BLUE NOTE

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Die Helden
Das Boot
Reiseroute (NEU)
(21.06.2004 aktualisiert)
Reiseberichte
(26.10.2004 aktualisiert)
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© Christian Widermann 2003, 2004
Seiten: 1 2
Kuba:
Die abwechslungsreiche Überfahrt:

Nach drei Monaten Inselhüpfen auf den kleinen Antillen, Tobago und Venezuela mit Überfahrten von maximal 150 Meilen stand uns jetzt der lange Schlag von 900 Meilen von Bonaire nach Kuba bevor. Wir hofften stark auf Ostwind, denn dann würde es ein gemütlicher Raumwindkurs sein, mussten uns aber mit dem Nordostpassat von 20 bis 25 Knoten zufrieden geben. Nur mit Trysegel und Genua 2 steuerte der Autopilot das Schiff mühelos und sogar nachdem wir die vor großen Brechern geschützte Leeseite Bonaires verlassen hatten, wurde unser Autopilot dank des kleinen Großsegels mit den ständig übers Boot brechenden bis zu vier Meter hohen Wellen aus fast allen Himmelsrichtungen fertig. Wasser kam ständig über und das ganze Vorschiff verschwand oft völlig in einem Brecher. Nun waren wir froh, dass wir für alle Fälle die Rettungsinsel bereit gelegt hatten, alles gut verstaut war und wir uns sonst auch gut für die Überfahrt vorbereitet hatten. Im Cockpit wurde man in Kürze völlig durchnässt und ordentlich durchgeschüttelt und so verbrachten wir die ersten zwei Tage meist damit im Schiffsinneren herumzuliegen und einfach nichts zu tun, da jede Tätigkeit bei dem Geschaukel zur Herausforderung wurde. Alle fünf Minuten prüften wir sorgfältig den Horizont nach anderen Schiffen und die Angelleinen. Bonaire war noch nicht vom Horizont verschwunden, fuhr auch schon die Angelleine aus, der Gummidämpfer riss und mit einem gewaltigen Ruck kam die Rolle zu stehen als das Ende der Leine erreicht war. Den Fisch, der Form nach eine 2 Meter große Goldmakrele, sahen wir nur mehr am Horizont gewaltige Luftsprünge machen - er hatte unsere Gummiköder samt Haken verschluckt und das 1 mm Stahlvorfach wie einen Zwirnsfaden durchgerissen. Abends war wieder ein Fisch an der Leine, der sich leider wieder vom Haken losriss. Eine Menge riesige Frachtschiffe kreuzten ganz knapp unseren Kurs und so wurde uns nie wirklich langweilig, obwohl wir eigentlich nichts taten außer ein wenig Spanisch zu lernen oder zu lesen, wenn das Geschaukel nicht allzu schlimm war und man nicht gleich seekrank wurde. Tags darauf wartete eine leckere Überraschung auf uns - pünktlich und wie bestellt zur Mittagszeit bissen gleichzeitig an beiden Leinen zwei weiße Thunfische (die unserer Meinung nach schmackhaftesten ihrer Art) an und wir trauten unseren Augen nicht als die zwei 70 Zentimeter langen Prachtstücke vor uns lagen - die Dosen konnten wir also für schlechte Zeiten aufsparen - das Essen für die nächsten drei Tage war gesichert. Einen Teil der Fische verkochte und konservierte Conny in Form von Spagetthisugo in alten Marmeladegläsern, der andere Teil wurde in Öl eingelegt und in den nächsten zwei Tagen in Form von leckeren Thunfischfilets und Nudelsalaten verspeist. Die Haie bekamen von uns nur das Gerippe und die Eingeweide mit Kopf retour. Die ersten drei Tage liefen wir mit Etmalen von 150 bis 160 Meilen also einem Schnitt von 6,5 Knoten unserem Ziel entgegen und fühlten uns abgesehen von den lästigen Wellen auf unsere herrliche Atlantiküberquerung zurückversetzt. Ab dem vierten Tag, Jamaika war schon nur mehr 150 Meilen entfernt war der Wind plötzlich wie abgedreht und ließ nur mehr die grauslichen Wellen zurück, die von allen Seiten ans Boot krachten und das Rigg erschüttern ließen. Also Motor ein und im Schritttempo weiter nach Kuba. Glücklicherweise legten sich die Wellen rasch als wir in Lee von Haiti kamen und wir genossen die Ruhe, die lediglich durch gelegentliches Wetterleuchten in der Nacht oder durch einen großen Marlin, der uns verfolgte und den Conny anfangs für einen Hai hielt, unterbrochen wurde. Der Marlin war gut zwei Meter lang und verfolgte uns so knapp an der Oberfläche, dass ich ihn mit der Harpune leicht erwischen hätte können. Als ich sie bei der Hand hatte, war der mächtige Fisch längst verschwunden - vielleicht eh besser dachte ich, der hätte mir vermutlich nur die Harpune aus der Hand gerissen. Unsere Lieblingsbeschäftigung wurde das Rösten und Verspeisen des Weißbrotes, das wir in Unmengen in Bonaire gekauft hatten und welches wir heldenhaft vor dem Schimmelbefall durch raschen Verzehr retteten.
Die Einfuhr von offenen Lebensmitteln nach Kuba war ja ohnehin verboten - also hatten wir kein schlechtes Gewissen uns mal so richtig die Bäuche vollzuschlagen.

Kuba - ein Blick hinter den eisernen Vorhang oder des einen Freud ist des anderen Leid

Cienfuegos:
In Bonaire hörten wir die schlimmsten Gerüchte über Kuba, wie es gäbe eine 10 Dollar Steuer pro Person und Tag, unendliche bürokratische Hürden, absolut unbezahlbare Touristenpreise für Lebensmittel, Treibstoffknappheit und vieles mehr. In allen Berichten, die wir aber über Kuba lasen, konnte man als Resümee schließen, dass die Leute Kuba aber trotz dieser unendlichen Hürden dennoch als einzigartige Erfahrung genossen und nicht missen möchten. Warum allerdings, konnten wir aus den Berichten nicht so klar rauslesen. So waren wir schon mehr als neugierig als wir die ersten Berge von Kuba am Horizont auftauchen sahen und mit heißen 3 Knoten unserem noch 180 Meilen entfernten Zielort Cienfuegos bei absoluter Windstille entgegen motorten.
Kuba, das als Amerikas zweites Las Vegas in den 60ern galt, hat wirklich eine unglaublich interessante, wenn auch dramatische Geschichte. Jetzt erst wurde mir klar, dass Castro, entgegen dem was man so von amerikanischen Kinofilmen kennt, eigentlich gar kein so böser Mensch ist - schließlich hatte er als ehemaliger Rechtsanwalt die Kubaner in einer waaghalsigen Aktion von dem noch viel schlimmeren und gewalttätigen Tyrannen Batista befreit. Dafür, dass der Kommunismus wohl doch nicht so recht funktioniert, wie ja die Geschichte bewiesen hat, konnte der arme Castro nichts, und so kann man ihm es auch nicht übel nehmen, dass er isoliert von den Amerikanern und dem Rest der Welt sein Land mit der wirtschaftlichen Hilfe der Sowjets für kurze Zeit zu einem der reichsten karibischen Staaten machte. Die Amerikaner saßen aber damals wie heute am längeren Hebel und so wurde aus der Freundschaft Kuba - Udssr nichts und die Kubaner schlitterten zusehends in die Krise. Obwohl Castro derzeit von den Amerikanern wirtschaftlich völlig blockiert wird gelang es ihm bis jetzt durch Lockerung der Planwirtschaft (Joint Ventures mit spanischen, französischen und kanadischen Unternehmen) sich durchzuwursteln. Die beste Gelegenheit das Land und seine Einwohner noch einmal kennen zu lernen, bevor Kuba sowie Puerto Rico oder die Virgins von den Amis beschlagnahmt und zu einem Hochpreis - Feriendorf verwandelt wird, ist wohl jetzt - solange Castro noch am Leben ist. In die riesige Bucht von Cienfuegos liefen wir mit gemischten Erwartungen Mittags ein und wurden an der Einfahrt gleich von der Guardia Frontera Station mit der großen Aufschrift "Bienvenidos Cuba Socialista" durchgewunken und machten in der Marina mit der Erwartung endloser Bürokratie und mühevoller Bootsdurchsuchung fest. Unverhofft kommt oft - die vielen Schauergeschichten erwiesen sich als Ente. Zwar besuchten uns an Bord erstmals 3 Inspektoren der Gesundheitsbehörde und begutachteten kritisch unsere Zwiebel, dann 3 Mann vom Zoll und schließlich der Immigrations Mann und der Hafenkapitän. Alle waren sehr freundlich - fast war ihnen der Papierkrieg peinlich, den sie teilweise für uns erledigten. Die Bootsdurchsuchung war lediglich ein kurzer Blick ins Vorschiff - unser "Keller" wo wir alle Vorräte für die Atlantiküberquerung mühsam verstaut hatten wurde nicht durchsucht. Insgesamt bezahlten wir zwar 105 Dollar für das Einklarieren (30 Dollar Gesundheitsinspektoren, 20 Dollar Zoll, 15 Dollar Visa je Person, 15 Dollar für das Sailing Permit und 10 Dollar für das Despacho) was schon ein Höchstrekord auf unserer Reise ist, aber sich auf jeden Fall ausgezahlt hat, wie wir noch am selben Tag feststellten. Nach einer Stunde war alles erledigt und wir spazierten in das Stadtzentrum, das all unsere Erwartungen übertraf. In die Stadt gelangt man mit einer Pferdekutsche, die hier als normales Transportmittel der Einheimischen gilt (1 Peso = 3 Cent für eine Strecke). Vorbei ging es an prächtigen wenn auch etwas verfallenen Kolonialbauten mit zierlichen Säulen und Türmchen - überholt wurden wir ab und zu von einem Amischlitten aus den 60ern und alle Leute, die wir unterwegs trafen waren freundlich und zufrieden. Wie war das möglich bei einem Einkommen von etwa 8 Dollar im Monat fragten wir uns. Wie es eben so in einem Sozialstaat funktioniert - die Leute bekommen die Grundnahrungsmittel vom Staat und andere Dinge, die mancher zum Trost benötigt wie Eis oder Rum sehr günstig (für ein Eis zahlten wir 0,5 Pesos). So schaffte Castro es tatsächlich ein im Vergleich zu anderen Karibikinseln hohes und breitgestreutes Lebensniveau zu schaffen - alle sind gleich mittelmäßig arm (Bettler oder wirklich arme Leute sahen wir nicht) und Kriminalität beschränkt sich auf wenige Kleindelikte. (Angst ums Überleben wie mancherorts in Venezuela muss man in Kuba nicht haben.)


Größtes Problem für dieses System sind wohl die Touristen, die merklich von einer anderen Welt kommen, ein Leben in Luxus führen und mit den Dollars nur so um sich werfen. So bekommen die Leute den Kapitalismus am Servierteller präsentiert und das alte System beginnt schon zu zerbröseln, da nicht nur der Staat (mit seinen Gebühren) versucht den Touristen die Dollars aus der Nase zu ziehen. So trafen wir manche Pferdekutschen, die von uns anstelle des Pesos 1 Dollar verlangten und stellten überrascht fest, dass der offizielle Kurs Dollar - Peso anstelle 1:27 wie am Schwarzmarkt 1:1 beträgt. Für Chartertouristen - die ja offensichtlich sehr reich sein müssen - hat man sich was besonderes ausgedacht um ihnen die Dollars aus der Tasche zu ziehen: eine Kurtaxe von 10 Dollar pro Tag und Person - welch Glück, dass dies noch nicht für Fahrtensegler gilt! Die "Dollarläden" verkaufen westliche Marken zu entsprechenden Preisen und sind neuerdings auch für die Kubaner zugänglich. Die traurige Wahrheit also in Kuba: Ohne Dollar oder ohne Touristen gibt's scheinbar kein Überleben.
Wenn man aber ein wenig schaut findet man auch als Tourist rasch Läden wo man z.B. kubanisches Cola, Pizza con Queso und eine Familienpackung Kekse um je fünf Peso erstehen kann. Die Dinge des täglichen Lebens wie Schuhe, Zündkerzen usw. finden die Kubaner in "Flohmärkten" zu erschwinglichen Preisen.
Überglücklich, wenn auch etwas müde von der 7 Tagesüberfahrt genossen wir unseren Mochito am Plaza Marti, der von Prunkbauten im Maßstab der Wiener Innenstadt umrahmt ist. Nach einem weiteren Tag, an dem wir es uns in Cienfuegos gut gehen ließen und uns mit Pizza con Queso und kubanischem Cola labten legten wir Abends ab und segelten bei leichtem Wind und ruhigem Meer zur Insel Cayo Blanco vor Casilda, wo wir bis zum Eintreffen von Connys Eltern ein paar gemütliche Tage verbringen wollten.

Cayo Blanco de Casilda:
Unser Anker fiel nahe den Überresten eines Wracks, dass wir sogleich mit dem Schnorchel erkundeten und frohlockend feststellten, dass es von Lobstern nur so wimmelte. Das Abendessen war gesichert - Lobster Buzzara (Tomaten und Zwiebel bekamen wir auch praktisch umsonst). Ein Tauchgang tags darauf bescherte uns einen 50cm Monsterlobster und zwei große Brassen, die wir am Strand grillen wollten. Um Erlaubnis fragten wir bei den zwei Kubanern, die am Strand für eine große Hotelkette eine Bar betrieben und die uns jetzt, da der Touristenschwarm wieder ans Festland gebracht wurde, sogleich zu einem kalten Cerveza einluden. Vier große Kokosnüsse bereiteten sie auch für uns vor und wir wussten gar nicht was wir ihnen aus Dank geben konnten. Die Beiden hatten reichlich zu essen und trinken da die Hotelgäste All Inklusive betreut werden und hatten die wohl schönste Aussicht der Welt mit Kokospalmen, einem großen Haus-Iguana und einem Art Murmeltier, das sich am liebsten auf der Terrasse aufhielt. Kaum hatten wir etwas später Holz gesammelt und das Feuer entfacht, kam auch schon Antonio und lud uns nun auch noch zum Essen ein. So kam ich zu einem gebackenem Hühnchen und Conny, die scheinbar von Fisch nicht genug bekommen konnte, zu einer Riesenportion Schrimps. Zum Sonnenuntergang gab es das kubanische Nationalgetränk Mochito für uns und unser schlechtes Gewissen wurde immer größer. Wir versuchten unsere beiden Freunde am nächsten Tag auf der Blue Note mit Palatschinken zu verwöhnen, allerdings fanden sie weit mehr Gefallen an unserem venezuelanischen Rum, der im Nu geleert wurde. Antonio ist 29 wie ich und arbeitet nun schon seit 6 Jahren in der Strandbar auf Cayo Blanco. Damit zählt er sicher zu den Schwerverdienern Kubas, da alleine das tägliche Trinkgeld weit mehr ausmacht als ein kubanischer Monatslohn. Überrascht waren wir auch wie gebildet die Kubaner sind - als wir uns als Österreicher vorstellten (was normalerweise immer vorteilhaft ist weil das Land meist völlig unbekannt ist, maximal mit Australien verwechselt wurde und die Leute keine negativen Vorurteile haben) wurden wir gleich als Geburtsland von Hitler bloßgestellt, was aber unserer Freundschaft Gott sei Dank keinen Abbruch tat. Rasch wurde uns aber auch bewusst, dass Kuba zwei Gesichter hat und die meisten Touristen nur das angenehmere zu sehen bekommen. Einerseits sind die Leute freundlich, es gibt kaum Kriminalität und es herrscht eine hohe Allgemeinbildung und medizinische Versorgung in Kuba. Andererseits werden aber die Kubaner durch tausende Regeln und Gesetze sehr kurz gehalten und die Strafen für in unserer westlichen Welt völlig legale Dinge sind außerordentlich hoch. So hat Castro erkannt, dass der Kontakt der beiden Welten Kapitalismus in Form der Touristen mit dem Sozialismus seinem System schadet und versucht so durch wahnwitzige Verbote die Kubaner davon abzubringen die Touristendollar selbst in die private Tasche einzustreifen. So darf Antonio uns zum Beispiel nicht zu sich nach Hause einladen und wir dürfen ihn auch nicht mit unserem Boot mitnehmen. Auch dürfen Kubaner keine Touristen per Autostop mitnehmen. All diese Restriktionen werden durch ein Stasi ähnliches System der nachbarlichen Bespitzelung gesichert. Eigentlich eine schreckliche Vorstellung aber wie uns Antonio versichert: die Kubaner haben gelernt damit zu leben und ihre eigenen Tricks und Schliche entwickelt, das System zu umgehen.

Casilda Trinidad:
Nur ungern trennten wir uns von unserem neuen Paradies, um Connys Eltern in Casilda bei Trinidad abzuholen.


Voll Zuversicht packte ich auch sogleich das Fahrrad aus, um auf den 800 Meter hoch über Trinidad thronenden Topes de Collantes zu fahren; musste aber schnell feststellen, dass ich durch das viele Sitzen am Boot schlechter in Form war, als ich dachte. Die 40 Grad und die glühend heiße Asphaltstrasse ,die vorbei an Kakteenfeldern in steilen Serpentinen auf den Berg führte, trug auch zur totalen Erschöpfung bei. Schließlich erreichte ich doch einen Aussichtspunkt und hatte einen tollen Blick auf den Gipfel, der schon mit üppigen Urwaldpflanzen bewachsen war. Um ein paar Cent erstand ich dort einen Berg Bananen und gab meinem Körper wieder ein bisschen Energie für den Rückweg. Die warme Dusche - unsere erste seit einem Jahr - tat ungemein gut. Schließlich das große Wiedersehen - Connys Eltern fanden sich schnell an Bord zurecht und tags darauf erkundeten wir schon gemeinsam die Altstadt von Trinidad, eine der ältesten und schönsten Kolonialstädte Kubas und von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die Stadt hielt, was sie verspricht - prächtige Kolonialpaläste von den Zuckerbaronen teilweise schön restauriert prägen die Altstadt. Auf der Plaza Mayor spürt man förmlich den kubanischen Lebensstil wenn man die Zigarren rauchenden Kubaner mit ihren breiten Strohhüten betrachtet, wie sie mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck im Park sitzen und die Stunden und Touristen an sich vorbeiziehen zu lassen. Schlendert man durch die Straßen fühlt man sich wie in den 60ern, muss man hier nur gelegentlich einer Pferdekutsche oder einem 60er Chevi ausweichen.


Einen Eindruck über den kubanischen Arbeitsalltag konnten wir uns in der kleinen Zigarrenmanufaktur holen, wo duzende Männer und Frauen diese anstrengende Handarbeit vollbringen. An jeder Straßenecke kann man direkt aus den Fenstern der Privathäuser praktisch geschenkt Leckereien wie Pizza con Queso y Jambon, frisch gepressten Zuckerrohrsaft oder Eis erwerben, sich so den Tag verschönern und so ganz unter Kubanern sein. (Touristen sieht man Gott sei Dank selten an diesen originellen Imbissbuden) Beeindruckend ist der Baustil der Häuser in Trinidad mit ihren Fenstergittern aus gedrechseltem Holz und den offenen Fronten, die von der Strasse aus Einblick bis ins Schlafzimmer der Häuser gewähren. Die mit zierlichen Säulen und Verzierungen versehenen


Fassaden der Häuser sind vor allem außerhalb des Zentrums stark verfallen und man kann nur hoffen, dass bald mehr Geld ins Land kommt um mit der Restaurierung zu beginnen.


Mit dem Rad unternahmen wir auch einen Ausflug ins Tal der Zuckermühlen und kletterten auf den 60 Meter hohen kunstvoll errichteten Torre Iznaga, von dem aus früher die Sklaven bei ihrer Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen überwacht wurden. Das Rad ist in Kuba neben Eseln und Pferdekutschen noch immer ein übliches Transportmittel und so hatten wir ab und zu die Gesellschaft eines Kubaner der sich mit seinem rostigen Drahtesel aus der Vorkriegszeit abplagte. Nun aber wollten wir weiter zu den Cayos um auch endlich die legendären Tauchgründe Kubas kennen zu lernen und legten bei Hochwasser mit voller Erwartung ab.

Cayo Trabuco:
Früh am nächsten Morgen motorten wir bei absoluter Flaute und spiegelglattem Wasser 70 Meilen weiter nach Westen mit dem Ziel Cayo Trabuco, ein Sandfleck mitten im nirgendwo zwischen Casilda und Cayo Largo. Connys Eltern bekamen abgesehen von Wind alles geboten. Knapp vor Sonnenuntergang hing ein stattlicher Barracuda an der Angel, während die zweite Schleppangel von einem "feindlichen" Fisch wieder einmal durchgebissen wurde. Langsam tasteten wir uns schon in der Dunkelheit in Inselnähe und nach mehreren Versuchen hielt dann endlich auch unser Anker am teilweise felsigen Grund. Am Morgen stellten wir fest, dass die Insel wirklich nur ein Felsenpünktchen mitten im blauen Wasser ist und auf dem ersten Blick nichts zu bieten hatte. Connys Papa - Peter - meinte spaßhalber wir würden vielleicht einen weißen Strand um die Ecke finden und tatsächlich ging der Wunsch in Erfüllung. Schnell haben wir den Platz gewechselt und schon beim Kontrollieren des Ankers entdeckte ich ein Wrack, das am benachbarten Riff gestrandet ist und von Barracudas, Drückerfischen, großen Zackenbarschen, Brassen und anderen großen und kleinen Bewohnern besiedelt wurde.


Während Peter und Margit den lang ersehnten Strand erkundeten und Treibholz für das Feuer suchten, machten Conny und ich eine kleine Erkundungsfahrt mit unserem Diveglider und siehe da breitete sich vor mir tatsächlich ein Monsterlobster in noch nie gesehener Größe auf. Die Füße des Jungen waren etwa so dick wie der Schwanz so mancher anderer Langusten. Kurz darauf entdeckten wir in einem Felsspalt neben einem schlafenden Ammenhai eine ganze Monsterlobsterfamilie. Mit ruhigem Gewissen packten wir zwei Großväter ein, um sie am Strand zu grillen. Die Jungs waren sicher schon alt genug und man musste sich nicht gleich als Kindermörder fühlen. Die Lobster spalteten wir in der Mitte mit der Machete und marinierten das Fleisch mit Balsamico Essig und viel Knoblauch, um sie dann einzeln (der Rost war einfach zu klein für einen ganzen Lobster) am Strand am bereits vorbereiteten Feuer zu grillen. So beschäftigen wir uns einen ganzen Nachmittag mit Lobstergrillen und -essen, Lobsterfüße abnagen und dem Trinken von 7-jährigen Havana Club Rum. Um mein schlechtes Gewissen wegen meines prallgefüllten Bauches zu erleichtern schnorchelte ich abends noch ein wenig zum Wrack und wurde von einer Herde Barracudas zu den ersten Wrackteilen begleitet. Dort bot sich mir ein unglaubliches Bild: aus den Blechteilen schauten gut einen halben Meter lange Fühler von weiteren Monsterlobsterfamilien......
Ein Tauchgang tags darauf an der etwa eine Meile entfernten Steilwand, die von 20 Meter über 1000 Meter steil ins tiefblaue Nichts abbricht, zeigte sich uns das ersehnte Diverparadies Kuba: Nachdem wir unser Dingi mitten im Meer verankert hatten begleiteten uns ein Adlerrochen, Barracudas und mehrere über einen Meter lange Goliath Zackenbarsche sowie zwei Thunfische, während wir die mit kleinen Höhlen und Canyon´s durchsetzte Steilwand im glasklaren Wasser erkundeten. Als wir von 40 Meter Tiefe über uns blickten, konnten wir ganz klar die Silhouette unseres Dingis über uns sehen!! Wir hatten die Gewissheit, dass wir wohl die ersten Menschen waren, die an dieser Stelle tauchten - Kuba bietet rund 1000 Meilen betauchbare Steilwände, die Gott sei Dank niemals völlig erkundet sein werden....
Schweren Herzens lichteten wir den Anker und segelten mit leichter Brise über Cayo Ingles nach Cayo Largo, wo Connys Eltern noch einige Tage in einem schönen Bungalow mit gemütlichem Strand verbringen wollten, bevor sie über Havana wieder zurück ins kalte Österreich mussten.

Cayo Largo:
Cayo Largo ist eine reine Touristeninsel an der abgesehen vom reichlich vorhandenen wöchentlich vom Festland eingeflogenen Personal keine Kubaner leben. Demnach wird hier auch in Dollar bezahlt und für das selbe Brot, das wir in Trinidad um 15 Cent erstanden hatten, mussten wir hier 1,5 Dollar blechen. Die Marina wird von dem engagierten Piré geführt, der uns freundlich durch die abenteuerliche Marinabürokratie geleitete. So durchliefen wir beim Bezahlen der 21 Dollar Rechnung drei Stationen (Vertragsausstellung, Rechnungsausstellung und Bezahlung) in drei verschiedenen Gebäuden mit drei unterschiedlichen Angestellten. Wasser war im Preis wieder inklusive und so gönnten wir unserem Boot und den Segeln eine feine Dusche. Herbert, ein deutscher Charterskipper der schon zwei Kubanerinnen geheiratet hatte und mit Kuba einige Versuche gemacht hatte geschäftlich tätig zu werden erzählte uns von den Schattenseiten der kubanischen Wirtschaft, die den meisten Touristen zum Glück verborgen blieben. So berichtete er von der Stardust Charterflotte die hier unter fadenscheinigen Vorwänden von Cayo Largo vertrieben wurde, nachdem die ausländische Firma Millionen in den Aufbau der Marina investiert hatte. Die Behörden hatten der Firma illegale Einfuhr der Boote vorgeworfen obwohl die Boote vom kubanischen (verstaatlichten) Partner betrieben wurden! Schließlich wurden sie einfach konfisziert... Herbert berichtete uns auch, dass Castro angeblich der 9. reichste Mann der Welt sei und sein Vermögen, mit dem er unter anderem seine Armee finanziert, durch Bergen versunkener Goldschätze vor den Küsten Kubas gemacht hatte. Vor Cayo Largo gibt es ein paar kleine Felsbrocken, die direkt an das steile Außenriff grenzen und für uns der ideale Ankerplatz für Tauchexpeditionen schien, nachdem uns die Tauchschule freundlicher Weise die GPS Koordinaten der besten Tauchplätze verraten hatte. Also verabschiedeten wir uns von Connys Eltern und tasteten uns durch die 2,5 Meter tiefe Riffeinfahrt zu unserem Ankerplatz. Nach einem wunderbaren Tauchgang auf der Steilwand - Spot Montana - wo wir durch einen Canyon tauchten der direkt in die Steilwand mündete und dort zwei Haie und drei gewaltige Adlerrochen wenige Meter an uns vorbeigleiten sahen gab es noch Conch zum Abendessen und dann fielen wir tot ins Bett. Um Mitternacht wurden wir allerdings von einem Orgelkonzert der Wanten aufgeweckt. Der Nordwind der vorbeiziehenden Frente Frio drückte uns mit bis zu 40 Knoten ans Riff, was eigentlich nicht so dramatisch wäre, wenn man von den unwahrscheinlich hohen und steilen Wellen absieht, die sich hier in nur wenigen Meilen gebildet haben. Das Ankerseil, das direkt mit einem halben Meter Länge vom Ende der Kette zur Klampe führte dehnte sich um unglaubliche 10 Zentimeter während das Vorschiff oft völlig im Wasser verschwand - keine Frage wir mussten weg. Also Dingi zerlegen, Tauchkompressor und Flaschen verstauen und der GPS Spur zurück folgen. Nach mehreren verzweifelten Versuchen bekamen wir endlich den Anker los, dessen Kette ständig aus der Rolle hüpfte weil der verfluchte Motor mit seinen 18 PS das Boot kaum gegen den Wind bewegen wollte. Für 2 Meilen brauchten wir fast zwei Stunden und fielen schließlich in der ruhigeren Hafeneinfahrt halbtot ins Bett. Am nächsten Tag verholten wir uns in die der Marina vorgelagerte Ankerbucht wo wir die Kanadier mit ihrem Schiff Michael kennen lernten, die uns ganz spontan eine "halbe Kuh" schenkten, die sie vermutlich von irgendeinem Hotelkoch inoffiziell offiziell günstig erworben hatten. Der Lungenbraten bereicherte unseren Speiseplan enorm und schließlich feierten wir mit Connys Eltern ein Wiedersehen mit mehreren Mochitos was zu einer Art Gewohnheit werden sollte wie sich in den nächsten Tagen zeigte.


Nach dem Schock des Vortages wollten wir ein wenig entspannen und die Iguanas am Cayo Iguana besuchen und erst am nächsten Tag wieder zu unserem Platz tauchen fahren. Voller Zuversicht und nach einem schönen Tauchgang schliefen wir wieder am Katastrophenankerplatz ein und wurden - wen wundert es - um Mitternacht wieder durch ein Orgelkonzert geweckt - diesmal überlegten wir nicht lange, vollbrachten unsere Ankerauf- und Fluchtaktion in nur einer Stunde und konnten "schon" um eins wieder in der Hafeneinfahrt beruhigt schlafen gehen. Tags darauf wurde wieder Wiedersehen mit Connys Eltern gefeiert, die uns vermutlich schon für völlig verrückt hielten. Schließlich schafften wir es nach mehreren Tagen endlich weiterzukommen und fanden einen sicheren Ankerplatz auf dem absolut einsamen Cayo Avolos, wo leider das Wasser zu trüb zum Schnorcheln war. Also verbrachten wir den Rest des Tages mit ein wenig Arbeit vor den Computer - denkste - der Wechselrichter gab unter höllischem Gestank seinen Geist auf. Wie sollten wir jetzt unsere Batterien laden? In der Hoffnung auf der Isla Juventud Handy Empfang zu haben, um unsere Eltern um die Sendung eines neuen Wechselrichters zu bitten, schafften wir am nächsten Tag die 70 Meilen zu Punta Frances in nur 11 Stunden.

Isla Juventud:
Statt eines Handy Empfang fanden wir eine Traumbucht mit glasklarem Wasser und vielen mit Bojen markierten Top Tauchplätzen wenige hundert Meter hinter unserem Boot an der beeindruckenden Steilwand. Hier wollten wir uns von unserem Cayo Largo Schock erholen und ein paar Tage nur tauchen und faulenzen. Da, wie wir wussten, Tauchen ohne einheimischen Guide verboten war, timten wir unsere Tauchgänge so, dass wir immer bevor das Tauchboot kam und nachdem es wieder fort war die traumhafte Unterwasserwelt erkundeten. Der Steilhang um Punta Frances ist durchsetzt mit Höhlen, die in etwa 10 Meter beginnen und meist in etwa 40 Meter im Steilhang mitten im über 1000 Meter tiefen dunkelblauen Wasser münden. Dort begegnet man Thunfischschwärmen, Barracudas und den riesigen Goliath - Zackenbärschen. Am Besten gefiel uns Cueva Azul, die von riesigen haifischähnlichen Tarpons bevölkert wurde. Ein unglaubliches Erlebnis fast mit Hautkontakt zu den Riesen durch die Höhle ins Tiefblaue zu tauchen und am Ausgang noch ein paar gewaltige Langusten zu bestaunen. Obwohl wir ahnten, dass auch Ankern hier nicht erlaubt ist wurden wir erstaunlicher Weise in Frieden gelassen und wollten eigentlich gar nicht weiter.

Maria La Gorda:
Doch der Weg nach Havana ist weit und unser Visum, dass nur mehr 5 Tage gültig war musste in Maria La Gorda verlängert werden: also lichteten wir schweren Herzens den Anker und segelten mit Zwischenstopp Cayo Real ins Touristengetto Maria La Gorda, das auch als Toptauchrevier gilt. Natürlich ist dort Tauchen nur mit einheimischen Tauchführer um 35 Dollar pro Person erlaubt aber zumindest Ankern durften wir nach einigen Stunden Bootsdurchsuchen und Zetteln ausfüllen, was kubanische Behörden mit Vorliebe machen (müssen). Handy Empfang gab es auch hier nicht, dafür aber ein Hotelfax, welches sagenhafte 8 Dollar für eine einzige fraglich übertragene Seite kostete.
Wir erforschten die herrliche Unterwasserwelt mit den vielen Rochen und Zackenbärschen mit unserem Diveglider, bis wir erfuhren, dass hier entgegen den Auskünften von Cayo Largo und unserem Hafenführer zwar ein Visum ausgestellt aber nicht verlängert werden konnte. Die Verlängerung konnte nur in den geheiligten Hallen des Immigrationsgebäudes im 200 km entfernten Pinar del Rio ausgestellt werden, obwohl die Beamten in Maria Gorda die selben wie in Pinar del Rio sind und nur schichtweise rotieren. Da uns 90 Dollar für die Tagesmiete eines Mietautos leicht übertrieben schienen blieb uns nur über, schleunigst nach Porto Esperanza auf der Nordseite Kubas zu segeln, von wo es nur 50 km nach Pinar del Rio sind. Mit ein paar Rum und einer flotten Runde Kneeboarding mit dem schnellen Dingi unserer französischen Freunde, die in Maria La Gorda mit ihrer Ketch neben uns ankerten, verabschiedeten wir uns nach nur zwei Tagen um rechtzeitig das Visum verlängern zu können. Das für seine gewaltigen Wellen berüchtigte Cabo San Antonio an der Westspitze Kubas empfing uns mit ungewöhnlich hohem Schwell aber glücklicherweise Flaute und so waren wir nach etwas über einem Tag und einer ziemlich schaukeligen Nachtfahrt (der Wind hatte bald auf 30 kn zugenommen und blies uns genau ins Gesicht!) am 200 Meilen entfernten Puerto Esperanza gelandet.

Puerto Esperanza:
Viel hatten wir schon von dem verträumten Fischerdorf, an dem schon so viele Segler hängen geblieben waren und sich teilweise sogar niedergelassen hatten, gelesen. Auch wir waren von dem Anblick der traumhaft schönen und bizarr geformten Berge - genannt Mogotes - im Hintergrund der sanften Hügellandschaft beeindruckt. Unser erstes Ziel war allerdings am Morgen des nächsten Tages schon nach Pinar del Rio zu fahren, um das Visum verlängern zu lassen. Das Guagua (Bus) auf das wir schon um 5 Uhr Früh warteten, kam leider nicht und so blieb uns nur der Drahtesel. Vorbei ging es an rotbraunen Tabakfeldern, die von Zigarre rauchenden Kubanern mit Strohhüten mit von Ochsen gezogenen Pflügen bearbeitet wurden. Ab und zu überholten wir ein Pferdegespann oder wurden von einem 50er Chevy überholt. Die mit Strohdächern gedeckten Häuser und die eindrucksvolle Bergszenerie mit den steilen vom Wasser ausgehöhlten Karstfelsen glichen eher einem Gemälde als der Realität und versetzten uns in eine andere Welt. Die Bilder, die wir kaum verarbeiten konnten zogen an uns vorbei und im Nu waren wir in der Provinzhauptstadt, wo wir der Verzweiflung nahe feststellen mussten, dass Freitags scheinbar kein Parteienverkehr ist.


Lustiger Weise fanden wir nach verzweifelten Rufen jenen Immigrationsoffizier in dem Gebäude, der uns in Maria La Gorda das Visum nicht ausstellen konnte und uns empfohlen hatte eben am Freitag nach Pinar del Rio zu kommen. Gott sei Dank erbarmte er sich unser und nach zweistündiger Wartezeit - denn gut Ding braucht bekanntlich Weile - hatten wir endlich den tollen roten Stempel auf unserem Visum, für den wir 50 Dollar zahlen durften.


Beim Immigrationsbüro lernten wir ein deutsches Pärchen kennen, die Kuba mit dem Fahrrad durchquerten und machten gemeinsam sämtliche Pizza con Queso- und Eisbuden in Pinar unsicher. Neu entdeckten wir die ausgezeichneten mit Karamell überzogenen Erdnussriegel für 2 Peso (1 Schilling) die wir umgehend auf die Bunkerliste für unsere Atlantiküberquerung setzten. Leider machten wir den Fehler viel zu viel Kraut und anderes Gemüse zu kaufen - denn der 20 Kilo Rucksack machte sich nicht gut auf dem hügeligen 50km Rückweg. Glücklicherweise erbarmte sich ein LKW mit offener Ladefläche (vornehmlich als lokales Personentransportmittel eingesetzt) und nahm uns mitsamt den Rädern und Gemüseladung die halbe Strecke mit. Während einer Pause in Vinales wurden wir befragt woher und wohin und zirka 20 Personen hörten sich aufgeregt unsere Geschichte an, wollten viel über Österreich wissen und erzählten uns auch Einiges über Kuba. Spätestens hier war uns klar, dass wir länger als die geplanten paar Tage bleiben werden. Vinales, etwa 20 Kilometer von Puerto Esperanza entfernt ist auch ein bekanntes Klettergebiet. Allerdings fanden wir im Internet nur Routenbeschreibungen mit amerikanischer Bewertung, die uns nichts sagte. Rein optisch sahen die Routen in den stark überhängenden, von Stalaktiten durchzogenen Felswänden für uns viel zu schwer aus und so waren wir eher pessimistisch. Nach einer ruhigen Nacht wollten wir den 1.Mai (in Kuba ist der Tag der Arbeit ein wichtiger Feiertag) in Vinales mit Eis und Pizza con Queso verbringen und die Kletterrouten erkunden. Zwar fanden wir nicht die passenden Kletterrouten dafür aber eine urige Bar die mitten in eine Tropfsteinhöhle gebaut wurde und hervorragenden Mochito servierte. Zurück führte uns ein LKW und tatsächlich,wie der Zufall so will, trafen wir am LKW die kubanischen Kletterer Jessie und Yandi aus Puerto Esperanza, die uns für den übernächsten Tag zum Klettern einluden. Dankbar nahmen wir an und verabredeten uns für 5 Uhr morgens an der "Bushaltestelle". Als wir um 11 Uhr immer noch warteten, beschlossen wir doch das Fahrrad wieder auszupacken und nachdem auch noch der Reifen von Jessis geborgtem Rad geflickt war, ging es auf nach La Costanera, einer aus dem Nichts wachsenden über 400 Meter hohen bizarren Felsnadel, die völlig mit Tropfsteinen überwachsen war. Dort fanden wir traumhafte Routen zwischen 6a und 6c mitten in einer überhängenden Tropfsteinwand mit riesengroßen schönen Henkeln. Die Route Mucho Pompito führte gar durch eine Tropfsteinhöhle.