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Tobago bis Venezuela
Tobago - Insel der Fische und Kosmopoliten:
Wir hatten ja schon einiges Gutes über Trinidad und Tobago gehört, aber was uns erwartete übertraf unsere Vorstellungen bei weitem. Nachdem wir 90 Meilen die ganze Nacht gegen Wind, Wellen und Strömung gekreuzt hatten. kam morgens Tobago in Sicht. Kaum die Angelleine - mit dem Glauben wir fangen ja eh nichts - ausgebracht und schon war unser Mittagessen dran - ein prächtiger weißer Thunfisch, der sich durch seine flügelartigen Brustflossen und das hervorragende weißliche Fleisch auszeichnet. Gleich darauf plumpste eine der Erschöpfung nahe Brieftaube auf unser Boot, die vor unseren Augen von einem Seeadler abgeschossen wurde. Nachdem sie uns mit weit aufgerissenen Augen und hängender Zunge das Boot vor lauter Angst vollgeschissen hatte, machte sie nach mehrstündiger Pause wieder den Luftraum Tobagos unsicher. Leider wussten wir nicht, dass man auch im Norden, dem interessanteren Teil der Insel einklarieren kann, und so erledigten wir die Formalitäten im eher unattraktiven Hauptort Scarbourough. Der Anker fiel vor der Coast Guard, die uns zu einem Tratsch badender Weise besuchte.
Die Anzahl der Formulare, die wir ausfüllen mussten, stellte alles bisher erlebte in den Schatten - aber wenigstens waren die Beamten von Zoll und Immigration - vorwiegend Inder - sehr freundlich. Nachdem wir ein paar TT´s gewechselt hatten - wir wollten ja nur ein paar Tage bleiben - fanden wir in einem Autozubehörgeschäft den netten Lal, der uns auf einer museumsreifen Presse einen neuen Terminal auf den gerissenen Relingdurchzug presste. Bootszubehörgeschäfte findet man in Tobago nicht - dafür aber reichlich Fast Food und Roti Buden. Sehr zu unserem Überdruss gab wieder einmal die eben von der Reklamation erhaltene Digitalkamera den Geist auf. Schon am nächsten Morgen zog es uns weiter zum ersten Tauchspot in der Store Bay. Obwohl das Wasser trübe und der Tauchplatz eher unspektakulär war fiel uns sofort auf, hier ist es anders als bisher in der Karibik - es wimmelte nur so von Fischen. Am nahegelegenen Flugplatz holten wir uns vom einzigen Touristenbüro der Insel eine Tauchplatzbeschreibung. Kurz darauf waren wir zum nächsten Ziel - der Mt. Irvine Bay - unterwegs. Dort wartete neben einem weltbekannten Surfspot das Wrack der Autofähre Maverik - dessen Markierungstonnen wir bei der Einfahrt ausmachten - auf uns. Drei gemütliche Tage verbrachten wir hier unmittelbar neben der "Surfpiste", einem Riffabschnitt nur 100 Meter von unserem Ankerplatz entfernt, wo sich die Wellen meterhoch auftürmten und über mehrere 100 Meter langsam brachen.
Einziger Haken an der Sache war der Untergrund, der aus Feuerkorallen bestand und einem Binnenwellenreiter wie mir den Gedanken an einen Surfversuch ersparte. Schweren Herzens blieb mir keine andere Wahl als den Profis zuzusehen. Schön war dafür das Wrack der alten Autofähre etwa eine halbe Meile vor der Bucht in etwa 40 Meter Wassertiefe. Schon ein wenig unheimlich war es mit dem Dingi bei den meterhohen Wellen so weit raus zu fahren. Auch die Sicht war eher wie am Neufeldersee, bedingt durch das trübe Wasser vom Orinoco, das aber wiederum Grundlage für den einzigartigen Fischreichtum in dieser Gegend ist. Wir tauchten mitten in einem gigantischen Fischschwarm ab - um uns wurde es völlig schwarz. Schemenhaft sahen wir die riesigen Zahnbrassen, die um das Wrack kreisten. Selbst in 30 Meter wurde man durch den Schwell meterweit hin und hergeschleudert was das Durchtauchen der Eingänge in das Wrack zu einem Abenteuer machte. Ein weitere Tauchgang am Riff war wegen der hohen Wellen und der schlechten Sicht weniger aufregend und so lichteten wir bei mäßigem Wind den Anker Richtung Charlotteville, dem nördlichsten Fischerdorf.
Dort werden jährlich tausende Tonnen Kingfish mit einfachsten Mitteln gefangen. Nach wenigen Meilen schon biss auch bei uns der erste Fisch - wieder ein weißer Thunfisch. Im selben Moment legte der Wind aus heiterem Himmel von 15 auf 45 Knoten zu und wir konnten gar nicht so schnell schauen und unser Großsegel war am Top völlig zerfetzt - da war nur mehr eine professionelle Reparatur in Trinidad möglich. Wie zur Versöhnung biss kurz darauf gleich ein weiterer Fisch auf der anderen Angel, der sich aber beim Einholen losriss - Gott sei Dank. denn der Kraft, die er aufbrachte nach zu urteilen, dürfte er ein Monster gewesen sein. Völlig erschöpft liefen wir in die ruhige idyllische tief in den Urwald eingebettete Bucht Charlotteville ein. Wir trauten unseren Augen nicht als wir die Münchner Reinmar und Christina mit ihrem grünen Warren Kat in der Pirates Bay sahen. Seit unserem Treffen in Mindelo hatten wir uns schon oft gefragt wo die beiden wohl gelandet sind. Kein Wunder, dass wir uns nicht getroffen hatten - die beiden sind einfach in Charlotteville "hängen" geblieben. Wir konnten sie gut verstehen - die Einwohner, vorwiegend Fischer waren herzlich und man blickte immer in lächelnde gut gelaunte Gesichter.
Am Fischmarkt bekam man fangfrischen Kingfisch - der zu den Besten überhaupt zählt und mit Thunfisch! geködert wird zu Spottpreisen. Brot und Erdnussbutter waren spottbillig und Gemüse und Früchte konnten wir uns erstmals wieder leisten. Abends grillten wir am bezaubernden Strand der Pirates Bay direkt vor unserem Boot zusammen mit Reinmar und Christina und den beiden anderen Münchnern Sabine und Tom meist selbstgefangenen Thunfisch (diese bissen sogar am Ankerplatz) oder einen Barrakuda, den ich vor Bobby Island mit der Harpune erledigte. Bis auf die schlechte Sicht war das Tauchen ein Traum - viele Drückerfische, Barrakudas und riesige Muränen waren unsere ständigen Begleiter. Nach einer kleinen Bergwanderung durch den Dschungel, bei der ich fast einer Viper auf den Schwanz stieg, erfrischten wir uns an einem Wasserfall der an einem Traumstrand ins Meer mündete. An dem Ausblick vom Fort auf die Bucht konnten wir uns gar nicht satt sehen! Vier Tage blieben wir am selben Ankerplatz, was für uns völlig untypisch war. Als wir uns zum angeblich besten Tauchplatz der Insel bei Speyside aufmachten konnten wir uns nicht vorstellen, dass es noch schöner werden würde - wir hatten uns getäuscht... Unser Anker fiel neben einer deutschen Halberg Rassey 42 mit Holger und Sabine. Beide waren wie wir sehr jung und Holger hatte sich wie wir eine Auszeit von einem stressigen Job in der Computerbranche genommen. Bei "Obatzda" (Camembert, Zwiebel, Knoblauch, Ei und Paprika) auf frisch gebackenem Brot und eisgekühltem Bier erzählten wir uns von unseren Abenteuern. Unser spektakulärer Ankerplatz Anse Bateau lag mitten im Kanal zwischen Little Tobago und dem Ort Speyside und war durch die vorgelagerte Insel Goat Island von den Atlantikbrechern geschützt. Die Strömung im Kanal erreicht bis zu vier Knoten und erschwert das Tauchen natürlich ein wenig.
Dafür tummeln sich im glasklaren Wasser nur so die Fische und auch Begegnungen mit Mantas sind hier häufig. Ein Fischer brachte uns für 10 US zur Insel Little Tobago, wo wir am Riff Flying Manta gemeinsam mit großen Barrakudas und Zahnbrassen von der starken Strömung getrieben entlang drifteten. Bedenken hatten wir schon, ob uns der Fischer dann auch wieder aufnimmt und nicht inzwischen unser Boot ausräumt - aber wie sich herausstellte hatten wir ihm in Gedanken unrecht getan. Nach mehrtägiger Tauchunterbrechung wegen Ohrenschmerzen erkundeten wir das Riff Japanese Gardens vor Goat Island, an dessen Steilwand wir mit dem Dingi an einer langen Leine in der Hand entlang drifteten. Fünf Tage lagen wir gemeinsam mit der Marisol in dieser Traumbucht und ließen es uns nach allen Regeln der Kunst gut gehen. Im benachbarten Ort konnten wir um 50 Cent eine Stunde Internetln, was der bisherige Tiefpreisrekord war. Zu guter Letzt trafen wir wieder die österreichische Ozeanis 41 mit den Vorarlbergern Reinhard und Roland, die uns ein Thunfischfilet schenkten und uns nur Gutes über ihren Besuch in Venezuela berichten konnten. Schließlich mussten wir uns schweren Herzens von Tobago trennen, um in Trinidad, der Seglermetropole unser Großsegel reparieren zu lassen. Kaum eine Stunde unterwegs, zeigte uns der straff gespannte Gummistropper an der Angelleine, dass für das Mittagessen der nächsten drei Tag gesorgt war. Ich traute meinen Augen nicht als ich einen 1,2 Meter langen Kingfisch mühsam an Bord hievte - und wir hatten keine Kamera!!!
Die nächsten drei Tage gab es jedenfalls Kingfisch in allen Variationen. Das zarte weiße Fleisch schmeckt eher wie Huhn als Fisch und war wirklich ein Geschmackserlebnis. Wie geplant liefen wir bei Sonnenaufgang in Trinidad - Chaguaramas, der Marinametropole schlechthin ein und erledigten gleich mal die Formalitäten und besuchten den Segelmacher. Die nächsten drei Tage war wieder der typische Hafenstress angesagt: Einklarieren, Ausklarieren, Segelmacher, Internet, Einkaufen, kleinere Reparaturen und Ersatzteilbeschaffung. Das alles bei 40 Grad schwüler Tropenhitze und wir waren im wahrsten Sinne wieder reif für die Insel - die Testigos. Abends vor unserem Aufbruch nach Venezuela wollten wir noch einen gemütlichen Abend in der Scottlandsbay verbringen, wo wir uns mit Walter, einem Österreicher mit seiner Yacht China Clipper auf Bier und Brezeln verabredet hatten.
Uns war klar, dass wir zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt, nämlich Karnevalsbeginn die Kurve kratzten um dem Trubel zu entfliehen. Auch Dieter, ebenfalls ein Österreicher, der mit seiner Swan wieder einmal dann einlief als wir losfuhren, konnte es gar nicht glauben, dass wir uns den Karneval entgehen lassen. Walter, ein sympathischer Mitvierziger und Lebenskünstler überraschte uns an diesem Abend in mehrfacher Hinsicht. Seine selbstgebackenen Brezeln waren mehr als ein Genuss und sein Vorrat an Polarbier und gutem chilenischem Rotwein aus Margarita wäre unserem Abfahrtsziel von 4 Uhr morgens fast zum Verhängnis geworden. Schließlich verwöhnte uns Walter noch mit gerösteter Leber und wir verbrachten einen wunderschönen Abend bis in die frühen Morgenstunden. Die Geschichte seines Schiffes alleine, einer über 50 Jahre alten, perfekt restaurierten Rennsloop aus Holz könnte einen ganzen Abend füllen. Von Walter, der über ein Jahr in Venezuela war und seiner venezuelanischen Freundin bekamen wir viele Tipps mit auf den Weg nach Testigos und schafften es trotz des vielen Biers und Weins tatsächlich noch um 4 Uhr morgens loszufahren.
Venezuela - von Langusten und Piraten:
Schon in Grenada schreckten uns die ersten Schauergeschichten über Venezuela davon ab Kurs auf die Testigos zu nehmen. Einige Meilen davor wurde vor kurzem ein Italiener auf seinem Katamaran auf hoher See getötet - wie es dazu kam, weiß aber keiner so genau und wir hörten die unterschiedlichsten Geschichten obwohl es zwei überlebende Crewmitglieder gegeben hatte. Zweifelsohne ist Venezuela ein heißes Pflaster - so beschreibt Hymperdahl in seinem Buch Yachtpiraterie mehr als 5 bewaffnete Überfälle teils mit tödlichem Ausgang auf Yachten in den letzten Jahren - aber es passiert wesentlich mehr!
So beschlossen wir nur in Buchten zu ankern, wo auch andere Segler liegen und immer Kontakt zu den anderen zu suchen. Wir wollten auch einen großen Bogen um das Festland - vor allem der berüchtigten Halbinsel Paria machen und nur die angeblich sicheren Inseln besuchen. Trotzdem waren wir sehr verunsichert und Conny verlor fast die Nerven als einige Stunden nach unserer Abfahrt ein Fischerboot direkt auf uns Kurs nahm. Mit der Strömung rasten wir mit 10 Knoten Schnitt dahin und der Fischer war bald nur mehr ein Punkt. Zur selben Zeit fingen wir einen weißen, 80 Zentimeter langen Thunfisch der Basis für leckeres Sushi und mehrere Mittagessen wurde. Schon um 15 Uhr liefen wir auf den Testigos bei der Insel Iguana ein und besuchten gleich mal wie vorgeschrieben die Guardacosta, wo wir von lauter freundlichen Gesichtern empfangen wurden. Ungewohnter Weise bettelte keines der hübschen Kinder am Steg - alle lachten nur friedlich und begrüßten uns freundlich. Gleich nach unserer Ankunft besuchte uns ein Dingi vom benachbarten französischen Boot - es war Pierre der freiwillige Arzt des Dorfes.
Er ist auch Taucher und kennt jeden Felsen auf den Testigos. Durch Zufall verholten wir auf den selben Ankerplatz vor der Bretterbude des Inselhäuptlings Jun Jun, dem wir ein paar Zigarren brachten und uns als Freunde von Dr. Pierre vorstellten, wie er uns das empfohlen hatte. Jun Jun, ein hagerer weißhaariger Venezuelaner lebt auf wenn er Segler aus fremden Ländern zu Gast hat und erinnerte uns sehr an unseren kroatischen Freund Milan von der Insel Vrgada, mit dem wir mehrere Jahre die Sommerferien verbrachten. Und von da an nahm alles seinen Lauf - wie es nur im Paradies sein kann. Jun Jun lud uns Abends zum Lobsteressen ein und gemeinsam mit Nirgo dem Inselpolizisten, George einem Schweizer Segler mit Familie und der Familie des Franzosen Robert schlemmten wir die leckeren Sachen die jeder von uns mitbrachte. Nirgo lud mich für den nächsten Tag zum Lobstertauchen ein - ich traute meinen Ohren nicht ist doch das Presslufttauchen, geschweige denn das Jagen nach Lobster, auf den Testigos streng verboten.
Nirgo brachte mich fast jeden Tag zu den tollsten Tauchplätzen auf den Testigos - wir sahen eine Vielfalt von Fischen, wie ich sie bisher noch nie gesehen hatte. Beispielsweise waren die Papageienfische nicht wie üblich an die 30 cm groß sondern über 1 Meter lange Monster. In Höhlen schliefen große Ammenhaie umringt von Lobstern, die auf das Erbrochene der Haie warteten. Nirgo erklärte, dass die Haie so die Lobster anlocken. Er hatte keine Skrupel dem Hai sein Essen wegzuschnappen und in seinen prall gefüllten Sack zu packen. Einmal sahen wir beim Abtauchen einen 4 Meterhai Gott sei Dank nur von hinten. Auf die Harpune verzichtete ich bald, obwohl es nur so von riesigen Goldbrassen und Zahnbrassen wimmelte, da mir die Geschichte von Pierre mit dem Fischer ohne Bein nicht aus dem Kopf ging. Dieser hatte auch mit der Harpune gefischt und war auf Los Roques von einem Hai angefallen worden. Die Gurdacosta hatte wichtigeres zu tun und so kam für den Mann jede Hilfe im wahrsten Sinne des Wortes zu spät.
Dafür lernte ich von Nirgo wie man die Langusten mit dem Lasso fängt und konnte bald unseren Speiseplan stark bereichern. Fast zweimal täglich gab es Lobster in allen Variationen von Salat über Lobsteromelette bis hin zu Lobsterspagetthi. Beim Tauchen begleiteten uns riesige Rochen und Tarpons. Die Fische waren so zutraulich, dass es schon beinahe unheimlich war. Abends brachten alle Segler leckere Sachen mit zu Jun Jun und dann wurde geschmaust und geplaudert. Normalerweise darf man nur 3 Tage auf den Testigos bleiben, aber da wir praktisch zur Familie gehörten durften wir so lange bleiben wie wir wollten. Eine Woche verging wie im Flug mit Tauchen, Faulenzen und Langustenkochen und schließlich kam der Tag an dem wir zusammen mit Pierre Richtung Isla Margarita segelten. Für uns war die Zeit auf den Testigos die schönste auf unserer bisherigen Reise und wir wären gerne länger geblieben.....
Mit Leichtwindspi brausten wir nach Margarita und fanden uns in Porlarmar umzingelt von anderen Österreichern, die wie wir die günstigen Einkaufsmöglichkeiten nutzten. So bezahlt man für eine Dose Bier 10 Cent, ein Liter Benzin kostet 5 Cent!!! - die Regale in den Einkaufszentren waren gefüllt mit einer unvorstellbaren Vielfalt an Leckereien aus allen möglichen Ländern. Zwei Tage lang waren wir im Einkaufsstress, mussten alles verstauen und uns auch noch um die mühsamen
Einklarierungsformalitäten kümmern, die man hier nur mittels Agent erledigen kann, der natürlich auch eine Provision kassiert. Für uns ist Margarita die letzte günstige Einkaufsmöglichkeit vor unserer Atlantiküberquerung, weshalb wir das ganze Boot komplett mit Kisten voller Lebensmittel gefüllt hatten. Wir waren froh als wir morgens um 6 Uhr den Anker mit Ziel Tortuga lichteten und bei leichtem Wind und kaum Wellen unserer neuen "Trauminsel" entgegenfuhren. Aus dem Traum wurde aber eine Katastrophenüberfahrt - bei einer Halse zerfetzte diesmal irreparabel der untere Teil des Großsegels, nach der Inselabdeckung war es auch vorbei mit dem ruhigen Wasser - 4 Meter hoher Schwell aus Nord spielte mit uns Ping Pong und als bei einer Monsterwelle die ausgebaumte Genua querschlug, zerfetzte es auch noch den Spibaumbeschlag. Schließlich waren wir laut GPS eine Stunde vor Sonnenuntergang nur mehr 5 Meilen von Tortuga entfernt - konnten aber die Insel immer noch nicht sehen. Als die Sonne am Horizont verschwand sahen wir endlich zwei schaukelnde Masten und später noch eine vorgelagerte Sandbank, an der sich die Monsterwellen brachen.
Wir hätten keine 10 Minuten später einlaufen dürfen - bei Nacht wären wir von den sich mit ohrenbetäubendem Getöse an der Sandbank brechenden Wellen an den Strand geworfen worden. So fanden wir aber doch den Eingang zum Ankerplatz und fielen tot ins Bett. Selbst das heftige Geschaukel störte uns erst am nächsten Morgen und so zogen wir zum nächsten Ankerplatz Cayo Herradura, einer nur mit Fischerhütten besiedelten, Tortuga vorgelagerten Insel. Zwar war der Ankerplatz ruhig aber das Wasser völlig trüb durch den vom Schwell aufgewirbelten Sand. Windsurfen war aber perfekt, da die konstanten 25 Knoten Wind durch keinerlei Hindernisse gebremst wurden - die Insel besteht lediglich aus einem Sandfleck mit einigen Fischerhütten und einem rot weiß rot gestreiften Leuchtturm. So wurden wir hier Attraktion Nummer 1 für die vor Anker liegenden Fischer und noch hunderte Meilen entfernt auf den Islas Aves erkannten uns die Fischerboote wieder als die "un poco loco" Österreicher mit dem blauen Surfbord.
Auf Cayo Herradura freundeten wir uns mit der französischen Bavaria 37 Bibounde mit George, Nathalie und ihrem Sohn an, die schon seit 5 Jahren unterwegs waren. Gegenseitig luden wir uns auf Köstlichkeiten wie Würstel mit Fleischfüllung und Kartoffel dazu kaltes Polarbier sowie unsererseits die berühmten Bluenote Spagetti und Lobstersalat ein und plauderten wie üblich bei solchen Gelegenheiten über Abenteuer und Erfahrungen der Reise. George, der wie alle Franzosen gut mit der Harpune umgehen konnte, brachte uns zweimal Fisch und so war unser Abendessen immer ein Erlebnis. Eines Abends lichteten wir unseren Anker und segelten nur mit Genua 2 zu den 140 Meilen entfernten Islas Aves, die neben glasklaren Wasser einem ruhigen, da durch ein großes Barriereriff geschützten Ankerplatz bieten können. In diese meilenweiten Ankergründe am Arsch von Venezuela verirren sich wenige Segler und wir legten uns neben das einzige Boot, das zufällig genau in unserer Bucht vor Anker lag. Wir trauten unseren Augen nicht als sich herausstellte, dass der große Katamaran Heldenberg der Wiener Familie Mark und Tina mit dem zwölfjährigen Nick gehörte, die schon seit 8 Jahren mit dem Eigenbau aus Litauen unterwegs sind.
Freundschaft war schnell geschlossen und beinahe jeden Abend saßen wir auf der riesigen 50 Fuß Heldenberg zusammen und plauderten und lachten. Mark, der schon in jungen Jahren einige erfolgreiche Firmen gegründet und wieder verkauft hatte, war ein ziemlicher Tüftler und erfand zum Wohle aller Segler den Diveglider, mit dem man sich hinter dem Dingi nachziehen lassen kann und problemlos ohne aufwendige Technik 15m abtauchen und relativ lange unten bleiben kann. Wir konnten vom Divegliden nicht genug bekommen und können Marks Erfindung nur jedem Dingibesitzer weiterempfehlen. (Näheres unter www.diveglider.com) Von den Beiden lernten wir auch wie man aus einer Pflanze, die wie Gras auf den flachen Inseln Venezuelas wächst, leckeres Pesto für Spagetti herstellen kann. Bei einem gemeinsamen Tauchgang an der Steilwand auf der Südseite der Hauptinsel Isla Sur fingen wir uns den passenden Fisch fürs Abendessen und Tina bereitete ihn mit Knoblauch und Sojasouce derart raffiniert zu, dass er wie Grillkotelette schmeckte. Mit dem Surfbrett erforschte ich das weitläufige Riff und konnte nicht genug davon bekommen bei konstanten 6 Beaufort über das spiegelglatte in allen Farben schillernde Wasser zu rasen.
Nach 4 Tagen verliebte sich Sharky, der Hund (original venezuelanischer Straßenköter) der Heldenberg in Conny und bewies dies durch zärtliche Bisse und andere Liebkosungen. Schweren Herzens trennten wir uns von den Heldenberg´s um noch ein paar Tage auf den weiter westlich gelegenen Aves Sotavento zu verbringen.
Dort war es leider sehr windig und trotz eines schönen Tauchgangs an der steilen Südküste der Isla Larga, wo wir große Thunfische, glasklares Wasser und den mit wunderschönen Korallen bewachsenen Steilhang bestaunten, reizte es uns nicht noch länger hier zu bleiben.
Bonaire - Zivilisation und Tauchparadies:
Unser nächstes Ziel war nun das nur 40 Meilen entfernte Bonaire das als Tauchparadies gilt und wo wir nach wenigen Stunden rasanter Überfahrt bei 30 Knoten Wind und 4 Meter hohen Wellen nur mit Genua 2 bei Sonnenuntergang an einer der hier vorgeschriebenen Mooringtonnen festmachten. An der Luvseite der flachen Insel brechen sich die riesigen Brecher, weshalb die Leeseite völlig flaches und klares Wasser aufweist. Dazu kommt noch, dass die gesamte Küste der Insel unter Wasser bis in große Tiefen fast senkrecht abbricht und die Steilhänge mit wirklich einzigartig gut erhaltenen und unglaublich vielfältigen Korallen bewachsen ist. Entlang der 20 Meilen langen Küste wurden alle paar hundert Meter vom Marineparkmanagement Mooringtonnen für Tauchboote ausgebracht, die komfortables Tauchen ermöglichen. Ankern ist überall verboten und man muss eine 5 Dollar Mooring vor dem Hauptort der Insel nehmen. Als wir in Lee der Insel kamen konnten wir gar nicht glauben wie glatt das Wasser trotz der 30 Knoten Wind war - eben hatten uns die 4 Meterbrecher noch überflutet. Täglich tauchten wir mehrmals an legendären Stellen, wie dem Wrack der Hilma Hooker, der hundert Jahre alten Windjammer und an etlichen Steilwänden entlang der Leeküste und um Kleinbonaire.
Neben der spektakulären Unterwasserwelt schwammen wir mit Thunfischherden, verfolgten meterlange grüne Muränen und bestaunten viele Zackenbarsche, die hier perverser Weise von kleinen Pfeilhechten umworben werden. Lediglich Begegnungen mit großen Fischen, wie wir sie in Saba und Testigo erlebten, fehlten uns hier ein wenig. Die Vegetation der Insel ist karg und besteht hauptsächlich aus Kakteen und Gestrüpp, indem sich unter anderem Leguane wohl fühlen. Kommt man nach Bonaire stechen die riesigen schneeweißen Salzberge ins Auge, die im Süden der Insel durch Sonnentrocknung des Salzwassers entstehen. Von der Zivilisation, die wir auf den einsamen Inseln Venezuelas überhaupt nicht vermissten, aber hier in Bonaire in geballter Form wieder fanden, mussten wir uns schon bald wieder trennen, denn das nächste Abenteuer steht bevor: Kuba.
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