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Andalusien - das Mittelmeer empfängt uns mit Flaute:
Nachdem wir die Strasse von Gibraltar verlassen haben lief der Motor die spanische Costa del Sol ostwärts fast ununterbrochen. Lediglich tagsüber nutzten wir thermische Winde um zum nächsten Ankerplatz zu kommen. Die gesamte Küste fanden wir völlig mit Hotels zugepflastert und wir hatten unsere liebe Not einen halbwegs ansprechenden Ankerplatz zu finden. Trost spendeten uns wieder einmal die unzähligen Delphine, die oft neugierig unser Schiff umkreisten und durch das spiegelglatte Wasser wie durch eine Glasplatte zu erkennen waren.
Lediglich Playa Herradura, ein von Felsen umsäumtes Städtchen, beeindruckte uns vor allem wegen der Riesenkraken (ca.1,5m Spannweite) die wir beim Tauchen dort trafen. Die Kamera mit der ich nun anstelle der Harpune auf Jagd ging zauberte tolle Erinnerungen an dieses unvergeßliche Erlebnis. Das Wasser war anders als an der restlichen Küste klar und vor allem warm. Beim Schnorcheln am Morgen entdeckten wir neben den Kraken, die in kleinen Muschelburgen am Sand residierten, einen Anker samt Kette, den jemand wohl zurückgelassen hatte. Nur die Jetskifahrer, die uns umschwirrten zeigten uns klar, dass wir uns im spanischen Touri - Mekka befanden.
Grenada:
Von Motril aus machten wir uns mit dem Bus auf zu der etwa 60 Kilometer im Landesinneren gelegenen spanischen Stadt Granada, die wegen ihrer maurischen Festung Alhambra und der anderen christlichen Kirchen und Paläste nicht zu unrecht zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Als wir durch die engen Gassen schlenderten fühlten wir uns wirklich wie in das Mittelalter versetzt. In der Festung Alhambra konnte man unverkennbar den Einfluß der maurischen Bauherren mit den schlüssellochartig geformten Torbögen und den reichhaltigen Verzierungen erkennen. Bei der Touri-Info bestaunten wir ungläubig einen Pistenplan der nahegelegenen Serra Nevada, hatte es doch weit über 40 Grad und war somit viel heißer als wir jemals in der Karibik erlebt haben.
Nun galt es sich von Michele zu verabschieden und dafür Franziska und Clemens, zwei Uhrmacherkollegen von Klaus an Bord zu begrüßen. Nachdem die erste Prüfung - mit dem nassen Dingi und dem Gepäck zum Boot zu rudern - bestanden war, wurden die beiden richtige Seebären und standen mit uns Flauten mit wechselhaften Winden meist gegenan und etliche Nachtfahrten zu den Balearen durch. Lediglich ein kleiner Barrakuda sorgte für Abwechslung, da er es schaffte nachdem wir ihn wegen mangelnder Größe befreit hatten unmittelbar darauf noch einmal anzubeißen. In Carthagena mussten wir einen Zwischenstopp einlegen um unsere stark reduzierten Dieselvorräte wieder aufzustocken.
Die Balearen - beinahe das Ende unserer Reise:
Nachdem nun doch endlich der Wind gekommen war, segelten wir tags darauf in Ibiza in unsere persönliche Traumbucht bei den Islas Margaritas, die ein eindrucksvoller mit Höhlen durchsetzter Tauchspot sind und konnten uns ein wenig von der langen Überfahrt erholen.
Unglücklicherweise ging das Ventil einer Tauchflasche kaputt und so bangten wir um zukünftige Tauchgänge auf den Balearen, die wir als einzigartig vom letzten Jahr in Erinnerung behalten hatten.
So war nach der ebenfalls angenehmen Fahrt von Ibiza nach Porto de Soller in Mallorca unser erster Weg zur Tauchschule, die uns aber nach Palma verwies. Mit Clemens und Franziska erkundeten wir den reizenden Ort Soller, den wir mit der über 100 Jahre alten Bim besuchten und bestaunten die von einem Schüler Gaudis entworfene Kathedrale.
Auch hier fanden wir ähnlich wie in Ibiza durch Zufall neben den vielen Touri - Neplokalen ein richtig nettes Lokal mit Gartenterrasse, wo es nur ein einziges aber immerhin dreigängiges Menü mit Wein und Mineralwasser um sagenhafte 7 Euro gab.
So gestärkt schafften wir es sogar uns bei der brütenden Hitze zwei Kletterrouten im netten Klettergarten von Porto de Soller raufzuquälen.
Tags darauf begleiteten wir Clemens und Franziska nach Palma, wo die beiden ihren Flug nach Hause antraten und wir uns sogleich nach dem nächsten Tauchshop erkundigten, der auch wirklich einen passenden Ersatzteil für unser desolates Flaschenventil lagernd hatte. Obwohl die unglaubliche Hitze von über 40 Grad uns sehr zu schaffen machte genossen wir den Sight Seeing Trip durch die Stadt, bestaunten die alten Festungen und Gaudis Kathedrale sowie ein altes maurisches Bad, welches uns mit den kleinen sternförmigen Dachluken und dem schlüssellochförmigen Eingangsportal sehr an jene Bäder erinnerte, die wir in Grenada in der Alhambra bestaunten.
Zurück in Porto de Soller entdeckten wir am folgenden Tag den tollen Tauchplatz Grotta Azul, direkt 1 Meile westlich vom Hafen an den eindrucksvollen Steilwänden gelegen. In dem geräumigen Tunnel hätte leicht eine großer Lastwagen platz. Tatsächlich fanden wir einige kleinere Zackis und die für das Mittelmeer typischen Brassen. So gut es sich mit den heißen Temperaturen vereinbaren ließ genossen wir die schönen Kletterrouten und beschlossen auch nach einigen Tagen den Tauchplatz Foradada in der gleichnamigen Ankerbucht zu erforschen, was uns noch einiges Kopfzerbrechen bereiten sollte. Bei völliger Windstille und schönstem Wetter ankerten wir wie viele andere Segler auch direkt vor der eindrucksvollen über 80 Meter hohen Felswand des Kaps und freuten uns unheimlich darauf den Traumankerplatz Abends für uns alleine zu haben, weil wir ahnten, dass alle Charterboote am Abend in den sicheren Hafen segeln werden.
Der Tauchgang war ebenfalls ein Traum. In der Strömung standen im glasklaren Wasser vor gewaltigen Felsblöcken große Zackenbarsche und Brassenschwärme und tiefer im kalten Wasser trafen wir auf etliche Barrakudas und Zahnbrassen, die schon ein leckeres Mittagessen abgegeben hätten. Vor lauter Staunen vergaßen wir fast rechtzeitig innerhalb der Nullzeit aufzutauchen. Natürlich haben wir in den Tropen eindrucksvollere Dinge beim Tauchen gesehen, doch hatten die Tauchgänge hier auf den Balearen für uns vielleicht auch wegen der tollen Höhlen und Steilwände einen besonderen Reiz, weshalb wir oft über eine Stunde im Wasser blieben. Wir beschlossen einen Nachttauchgang zu machen, weil es hier ja gar so gemütlich ist und man direkt vom Schiff aus abtauchen kann. Wie voraus geahnt waren alle Charterboote verschwunden und kaum waren wir eine Stunde alleine in der Bucht begann der Wind immer stärker zu blasen und uns auf die Felswand zu drücken. Bei 30 Knoten und inzwischen einsetzender Dämmerung war klar, dass wir hier keine ruhige Nacht erwarten konnten und es sich nicht nur um thermische Fallböen handelt. Glück im Unglück war, dass der Wind an der Felswand abprallte und uns ab einer gewissen Distanz zum Felsen wieder gegen die eigentliche Windrichtung blies.
So konnten wir mit Motorunterstützung unsere beiden Anker bergen und uns mit knapper Not von der Felswand retten, da unser schwacher Motor das Boot nicht gegen den Wind halten konnte. Kaum hatten wir das freie Wasser erreicht erwarteten uns bisher noch nie erlebte 60 Knoten Wind, die in kürzester Zeit eine unglaubliche See aufbauten. Das Boot hatte als wir versuchten auf Halbwindkurs direkt das nur 5 Meilen entfernte Porto de Soller anzulaufen ohne Segeln eine derartige Krängung, dass der Bordrand unter Wasser kam. So beschlossen wir vor dem Wind abzulaufen in der Hoffnung, dass die zweifellos vorhandene thermische Komponente des Windes weiter draußen abnehmen würde. Bald wehte es auch mit "nur mehr" 45 Knoten und wir konnten mit Sturmfock die beachtlichen 5 Meilen, die wir vom Wind abgetrieben wurden wieder zurück kreuzen und liefen völlig erschöpft um zwei Uhr Nachts in Porto de Soller ein. Zur Beruhigung genehmigten wir uns einen Schluck Portwein und brauchten ein paar Tage um uns von dem Schock zu erholen.
Recht unsicher hüpften wir zur nächsten Traumbucht Sa Calobra, von wo aus wir nach Menorca zu unserem Lieblingstauchplatz, der Unterwassertropfsteinhöhle Pont d´en Gil segeln wollten. Zwar war der Tauchgang bei Sa Calobra eher enttäuschend dafür war der Ankerplatz eingebettet in einem mit einen Kiesstrand auslaufenden Canyon um so schöner. Auch der Canyon selbst mit seinen über 300 Meter hohen Felswänden und den darin umherstreifenden Ziegen war den Besuch wert. Überraschender Weise blieben wir diese Nacht von Fallwinden verschont und erreichten am nächsten Tag Menorca dank des guten Südostwindes noch vor Sonnenuntergang. Schnell waren die Tauchflaschen ausgepackt und schon waren wir in der Tropfsteinhöhle, die für uns als höhlenbegeisterte Taucher das Non Plus Ultra darstellt.
Die drei kleinen "Hauszackis" die bis auf wenige Zentimeter vor die Kamera kommen, so dass man sie schon wegscheuchen muss um sie scharf zu bekommen, die zutrauliche Krake, der Drückerfisch den wir schon das Jahr zuvor gesehen hatten und natürlich die unvergleichliche Höhle entlohnten uns für alle Strapazen, die das Leben auf See so häufig für uns bereit gehalten hat.
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