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| Pula - Malta: |
Vom Wind her gesehen wurden wir bislang nicht gerade verwöhnt. Nacht 1 von Pula nach Oszor konnte zwar mit Wind aufwarten, allerdings kam der genau auf die Nase und ließ die Fahrt 9 Stunden dauern. Unheimlich war eine sich am Nachthimmel scharf abzeichnende Wolke, die gegen den Südostwind rasch näher kam. Plötzlich drehte der Wind um 100° und frischte von 10 auf 30 Knoten auf. Nachdem ich einen an der Reling schlecht verzurrten Kanister geborgen, die Segel gerefft und Conny geweckt hatte, war der Spuck auch schon vorbei. Steht die Abreise unter einem schlechten Stern, oder will uns der Wettergott nur langsam an das gewöhnen was uns erwartet?
Kaum kamen wir in die Nähe Oszors, blitzte und donnerte es genau über Oszor. Also Segel bergen und motoren. Wie war das noch mit der Blitzschlaggefahr auf See?!
Oszor:
Mit verschlafenen Augen genossen wir den Besuch im Zeltlager bei Christian trotzdem sehr. Wir nutzten die Gelegenheit unser Wasser aus Pula zu wechseln, da es einen starken Chlorgeschmack hatte. Leider mussten wir 400 Liter Wasser in Kanistern mit dem Schlaucherl aufs Boot schleppen.
Nachmittags lud uns Christian auf ein paar Runden mit seinem Jetski ein, was uns stark in Versuchung brachte unser Schlaucherl gegen einen Jetski zu tauschen!
Nachdem wir noch unseren Mitsegler Fritz für die Strecke Kanaren - Kapverden auf Ilovik trafen setzen wir voller Tatendrang die Segel, um endlich ein Stückchen nach Süden zu kommen.
Aber wieder machte uns der Wind einen Strich durch die Rechnung. Nacht 3 schlugen wir uns unter Motor um die Ohren.
In Komiza/Vis angekommen konnten wir noch um neun Uhr Abends für den nächsten Morgen ausklarieren. Der Zöllner bemerkte sofort dass wir Spagetti Palagruza wie immer mit einer Extraportion Knoblauch gegessen hatten und hielt sich deshalb betont kurz. Im Hafen von Vis hatte ich aufgrund eines starken Gewittersturms mit Hagel eine schlaflose Nacht.
Am nächsten Morgen aber ging es nun endgültig in die Ferne - nichts kann uns nun noch aufhalten. Denkste: Der nagelneue Autopilot, der bis auf seine akustische Funktion tadellos funktioniert hatte, gab seinen Geist auf. Gott sei Dank haben wir einen Reserveautopiloten mit. Aber wie kann die Reklamation erfolgen? Als Papa die Reklamation in Malta via Hndy organisiert hatte ergab ein weiterer Test ein paar Stunden später: das verdammte Ding funktionierte wieder - es ist zum aus der Haut fahren mit diesen elektrischen Autopiloten!
In dem Moment als ich ihn aber wieder mühsam einbaute und eine Nachricht über die neueste Entwicklung in mein Handy tippen wollte, funktionierte der Autopilot schon wieder nicht mehr.
Die nächsten 24 Stunden bis knapp vor Brindisi mussten wir leider motoren und der Diesel wurde weniger und weniger.
Und nun endlich gleich zwei High Lights: Wind und Delfine, die mit uns schwammen und gut 5 Minuten unter dem Bug durchtauchten - welch anmutige Tiere das sind! Der Anblick keines anderen Tieres kann den Menschen wohl so viel Freude bereiten.
Langsam sind Conny und ich schon ein richtig eingespieltes Team - obwohl wir auf der Frachterroute unterwegs sind und kaum 10 Minuten vergehen, ohne dass ein Frachter an uns vorbeirauscht komme ich zu Schlaf und fühle mich morgens fast fit.
Fünfzig Meilen vor Otranto frischte der Wind auf 6Bft auf, drehte auf SO, kam also von gegenan und wir kämpften uns die kurze Strecke von Brindisi nach Otranto mit doppelt gerefftem Großsegel durch.
Otranto:
In Otranto angekommen marschierte ich mit meinem Dokumentenköfferchen zum Einklarieren: Aber, oh welch freudige Überraschung und wunderbarer Gegensatz zu Kroatien - solch bürokratischer Käse interessiert hier niemanden. Die Frage, was der Liegeplatz an der Mole kostet, wurde mit "die ersten Tage sind frei" beantwortet - Viva Italia.
Otranto gefiel uns ganz gut und nach leckerem Eis gingen wir schlafen. Kaum hatte ich die Decke über dem Kopf veränderte sich das Plätschern des Wassers am Boot merklich und ich hatte das Gefühl wir wären unterwegs. Da meinte Conny auch schon erregt: da sieht's aber ordentlich nach Gewitter aus! Neugierig steckte ich den Kopf aus der Luke und der halbe Straßenbelag blies mir ins Gesicht und aufs Boot. Der Wind hatte um 180 Grad gedreht und zerrte mit Sturmstärke an unseren Leinen und dem locker verzurrten Großsegel. Regen, Blitze und ein paar Minuten später war es wieder friedlich. Bis auf - oh Schreck - das SAS Rettungsboot donnerte 10 Meter mit Vollgas an uns vorbei. Die einen Meter hohe Heckwelle knallte die Blue Note und die anderen Boote an die Mole, dass die 30cm Fender auf 5cm zusammengepresst wurden. Kurz dachte ich unsere Reise wäre hier schon zu Ende! Gott sei Dank sind wir mit dem Schrecken davon gekommen.
Nun aber ein neues Kapitel - die 250 sm Überfahrt von Otranto nach Siracusa in Sizilien: Der Wind bläst mit 4 Bft von hinten, der Spi steht perfekt, kaum Seegang und schönstes Wetter. Was gibt es Schöneres?! Die Krönung waren wieder Delfine nach Cabo de Leuca, die zum Greifen nahe am Bug waren und sich nicht von der Blue Note trennen wollten.
Was so nett begann entwickelte sich in der Dämmerung leider zu einem richtig nervenaufreibenden "Alte Donau Segeln". Einreffen, Ausreffen, Sturmstärke, Wind gegenan, Flaute, Wellen von vorne - Brise von der Seite gaben sich abwechselnd in Minutenabständen ein Stell-Dich-Ein.
Auszug aus dem Logbuch:
Pula - Oszor:
Nacht 1, 23.6.: Pula - Oszor: Wind bläst uns exakt auf die Schnauze, "Zyklonwolke" heizt uns kurz ein, motoren von Unije bis Oszor wegen starkem Gewitter.
Oszor - Ilovik:
Tag 1: 25.6.: Oszor - Ilovik: Flaute - meist unter Motor nach Ilovik
Ilovik - Vis:
Nacht 2: 25.6 - 26.6.: Ilovik - Kornat: bis Premuda 2bft mit Spi, Premuda bis Kornat unter Motor: Flaute.
Tag 2: 26.6.: Kornat - Vis: Ab 13 Uhr Spiwind aus NW mit 2 - 3 Bft
Vis - Otranto:
Tag 3, Nacht 3: 28.6: Vis - Otranto: Flaute - motoren fast bis Italien.
Tag 4, Nacht 4: Vis - Otranto: Wechselspiel zwischen Flaute und Kreuzbrise direkt von vorne, motoren die Nacht durch
Tag 5: Vis - Otranto: Endlich Wind - leider 6bft mit 2kn Gegenströmung genau von SO aus Otranto kommend. Kämpfen den ganzen Tag die letzten 30 Meilen doppelt gerefft unserem Ziel entgegen.
Ortanto - Syrakus:
Tag 6: Ortanto - Cabo de Leuca: Wie ich es mir vorstellte - der erste richtig schöne Segeltag: Wind von achtern mit 3-4 Bft, Spi, Delphine.
Nacht 6: Wind dreht auf Kreuzkurs und reduziert sich auf 1-2bft.
Tag 7: Mondseewind: Natürlich Kreuzkurs: Scheinbar ein Fallwind aus Südwest: Innerhalb weniger Sekunden von 0 auf 6 Bft und wieder auf 0 mit laufenden Winddrehern von 90 Grad. Schließlich am Abend zwei Winddrehungen um 180 Grad mit anschließender Flaute und Gegenwelle, gegen die wir nicht mal mit Motor vorankamen.
Nacht 7: Brise gegenan, später absolute Flaute, wir motoren größtenteils oder dümpeln wieder einmal mit 1kn dahin.
Tag 8: Bei Sonnenaufgang vor der Strasse von Messina 6bft gegenan, oh Wunder - zusehends drehend auf achterlichen Wind aus O. Es wird doch noch ein schöner Abschluss dieser Odyssee nach Syrakus. Wir zischen mit 8kn unserem Ziel entgegen.
Syrakus / Sizilien:
In Syrakus stellten wir einmal mehr fest, dass es in Italien noch die Freiheit auf See gibt. Wir bekamen
problemlos Wasser an der Tankstelle und konnten an der Mole kostenlos festmachen. Dort erwartete uns sogar ein Empfangskomitee, das aus einem formalen Teil in Form einer Polizeikontrolle und einem festlichen Teil mit Band bestand, die extra für uns am Kai aufspielte. Die Altstadt mit ihren Tempeln und Kathedralen und dem großen "Hauptplatz" war absolut sehenswert. Vor unserer Weiterreise nach Malta erkundeten wir noch die nähere Umgebung mit unseren Mountainbikes.
Malta:
Die Überfahrt von Syrakus nach Malta begann mit angenehmen 2bft aus gegenan und entwickelte sich zu einer nächtlichen Motorpartie mit erstaunlichem Tau. Morgens blies uns dann ein frischer Ostwind die letzten Meilen nach Valletta, wo wir problemlos einklarierten, unseren defekten Autopiloten zur Reparatur trugen und gleich wieder Richtung Comino, der Insel zwischen Malta und Gozo ablegten. In der Crystal Lagune fanden wir einen Traumankerplatz in Form eines Felsenkessels, der mit einigen erkundenswerten Grotten und einem beeindruckendem Fort aufwarten konnte. Nach einem Malta Willkommenswein, den wir uns am Fort gönnten frischte der auflandige Wind leider auf 30kn auf und wir mussten im sicheren Hafen von Mgarr auf Gozo Schutz suchen.
Von der Crystal Lagune aus betauchten wir am nächsten Tag eine nahegelegene Grotte und eine eindrucksvolle Höhle an der Südostspitze Cominos. So eindrucksvoll die Unterwasserlandschaft aber auch war, vom Fischreichtum auf Comino waren wir bisher ein bisschen enttäuscht. Am nächsten morgen fanden wir einen weiteren unglaublich eindrucksvollen Ankerplatz auf Gozo in der Dwejra Bay. Diese kreisrunde Bucht ist umschlossen von 50m hohen Felsen und einem vorgelagerten Felsklotz, dem Fungusrock und bietet damit auch vor Westwinden Schutz. Zufällig liegen mit Blue Hole, Inland Sea, Crocodile Rock und Azur Window die besten Tauchplätze Gozos in Schlauchbootreichweite. Mit Riesenfischen und landschaftlich unbeschreiblichen Tauchplätzen wurden wir diemal verwöhnt. So sahen wir am Crocodile Rock 4 Zackenbarsche, wovon einer mehr als einen Meter lang war. Riesengroße Goldstriemen und Zahnbrassen begleiteten uns auch ab und zu während wir die Steilwand erkundeten. Bei Fungus Rock trafen wir einen Schwarm junger Barrakudas. Der letzte Tauchgang dieses Tages war allerdings unübertrefflich und mit tropischen Tauchgebieten vergleichbar. Mit dem Schlaucherl ankerten wir trotz schäumender Brandung innerhalb eines Felsenriffs, stiegen dort mit der Tauchausrüstung an Land zum Blue Hole, einem kleinen See der über eine eindrucksvolle Unterwasserhöhle mit dem Meer verbunden ist und tauchten durch das Blue Hole zum Azur Window, einem Riesen Felsbogen der mit 30m Spannweite auch von Land beeindruckend ist. Vor der Steilwand bei Azur Window wurde das Wasser beinahe schwarz vor Fischen und Mitten in den Schwärmen tummelten sich wieder Zackenbarsche, Goldstriemen und Zahnbrassen.
Abends saßen wir in unserer Bucht bei einem Glas Rotwein aus Gozo, genossen das unbeschreibliche Panorama und waren einhellig der Meinung, dass es eigentlich keinen schöneren Anker- und Tauchplatz geben kann - na ja mal sehen!
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