegen seiner grünen Hänge stark an Madeira erinnerte. In St. Cruz angekommen war es nicht gerade einfach einen Parkplatz für unser Wohnmobil zu finden, da der Hafen nicht oft von Fahrtenseglern angelaufen wird und nicht über die notwendigen Einrichtungen verfügt. Mehr als kompensiert wurde dies aber durch die Freundlichkeit der Leute, die uns einmal an einem Fischerboot und dann an einem Lotsenboot längsseits nahmen. Ob das Klima oder der noch nicht so starke Tourismus wohl die Ursache für die Unverdorbenheit der Menschen hier auf La Palma ist?
Natürlich mussten wir die Gegend mit unseren Mountainbikes erkunden und wie könnte es anders sein wollten wir uns die Insel aus der Vogelperspektive vom höchsten Gipfel dem Roque de los Muchachos ansehen. Beate und Jörg nahmen sich einen Leihwagen und entdeckten so die Insel, die tatsächlich größer war als sie auf der Karte ausgesehen hatte.
Die Bergstrasse, die uns dem Gipfel langsam aber sicher näher brachte, war mit Blumen gesäumt und neben dem Straßenrand wucherte die üppigste Vegetation. Die für die Kanaren typischen Reben wuchsen wie Unkraut am Straßenrand und ab 800 Höhenmetern durchfuhren wir Wälder aus Edelkastanienbäumen - wenn wir nur einen Backofen an Bord hätten!
Schließlich ging es durch eine dicke Nebelschicht in einen Kiefernwald in dem sich die Luft von Anfangs 15 Grad auf 30 Grad erwärmte. Als ich inzwischen alleine die Abzweigung zum 2200 Meter hohen Pico las Nieves erreicht hatte, entschloss ich mich zu dieser Abkürzung, da ich vorhatte den Grat des größten Vulkankraters der Welt auf etwa 2000 Metern zu überqueren und ich einige Zwischenanstiege zu bewältigen hatte. Erstmals fand ich unzählige perfekt ausgeschilderte Wanderwege die sich herrlich als Trialpisten missbrauchen ließen - ich war im siebenten Himmel! Zuvor musste ich aber teils das Rad tragend den Grat entlang. Rechts von mir ging es gut 500 Meter senkrecht oder teils überhängend in den Krater, der zum Nationalpark erklärt wurde. Am Gipfel wurde ich von anderen 2000ern umzingelt und der Anblick des gigantischen Kraters mit einem Durchmesser von gut 10 Kilometern war mehr als eindrucksvoll. Das Gestein spiegelte sich in allen Farbtönen von schwarz über rot zu gelb und bot einen absolut unwirklichen Anblick. Während der 8 Kilometer langen Querung begegnete mir keine Menschenseele und gerade als mir der Wasservorrat ausging kam ich zu einer Selbstversorgerhütte in der ich zwar kein Wasser aber dafür Schnaps fand. Endlich oben! - und abwärts ging es nun über endlose Trialpisten durch sämtliche Vegetationszonen wieder zurück zum Boot. Wieder in Santa Cruz staunte ich über die irrsinnig steilen Strassen gegen die unser heimatlicher Eisensteinweg schwach dastand. Die einfachen Häuser, die durchwegs einen interessanten Baustil mit geschnitzten Balkonen und bunten hölzernen Türen aufweisen waren nahezu auf den Steilhang geklebt. Santa Cruz de la Palma gilt als die schönste Stadt auf den Kanaren und dies hat sicher seine Berechtigung. Der Name der prächtigen Fußgängerzone Calle o´Dally zeugt von der Vergangenheit der Insel, die durch Händler aus aller Welt geprägt wurde. Leider konnten wir nicht länger bleiben, da wir wegen der verfluchten Autopiloten nach Gran Canaria mussten. Gott sei Dank kannten Beate und Jörg Gran Canaria noch nicht und so war es möglich diesen Umweg von 150 Meilen während einer Nachtfahrt zurückzulegen. Sämtliche Düsen verhielten sich Nachts ruhig, nur die Wellen die aus einer völlig anderen Richtung als der Wind kamen machten uns das Leben schwer.

Die verfluchte Geschichte über die Autopiloten und den Klabautermann:

Es scheint als wären wir vom Pech verfolgt. Der Klabautermann könnte auf See auch Elektroteufel heißen. Abgesehen, dass uns unser Topplicht ständig neue Rätsel aufgibt und unser Wechselrichter vor kurzem seinen Geist aufgab - zum Glück aber wiederbelebt werden konnte - sind unsere Autopiloten wohl der Höhepunkt unserer Unglückserie und auf jeden Fall eine Geschichte wert. In Summe hatten wir in den drei Monaten 5 verschiedene Autopiloten, die alle, obwohl sie mechanisch einwandfrei waren, nicht mehr funktionierten. Wir lernten auf unserem Weg alle Simrad Vertretungen kennen und konnten uns jedes Mal von neuem anhören, dass wir uns eben einen stärkeren, teureren Autopiloten kaufen müssten und mussten jedes Mal die ganze Geschichte runterleiern und das Problem demonstrieren, was nicht so einfach war, da die Geräte manchmal einwandfrei funktionierten und dann wieder überhaupt nicht. Diesmal dauerte es 3 Stunden bis ich Simrad im hintersten Eck des immerhin größten Hafens Spaniens aufgestöbert hatte und weitere 2 Stunden bis ich endlich mein Problem dargelegt hatte. Während Conny und ich die nächsten drei Tage mit laufenden Simrad - Besuchen mit dem Fahrrad verbrachten, entdeckten Beate und Jörg die bisher von Touristen verschonte Seite Gran Canarias mit dem Motorrad und dem Mietauto, die angeblich sehr schön sein soll. Zumindest waren die leckeren Süßigkeiten aus Kokosnüssen und sonstigen Früchten, die sie uns von einem Bergdorf Namens Teror mitbrachten nicht zu verachten. Nach mehreren Drohbriefen an Simrad und der tatkräftigen Unterstützung meines Vaters waren die Jungs in England endlich bereit mit der Wahrheit herauszurücken. Der Antriebsriemen im Autopiloten hat statische Aufladungen verursacht, welche die Elektronik blockierten obwohl diese mechanisch einwandfrei funktionierte.
Die Lösung war denkbar einfach: Ein Kabel musste vom Hauptlager zum Motorgehäuse verlegt werden. Gesagt getan: Das verfluchte Ding arbeitete plötzlich wieder einwandfrei. Somit wäre nur mehr Autopilot Nummer zwei zu reparieren, der an den Folgen eines Wassereinbruchs litt. Als Entschädigung sollen wir von Simrad kulanter Weise direkt aus England zwei modifizierte Geräte per DHL bekommen, die wir Leihweise in Reserve mitnehmen dürfen. Da die Ersatzteile ja angeblich binnen eines Tages hier sind und DHL auch nur wenige Tage benötigt segelten wir nach Teneriffa um uns dort von Beate und Jörg zu trennen. Bei einem Abschiedsessen erzählte Beate wie günstig der Pilotenschein in Florida war und setzte mir so den Floh ins Ohr doch beim Heimweg in Florida kurz stehen zu bleiben - schließlich kann man ja dort auf den Florida Keys nach dem Fliegen auch ganz gut tauchen!
Jörg hat überhaupt eine ganz außergewöhnliche Karriere hinter sich. Die Arbeit nach seinem Studium fand er nicht so aufregend und so beschloss er seinen Traum vom Fliegen zum Beruf zu machen. Er finanzierte sich selbst die sehr teure Pilotenausbildung und fand dann auch tatsächlich in relativ hohem Alter einen Job als Pilot. Nun freut sich Jörg nach diesem Urlaub schon richtig auf die Arbeit und sieht jeder Hapag-Lloyd Maschine, die in Massen von Teneriffa über unsere Köpfe abfliegen, sehnsüchtig nach. In der Freizeit beschäftigt er sich mit seiner Pitts, mit der er bei Kunstflugwettbewerben teilnimmt.
Nachdem wir unser Schlaucherl repariert und unser Boot und die Segeln endlich mal nach drei Monaten in der schweineteuren Marina gründlich mit Süßwasser gepflegt hatten, stand einer Inselrundfahrt mit kleiner Kletterpartie in einem wunderschönem Klettergarten inmitten von Vulkangestein nichts im Wege. Der Klettergarten war mitten in einer Schlucht, die mit Feigenbäumen bewachsen war. Die Feigen waren perfekt und die Klettertouren ebenso. Übertroffen wurde das noch von einem Picknick am Fuße des Teide, der von der Nachmittagssonne angeleuchtet wurde - schade dass ich keine Kamera mehr hatte! Bergab fuhren wir auf der Nordseite zu dem wunderschönen Ort Orotava, der mit prunkvollen Gebäuden ehemaliger reicher Händler übersät war. Die Nordseite Teneriffas war unheimlich in Nebel gehüllt und mindestens genauso grün wie La Palma oder Madeira. Schade, dass es schon dämmerte und wir an unsere Abreise nach Gran Canaria denken mussten. So hieß es um 23 Uhr, nachdem der Großeinkauf für die Kapverden Tour verstaut war, Leinen los und ab zu unseren Autopiloten.
In Gran Canaria hatten wir nun eine Woche Zeit, dann mussten wir weiter nach Sal. Natürlich waren unsere Autopiloten noch nicht da und die Ersatzteile ebenfalls nicht eingetroffen.
Die täglichen Besuche bei Simrad hatten immer wieder das selbe Resultat zur Folge: "Manana!". Die Geräte aus England wurden wieder retourniert, da irgendwelche Zollformalitäten nicht eingehalten wurden. Beim zweiten Versuch machte DHL einen Fehler und lieferte an den falschen Ort. Die Ersatzteile waren ganz einfach nicht da, obwohl schon eine Woche überfällig. Wenn nach den mehrmaligen Besuchen noch Zeit blieb so gab es genug Arbeit: Hauptbeschäftigung war Ersatzteilbesorgen, was in Spanien und vor allem in Las Palmas eine richtige Herausforderung ist.
Jeder kennt irgendwen am anderen Ende der gar nicht so kleinen Stadt der dies gewünschte Teil haben könnte aber dann doch nur wieder einen anderen kennt, der ebenfalls jemanden kennt. Um unsere 2kg Gasflaschen füllen zu lassen musste Conny 10 Kilometer mit dem Rad (über eine 4spurige Autobahn, da dies die einzige Verbindung zu dem Ort war) fahren, um sie in einer Industrieanlage auffüllen zu lassen. Der Yanmar Dieselfilter war ähnlich schwer zu bekommen wie die Autopilotenersatzteile und nach 10 Besuchen im Bootszubehörladen und 10 "Mananas" war er endlich da. Weitere Arbeiten waren dann noch der Austausch zerrissener Taue, Wantenspannen, Abdichten der Fenster und sonstiger undichter Stellen, Wechsel defekter Mastrutscher, Motoröl- und Dieselfilterwechsel. Ein Highlight war der Fischereiladen Blue Marlin, wo mir ein dicker Spanier ganz genau erklärte welcher Köder für welche Fische geeignet sind. Außerdem erstand ich dort gute Ausrüstung für wenig Geld, die sich hoffentlich in Zukunft amortisieren wird. Das Hauptproblem weswegen wir hier auf den Kanaren nichts gefangen haben ist unsere hohe Bootsgeschwindigkeit, da laut Blue Marlin 4 - 6 kn optimal zum Fischen sind. Unsere Goldmakrelen fingen wir auch immer mit etwa 5 kn. Auch das Eisgeschäft in der Fußgängerzone bewährte sich mit seinem unglaublich leckeren Eis als Seelentröster, zum ersten Mal in unserem Leben haben wir Marzipaneis gegessen. Glück im Unglück ist auch der Ankerplatz, der vor einem Strand völlig umsonst war. Da wir ja in Las Palmas schon Stammgäste waren, fanden wir tatsächlich eine gratis Internetmöglichkeit in der Stadtbücherei und so waren wir ständig unterwegs und die Woche in Las Palmas verflog im Nu, ohne dass wir eigentlich wirklich etwas erreicht hatten. Die Autopiloten waren am Tag unserer Abreise immer noch nicht da und erst in einer weiteren Woche zu erwarten und der zweite Autopilot konnte aufgrund eines erst im Nachhinein entdeckten Defekt gar nicht repariert werden. Fritz, der von unseren Eltern mit einem gewaltigen Geschenkerucksack beladen wurde, brachte gute Laune mit und so waren wir auch mit nur einem Autopiloten frohen Mutes für die 800sm lange Fahrt zu den Kapverden.

Nachtrag: In Sal fuhren wir voller Erwartung zum Flughafen um unsere Autopiloten abzuholen, die angeblich ganz sicher mit dem wöchentlichen Flieger mitkommen. Wie könnte es anders sein: Die Autopiloten waren völlig unbekannt und kamen natürlich nicht mit. Wieder ein ganzer Tag vertan und umsonst geschwitzt. Langsam sind wir überzeugt, dass der Händler auf den Kanaren die Geräte irgendjemandem anders verscherbelt hat. Uns bleibt keine andere Wahl als die Woche darauf unser Glück nochmals zu versuchen.


Die Autopilotenabdeckung, die wir in Gran Canaria gebastelt hatten hat sich jedenfalls bewährt um unseren letzten und einzigen Helden vor zu starker Sonne und Nässe zu bewahren. Auch der selbst gelegte Draht zwischen Motorgehäuse und Spindellager war ein Erfolg und hat statische Störungen vollends abgeleitet.

Unser bisher längster Törn: 800sm Kanaren - Kapverden:

Nach meiner x-ten Rückkehr von Simrad ohne Erfolg hieß es nun Leinen los - länger zu warten wäre zu riskant, schließlich muss Fritz ja seinen Rückflug erwischen. Mit einem Gefühl der Erleichterung endlich Las Palmas und somit die verhasste Simradvertretung endgültig verlassen zu können rauschten wir nur mit Genua 2 ausgebaumt mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 17 Knoten Richtung Süden. Der Wind wurde auch nach Gran Canaria nicht schwächer und so blieb uns nichts anderes über als selbst an der Pinne, um unseren einzigen Autopiloten zu schonen, die riesigen Wellen runterzusurfen.


Als der Wind tags darauf abnahm und sich der Magen von Fritz beruhigt hatte setzten wir erstmals die Genua 3 als Passatsegel und erreichten so unter Autopiloten gute Etmale von 140 bis 165 Meilen. Unsere mit 8 Tagen kalkulierte Reise wurde somit auf nur 5 Tage verkürzt. Einfach traumhaft: Jeden Tag wurde es wärmer, der lästige Tau in der Nacht wurde weniger und der Passat trieb uns von hinten zusammen mit der Strömung bei klarem, nur mit ein paar Wattetupfen bedecktem Himmel unserem Ziel entgegen. Die Krönung waren die Goldmarkrelen, die sich scheinbar um die neuen Ködertintenfische nur so rauften. Insgesamt fingen wir vier 50 Zentimeter lange Goldmarkrelen die ich auch einmal roh nur mit Zitrone betreufelt probierte und vom zarten leckeren Geschmack äußerst angetan war. Jeder Tag war somit mit frischem Fisch gekrönt - so habe ich mir die ganze Segelei auch vorgestellt. Leider verbrauchten wir schon fast das ganze Segelreparaturmaterial, das wir von unseren Eltern geschickt bekamen schon am zweiten Tag, da das schon etwas ramponierte Grossegel am Top in tausend Fetzen riss. So nähten Conny und ich wieder im Akkord etwa 10 Stunden lang jeden einzelnen Riss und verklebten diese dann zweifach. Die Klebestellen wurden auch vernäht. Nach diesen Tagen schworen wir uns nicht mehr ohne Nähmaschine auf Reise zu gehen.


Conny und ich sind inzwischen schon ein gut eingespieltes Team, vor allem wenn man die Tricks und Schliche mit dem anderen richtig umzugehen herausgefunden hat. So ist Conny sehr lobbedürftig, wofür ich ihr um mir die lästige Loberei zu sparen mit wasserfestem Stift regelmäßig braver Seebär auf den Arm tätowiere. Solang Conny ausreichend Kakao löffeln kann ist überhaupt alles in Ordnung. Während der Nachtwachen beschäftigten wir uns mit Sternschnuppen zählen und bestaunten das leuchtende Plankton das im Kielwasser aufblitze und einen richtigen Leuchtstreifen hinterließ. Lediglich zum Schlafen kommt man auf See nicht ganz so viel wie sonst an Land; vor allem wenn wiedermal fliegende Fische oder wie auch einmal ein Tintenfisch im Cockpit landen und vom Deck das hilflose Gezappel des Fisches sowie von Conny mein Herz erweichen lässt, um den Fisch mit einem Klaps ins Wasser zu befördern. Für den Tintenfisch kam allerdings jede Rettung zu spät - warum legt er sich auch genau vor den Niedergang mitten in den Weg!
Das Wasser scheint überhaupt nur so von Leben zu kochen - die Delphinherde, die uns lange begleitete und die tollsten Kunststücke neben unserem Boot vollzog, war die größte, die uns bisher auf unserer Reise begegnete. Die fliegenden Fische waren beinahe gefährlich: Mit einem Affenzahn brausen sie aus dem Nichts knapp an deinem Gesicht vorbei über das ganze Schiff drüber und landen dann meist wieder heil einige hundert Meter entfernt im Wasser. Die letzten 200 Meilen vor Sal packte uns noch mal richtig der Ehrgeiz und wir setzten den Spi um noch vor Sonnenuntergang im Hafen einlaufen zu können. Neptun versalzte uns allerdings die Suppe und der Wind legte knapp 30 Meilen vor Sal seine wohlverdiente Pause ein. Auf meiner englischen Seekarte berichtigt bis 1998 aber basierend auf 1958 stand bei der Insel Boa Vista die Notiz "nach neueren Untersuchungen liegt die Insel 1,5 Meilen weiter östlich." Somit war ein Landfall des Nachts eher ein wenig riskant und wir warteten driftend bis zum Morgengrauen, um nach 5 Tagen in Palmeira auf Sal einzulaufen. Täglich haben wir Etmale von rund 150 Meilen zurückgelegtt, was ganz ordentlich ist, wenn man bedenkt, dass wir extra kleine Segel gesetzt hatten um den Autopiloten zu schonen.

Die ersten Eindrücke von den Kapverden:

Von den vor Anker liegenden Seglern, die fast ausschließlich Franzosen waren, wurden wir freundlich begrüßt.
Beim ersten Erkundungsgang wurden wir gleich vom halben Dorf umringt, da mit uns auch ein Fischer mit einer Bootsladung Thunfischen angekommen ist und seine Beute hier unter die Leute bringt. Fragt man die Einwohner Palmeiras um eine Auskunft erhält man durchwegs freundlichste Antworten. Beispielweise begleitete uns ein Junge gleich bis zum Hafenkapitän und ein anderer bis zum Supermarkt, allerdings wider Erwarten ohne danach die Hand aufzuhalten sondern sich vielmehr freundlich verabschiedend. Für uns war offensichtlich, dass wir nun in einer völlig anderen Welt gelandet sind. Die Bewohner sind afrikanischen Ursprungs und leben verglichen mit für uns bekannte Verhältnisse sehr ärmlich und in zweifelhaften hygienischen Verhältnissen. Ein kleiner Bub pinkelte vor seiner Haustür beinahe auf unsere Füße und Fliegen sind sicher die Hauptbevölkerung in Sal.
Fischköpfe und Fischabfälle werden einfach an der Mole liegen gelassen und geben umhüllt von Fliegen keinen schönen Eindruck ab. Selbst das Einkaufen ist ein Erlebnis: Der Bäcker befindet sich in einem kleinen Privathaus ohne irgendwelche Aufschriften - das Brot ist aber erstaunlich günstig und gut, vor allem Conny ist begeistert wegen seines süßlichen Geschmacks. Von anderen Seglern hören wir, dass fast alle Leute Durchfall haben, offensichtlich weil das hiesige Wasser wohl etwas problematisch ist - für uns heißt es also sparen und mit unseren verbleibenden 200 Litern bis zur Insel Sao Vincente durchzuhalten, wo die Situation besser sein soll. Bei einem Erkundungstauchgang an einer Steilwand vor Palmeira entdecken wir viele Höhlen und jagen einen leckeren Zackenbarsch, den es hier verglichen mit dem Mittelmeer häufig gibt. Überhaupt ist die Unterwasserwelt belebt von tausenden Fischen aller Farben, obwohl die Kapverden keine Korallen aufweisen. Dafür treffen aber Kalt- und Warmwasserfische zusammen und die Artenvielfalt so wie der Fischreichtum ist einzigartig.


Bald schließen wir Bekanntschaft mit dem Franzosen Juan, der mit seinem 42 Fuß Katamaran Mambo-One, seiner Frau, zwei Kindern und seiner Mutter um die Welt segelt und auch wie wir ein begeisterter Taucher ist. Vor allem hat Juan ein ordentliches Dingi mit dem wir Ruck-Zuck bei einem fünf Seemeilen entfernten Tauchplatz, einer Steilwand bei einer kleinen Insel sind. Wir beschließen zusammen mit unseren Booten in die riesige Ankerbucht Mordeira zu fahren, um dort auch ein wenig zu tauchen. Vor allem komme ich bei perfekt konstantem Wind und flachem Wasser wieder zum Surfen. Wieder beschert uns Neptun beim anschließenden Tauchgang auf der Steilwand einer vorgelagerten Insel Zackenbarsch zum Abendessen und langsam riecht unser Boot und wir selbst auch schon nach Fisch, was stark nach einer ordentlichen Putzaktion schreit. Juan erzählt uns dass das Harpunieren gar nicht so ohne, wegen der Gefahr von Haiunfällen ist. Er selbst hat auf der Nachbarinsel Boa Vista 3 Hammerhaie durch das Fischblut angelockt und war froh heil entkommen zu sein. Weiter erzählt er, dass ein deutscher Segler vor nur drei Wochen von einem Hai gefressen wurde, weil er, nachdem er die Fischabfälle ins Wasser geworfen hatte, baden ging.
Bei einem Aperitiv auf der Mambo- One bekommen wir eine Bootsführung und erblassen vor Neid. Das Platzangebot auf dem Kat ist unglaublich. Die diversen elektronischen Ausrüstungsgegenstände vom UKW Funk bis zum Scanner müssen ein Vermögen gekostet haben und stehen ohne irgendwo befestigt zu sein einfach so rum. Für uns unvorstellbar, dass die Sachen nicht beim Segeln in der Gegend herumfliegen. Leider verletzt sich Juan am Finger und wir müssen die gemeinsamen Tauchgänge ruhen lassen. Mambo-One steht einem Einfamilienhaus um kaum etwas nach - das Deck ist beinahe so groß wie ein Garten, das eisgekühlte Cola beeindruckte uns aber am meisten. Den Strom für seine diversen Spielerein gewinnt Juan von vier Solarpanelen mit 500 W (Die Zelle der Blue Note hat nur 30W) und zwei Windgeneratoren. Insgeheim denken wir uns aber so spartanisch und bescheiden die Blue Note auch im Vergleich zu Mambo-One ist, unsere Art zu reisen hat auch etwas für sich und insgeheim sind wir mit der Blue Note mehr als zufrieden.
Unser nächstes Ziel lag ebenfalls auf der Insel Sal in der legendären Surfbucht Santa Maria. Auf der gemeinsamen Fahrt mit Mambo barg Juan zwei schiffbrüchige Fischer, die tags zuvor gekentert waren und die ganze Nacht halberfroren an einer Boje hingen, nachdem ihr Boot gesunken war. Der ideale Surfwind ist hier erst für Anfang November bestellt, dafür entdeckten wir aber drei tolle Tauchplätze. Einer führte uns zu einem 60 Meter langem, schön bewachsenem Wrack, der nächste zu einem steilen Riff mit drei großen Höhlen und großen Fischen aller Farbkategorien. Mit Juan zusammen betauchte ich ein Riff, das erst auf 30 Meter Tiefe begann und dann überhängend bis auf 40 Meter abbrach. So schön hier die Sicht und die Fische auch waren, die Strömung war so stark, dass Conny lieber im Boot wartete und wir nicht gegen die Strömung anschwimmen konnten sondern uns am Bojenseil runter hanteln mussten. Vor drei Monaten erst strandete am Strand von Santa Maria ein großer dänischer Schoner, liegt da in drei Meter Wassertiefe und wartete von uns erkundet zu werden. Mit sämtlichem Werkzeug ausgerüstet kletterte ich auch gleich auf das Wrack und konnte ein paar brauchbare Niroteile wie Wantenspanner, Relingstützen, Umlenkrollen und Schäkel abmontieren. Irgendwie fühlte ich mich selbst wie eine Figur aus den Weltumseglerbüchern, die ich gelesen hatte, wie ich da so auf dem Wrack herumturnte und die kleinen Schätze barg.


Abends gab´s Crepes und Popcorn mit der Mambo Familie, wobei ich dem Chef de Cuisine gleich mal zeigen konnte wie man in Österreich Palatschinken schupft. Der hausgemachte, eisgekühlte Cider war die Krönung des Abends und ein ausgesprochen leckerer Schlummertrunk. Unser Boot lag mit seinem Heckanker fast ruhiger als der Riesenkat Mambo One, da er die Blue Note im Schwell hielt und das lästige Schaukeln vermied. So entschlummerten wir sanft und träumten von neuen Abenteuern auf Boa Vista, unserem nächsten Ziel.
Prompt sollten wir unsere erste Regenfront am Atlantik erleben, die sich zwischen Sal und Boa Vista aufgebaut hatte und nach blitzartigem Reffmanöver den ganzen, durch den Hamarttan angewehten Sand von Schoten und Segeln wusch. Nach einer Stunde waren die scharfgezeichneten Gewitterwolken verschwunden und vor uns tat sich unheimlich Boa Vista auf, die als die unerforschteste Insel auf den Kapverden gilt und auf meiner britischen Seekarte eine Positionsabweichung von 2 Meilen aufweist. Die Ansteuerung war mit den vielen weißen Flecken auf der Karte und den gar nicht mal so wenigen Riffs ohne GPS aufregend, aber schließlich fiel der Anker sicher in nur 4 Meter Tiefe in einer von Riffen umsäumten Bucht vor der Hauptstadt Sal Rei. Der Wind war aufgrund des schlechten Wetters sanft und Conny konnte ihr neu erworbenes Surfboard ausprobieren.


Die Stadt Sal Rei ist sehr schön mit alten Häusern im Kolonialstil und einem begrünten Park, der von der Stadtverwaltung wie ein Juwel gepflegt und mit kostbaren entsalztem Wasser gegossen wurde. Das Brot ist wie überall auf den Kapverden spottbillig und in einem unbeschrifteten Privathaus bei einem der hiesigen Bäcker erhältlich, den selbst die Einheimischen nicht kannten und den wir nur mit Hilfe einer Skizze der Mambo Crew fanden . Dieser besondere Bäcker ist Spezialist in der Herstellung von Lebkuchen und wir bestellten gleich 120 Stück für den nächsten Tag, um dem Großauftrag der Mambo gerecht zu werden. Auch hier in Sal Rei bot sich uns ein exotisches Bild von Frauen die Wasserbehälter freihändig balancierend am Kopf nach Hause trugen, von schwarzen Kindern die unter Palmen in ihrer Schuluniform Tischfußball spielten und von Fischern, die am Strand ihre Boote reparierten.


Auch hier wollte der Wind, der den berühmten Surfstar Francoise Guy nach Boa Vista gelockt hatte, nicht so recht anspringen und wir verbrachten ein paar gemütliche Tage auf unserem ruhigem Ankerplatz.
Da der Urlaub von Fritz nun aber zu Ende ging, hieß es wieder retour nach Sal. Schließlich haben wir ja auch einen Termin mit unseren Autopiloten in Palmeira. Mal sehen, ob es diesmal klappt.