BLUE NOTE

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(21.06.2004 aktualisiert)
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(26.10.2004 aktualisiert)
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© Christian Widermann 2003, 2004
Seiten: 1 2 3
Kapverden - Karibik:
Santo Antao - grüne Insel, große Armut und trotzdem zufriedene Menschen:
Wie La Palma auf den Kanaren ist Santo Antao die nordöstlichste Insel der Gruppe und gilt als die schönste Insel der Kapverden. Selbst die abenteuerlustigen französischen Segler wagen sich nicht mit dem Segelboot nach Santo Antao weil die Ankerplätze der Insel im einzig erhältlichen Hafenführer als gefährlich und unsicher galten und nur vage beschrieben sind. So kam es, dass wir an den durchwegs sicheren und schönen Ankerplätzen zusammen mit Mambo die einzigen Boote waren und die Buchten für uns alleine hatten.


Santo Antao gilt als die Insel mit dem stärksten Luv - Lee Effekt aller kapverdischen Inseln. Während sich die Südseite mit unserem Zielhafen Porto Novo völlig kahl, heiß und trocken zeigte, ist die Nordseite überwuchert von immer grünem Urwald. Der 1500 bis 1900 Meter hohe Bergrücken trennt die Insel und staut die Passatwolken auf und hindert die Feuchtigkeit auf die Leeseite der Insel zu kommen. Will man in den fruchtbaren Norden, muss man erst entlang der einzigen Strasse über den Bergrücken, was mit dem Fahrrad schon ein gewisses Hindernis darstellt. Am Hafen sahen wir erstaunt die Pick Ups mit Kraut, Bananen, Tabak, Zuckerrohr, Papayas und Mangos ihre Ware auf Schiffe verladen. Wo soll hier etwas wachsen? Wie immer wollte ich die Insel mit dem Bike entdecken. Dazu hieß es schon um 5 Uhr aufstehen, um in der Kühle des Morgens ungeschoren durch die kahle Steinwüste auf den Bergrücken zu kommen. Der Weg, der entlang des Kammes auf den östlichsten Gipfel Pico de Cruz führte erinnerte mit seinem dichten Kiefern- und Fichtenwald eher an einen Weg im Wienerwald als an eine Insel der Sahelzone. Krass war der Blick von hier auf die Wüste im Süden und auf die mit dichtem Urwald bewachsenen, stark zerklüfteten Hänge im Norden der Inseln. Mein nächstes Ziel war der fast ein Kilometer breite Cova Krater, in dem Mais im Trockenfeldbau angebaut wurde und der vollständig von senkrechten Felswänden umgeben wurde.


Hier traf ich auch Conny und die Mambo Crew, die sich für die vernünftigere Alternative der Inselbesichtigung mittels angemieteten Aluguer entschieden haben. Vom Cova Krater aus führte ein unglaublicher Weg eine 800 Meter hohe senkrechte Felswand hinab in das angeblich fruchtbarste Tal der Kapverden, das Riberia Paul. Der Weg war vielleicht 1 Meter breit und in den Felsen geschlagen. Eine mühsam von Hand geschlichtete Steinmauer gab ein wenig Gefühl der Sicherheit in dieser Felswand. Erstaunlicher Weise war der Weg abgesehen von den engen Kurven und einigen Stellen fahrbar. Aus der Felswand entsprangen Quellen und bildeten im Tal einen Fluss, der sich in einem stark zerklüfteten Canyon Richtung Meer stürzte. Hier konnte ich auch umgeben von Bananenbäumen und Zuckerrohr meinen Wasservorrat aufbessern. Vorbei ging es an spielenden Kindern, die hier bestimmt noch nie einen Mountainbiker gesehen hatten. In Paul wird aus dem Zuckerrohr mit von Eseln betriebenen Mühlsteinen der bekannte Santo Antao Grog gewonnen. Vorbei ging es auch an einer Siedlung aus etwas zwei mal zwei Meter großen mit Zuckerrohr und Fischernetzen gesicherten Dächern, direkt neben einem Canyon mit einem reißenden Fluss gelegen. Das Dorf sieht wie eine Schlumpfensiedlung aus dem Märchen aus. Die Szenerie wäre erheiternd, wenn nicht die Leute mit der Technik von vor 100 Jahren arbeiten und am Existenzminimum leben würden. Erstaunlicher Weise blickt man häufig in freundliche lachende Gesichter und sieht hier kaum die anonymen, starr und finster vor sich hinstarrenden und mit irgendeinem lächerlichen Problemchen befassten Gesichter, wie ich sie aus den U-Bahnen unserer Großstädte kenne. Erklären konnten wir uns das nicht - der Mensch ist schon ein merkwürdiges Wesen.
Am Talausgang mündete der Weg in einen Fluss und das Rad bekam seine wohlverdiente Wäsche. Der Weg zum Hauptort der Insel Riberia Grande führte leider bergauf und bergab entlang der Küste entlang steiler Felsen und einem Schotterstrand auf dem unaufhörlich die großen Atlantikbrecher tosten. Dort angekommen machte ich mal eine Stunde Pause und war mir nicht so ganz im Klaren wie ich nun die 1400 Meter auf den Bergrücken und damit wieder zurück zum Boot kommen sollte. Schließlich hatte ich bereits 50 Kilometer und 1800 Höhenmeter zurückgelegt. Da ich auch kein Geld für ein Aluguer eingesteckt hatte, blieb mir keine andere Wahl und ich quälte mich die schöne Bergstrasse entlang eines Kammes mit tollen Blicken auf die grünen, zerklüfteten Täler Riberia Grande und Riberia Torre hinauf. Auf halber Strecke wurde mir ständig schwindelig und ich musste öfters rasten. Dabei überholte mich immer wieder ein Kapverdianer, der barfuß auf den glühend heißen schwarzen Pflastersteinen seine Einkäufe nach Hause schleppte. Schließlich erbarmte sich meiner ein Aluguer und führte mich die restlichen 500 Höhenmeter auf den Bergkamm.
Conny und die Mambo Crew hatten mit ihrem Aluguer weniger Glück. Der Fahrer wollte auf halber Strecke den doppelten Preis und ließ sie, nachdem sie nicht mehr zahlen wollten, auf halber Strecke aussteigen.
In Porto Novo besorgten wir uns in einer abenteuerlichen Hinterhofgarage um etwa 5 Euro zwei Liter Grog, der aus zwei verschiedenen alten Fässern zusammengemischt wurde. Damit konnte man herrlichen Di-Punsch oder Capirinha machen und wurde überraschenderweise auch nicht blind.
Unser nächstes Ziel war Tarafal, ein kleines Fischerdorf ganz im Süden der Insel und führte uns durch die Winddüse zwischen Santo Antao und Sao Vicente. Bei bis zu 8 Bft beschleunigten wir auf teils 14 Knoten und erreichten bald die Südspitze wo, ähnlich wie auf den Kanaren, völlige Windstille herrschte und wir schließlich zu der Traumbucht mit schwarzem Lavasand vor einer großen Felswand motorten.
Neben einem deutschen Segler, der hier schon seit 3 Jahren vor Anker liegt und sich im grünen Tarafal, das inmitten einer Oase in der völlig unwirtlichen wüstenartigen Berglandschaft liegt, ein kleines Apartmenthaus für Touristen gebaut hatte, waren wir völlig alleine. Für das Abendessen sorgten wir während eines Tauchganges am Ponte Salina, wo neben toller Sicht auch unzählige Fische und riesige Zackenbarsche zu finden waren.


Nach einer etwas schaukeligen Nacht wollten wir Tarafal erkunden, das in ein enges fruchtbares Tal eingebettet war. Hier gab es weit und breit das einzige Wasservorkommen und mittels raffiniert angelegter Levadas, die wir ja schon aus Madeira kannten, wurden die umliegenden Berghänge bewässert, um Bananen, Zuckerrohr, Papayas, Mangos, Zuchini und Brotfrucht anzupflanzen. Die Levadas ermöglichten uns eine abenteuerliche Wanderung durch die unzugängliche Schlucht. Schon unglaublich die Mambo Familie - wie die zwei kleinen Nhils und Darhyl ohne jegliche Angst über die nur wenige Zentimeter schmalen in die senkrecht abfallenden Felsen gehauenen Levadas kletterten. Mama und Papa mit uns hurtig hinten nach, kaum ernsthaft besorgt und stets zu Abenteuern bereit.


Sao Vicente - Die letzte Pause vor der Atlantiküberquerung:
In der Bucht S. Pedro auf Sao Vicente, die als Topsurfspot gilt, wollten wir uns noch ausrasten und letzte Vorbereitungsarbeiten für die Atlantiküberquerung durchführen. Während der kurzen Strecke von Tarafal nach S. Pedro brach Mambo das Motorgehäuse und war somit mit nur mehr einem Motor weniger gut manövrierfähig. Da der Wind ohnehin ausblieb, tauchte ich mit Johan auf einem der Bucht vorgelagerten Riff um etwas Fisch für die nächsten Tage zu besorgen. Gleich beim Boot sah ich einen Hai was unsere Unterwasserjagd wieder einmal etwas gefährlicher machte. Kurz darauf schwebte über uns ein riesiger Manta mit bestimmt 3 Meter Flügelspannweite. Leider waren die Zackis hier klüger und vor allem schneller als ich und so bleibt anstelle eines tollen Essens nur die Erinnerung an den tollen Tauchgang.