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Yandi zeigte uns eine ganz neue Klettertechnik - das Stalaktitenreiten, wo man mit den Beinen einen Stalaktiten umklammert um Rasten oder eine Sicherung einhängen zu können. Die Routen waren alle perfekt abgesichert, kaum begangen und sind für uns sicher das tollste Klettergebiet, das wir je gesehen haben. Einen noch besseren Klettergarten erkundeten wir in Vinales zwei Tage später mit Jessi und Yandi und diesmal wirklich mit dem Guagua, das nur 3 Stunden Verspätung hatte. Dort tüftelten wir an der Traumroute Puros Kubanos herum, die ihren Namen von den vier Meter hohen Tropfsteinen hat, die an die Form kubanischer Zigarren erinnern. Die kubanischen Kletterer sind sehr stolz und ließen sich nicht einmal auf ein Eis oder das Geld für den Bus einladen. Dafür freuten sie sich sehr über ein paar Sicherungen. Alle Ausrüstung der Kubaner sind Geschenke von ausländischen Kletterern aber die fallen natürlich auch nicht vom Himmel, wie man an den löchrigen Kletterschuhen der Beiden erkennen konnte. Abends wurden wir meist von Yandis Eltern oder Sandra und ihrer Mutter Dora, Besitzerin eines bekannten Paladars zum Essen eingeladen. Sandra lernten wir gleich an unserem ersten Tag am Landesteg kennen, als sie ziemlich aggressiv versuchte uns in den Paladar ihrer Mutter zu drängen. Doch bald waren unsere Vermögensverhältnisse klargestellt und wir wurden dicke (im wahrsten Sinne des Wortes liegt Sandras Familiengewichtsdurchscnitt doch bei weit über 100 kg!!) Freunde. Wir konnten mit Medikamenten, Schuhen, Fahrradschläuchen und Gewand große Freude bereiten und fanden es in Folge sehr schwer auch einmal einen gemütlichen Abend am Boot zu verbringen so sehr wurden wir in die Familien unserer Freunde integriert.
So bekamen wir einen Einblick in das Leben der Kubaner abseits der Touristentrampelpfade und zehn Tage vergingen wie im Fluge. Fast jeden zweiten Tag entdeckten wir neue Routen in genau unserem Schwierigkeitsgrad gemeinsam mit Jessie und Yandi und waren heilfroh ein bisschen sporteln zu können. Bevor wir uns in Havana auf die große Überfahrt vorbereiteten wollten wir noch ein wenig Tauchen und trennten uns schweren Herzens von unserem heißgeliebten Puerto Esperanza. Die 20 Meilen nach Cayo Levisa, angeblich ebenfalls ein Top Tauchgebiet, das allerdings nur für Touristen zugänglich ist, waren schnell aufgekreuzt und so sind wir auf der Hotelinsel gelandet, nachdem wir die teilweise nur 2 Meter tiefe schlammige Einfahrt endlich bei bis zu 30kn Gegenwind unter Motor (mit heißen 1kn Speed) passiert hatten. Schwer enttäuscht waren wir als ich wegen des aufgewirbelten Schlammes nicht mal den Anker in 5 Meter Wassertiefe fand. Da wir mit dem Boot nicht von unserem Ankerplatz weg durften, wollten wir schon am nächsten Tag weiter nach Cayo Paraiso, einer angeblich netten Insel ohne Guardia Frontera Wachposten. Unser Zollbeamte verbot uns das aber am nächsten Morgen bei der Bootsdurchsuchung aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen und so liefen wir überglücklich wieder in Puerto Esperanza ein - allerdings erst als wir vor Cayo Levisa im Schlamm festgesessen sind und uns Gott sei Dank mit einem Anker wieder rausziehen konnten. Noch am selben Tag kletterten wir in La Costanera und nicht einmal ein Riesengewitter, bei dem wir bei der Heimfahrt gründlich gebadet wurden konnte uns die gute Laune verderben. Endlich hatte ich Gelegenheit Puros Kubanos, ein 6b+ Rotpunkt zu klettern und noch viele andere schöne Kletterrouten kennen zu lernen.
In Puerto Esperanza schafften wir es auch tatsächlich ein paar Mal von unserem Pizzastrizi, der nur alle heiligen Zeiten seinen Herd anwirft eine Pizza zu ergattern und konnten von dem leckeren Bananenfrappe mit Eis um einen heißen Peso nicht genug bekommen. Insgesamt waren wir schon fast drei Wochen hier und wollten nur widerwillig weiter. Zum Abschluss bekamen wir wieder einmal Murphys Law demonstriert. Der Anker, den ich wegen des Schlamms nicht gut eintauchen konnte rutschte im Seegras und wir mussten schleunigst das Boot verholen. Beim Anker auf hat sich scheinbar ein am Anker verfangenes Fischertau gelöst und ist in die Schraube gekommen. Manövrierunfähig konnten wir in letzter Sekunde gerade nochmals Ankern und die Schraube vom Seil befreien, um dann am passenden Platz zu ankern. Nicht auszudenken, wenn wir in diesem Moment nicht an Bord gewesen wären. Die Lady vom Zoll bereitete uns mit einer ordentlichen Abschiedsbootsdurchsuchung einen nicht gerade würdigen Abschied und dann ging es in einer anstrengenden 100 Meilen Nachtfahrt gegen 30 kn Wind und steile kurze Wellen zu unserem letzten Ziel: Havana.
Havana - die wohl hässlichste Stadt unserer Reise:
Bis auf das sich unser Windgeber bei einer Böe verabschiedet hatte, liefen wir gesund und munter am Morgen in die Marina Hemingway ein. Das Boot wurde sehr gewissenhaft mit Drogenhund & Co. durchsucht und wir bekamen Besuch von bestimmt 8 unterschiedlichen Personen unterschiedlicher Behörden. Bei unserer internationalen Ankunft in Cienfuegos wurde nicht so viel Theater gemacht. In der Marina selbst wurden wir von einem sehr freundlichen Dockmaster empfangen (kann man sich bei den Marinapreisen auch erwarten) und vor das Boot des jungen Australiers David geparkt. Mit David, einem 32 jährigen schlossen wir schnell Freundschaft - schließlich trifft man nicht alle Tage junge Leute auf See. Sein Boot, eine 47 Fuß Ketsch war vom Feinsten und natürlich neben Klimaanlage mit Kühlschrank ausgestattet, was das Biertrinken zu einem richtigen Vergnügen machte. Sein Vermögen hatte David in wenigen Jahren durch den Kauf, die Renovation und Verkauf eines Hauses und einiger Boote gemacht.
Die Marina selbst ist eine künstliche Dollarwelt, gut abgeschottet von der Außenwelt mit Massagesalon und Schönheitssalon natürlich alles nicht inklusive. So packten wir schnell unsere Räder aus und wollten uns einen ersten Eindruck von Havana Veijo, dem Altstadtviertel holen. Erst mussten wir etwa 20 Kilometer gegen Lärm, Gestank und Wind durch die ziemlich verwahrlosten Vorstadtviertel fahren. Entlang der berühmten, endlosen Uferpromenade Malecon säumte ein verfallenes Haus nach dem anderen die Strasse. Hier in Havana wurden wir erstmals in Kuba auch von Bettlern genervt, Straßenverkäufern geärgert und überhaupt waren die Leute oft unfreundlich - wie es vermutlich in jeder Großstadt üblich ist. Die Altstadt, etwa so groß wie der Wiener Erste Bezirk war freilich schön und hatte prächtige Bauwerke vom Stil europäischer Hauptstädte zu bieten. Selbst hier in dieser Touristenmonopole fanden wir unsere heiß geliebte Pizza Con Queso und einen leckeren Zuckerrohrsaft mit Eis. Ja und das Eis selbst wurde an fast jeder Straßenecke für einen Peso verkauft. Dankbar waren wir über den gratis Schuttlebus, der von der Marina in die Altstadt fuhr, den wir aber erst am letzten Tag vor unserer Reise entdeckten. Ein glücklicher Zufall bescherte uns eine Show perfekt restaurierter Oldtimer, da diese als Requisiten für einen Film der in den Strassen Havanas gedreht wurde verwendet wurden.
Abends war uns auch nie langweilig, so gab es doch mit den anderen Seglern soviel zu plaudern. Fast alle Boote, die wir in Kuba getroffen hatten, sammelten sich hier am Ende der Hurrikansaison um auf den Absprung nach Europa oder Kanada zu warten. Amerikaner sahen wir keinen einzigen nachdem Bush jetzt den Amerikanern den Zutritt nach Kuba völlig verboten hatte und weitere Sanktionen gegen Kuba verhängt hatte. Dies führte zu gewaltigen Protestmärschen in Havana und alles nur um die Wählerstimmen der in Florida lebenden Ex-Kubaner zu gewinnen!
Während ich am Mast hing, den Windgeber montierte und das Rigg überprüfte schloss Conny mit einem freundlichen Zollbeamten Freundschaft, der sich sehr über Zahnpasta und Seife freute. Mit ein Grund warum wir uns die Marina leisteten war den Wechselrichter vom Flughafen abholen zu können, der - wen wundert es - ähnlich wie der Autopilot von vor einem Jahr in Madrid verschollen ist und im letzten Moment von meinen unglaublich bemühten Eltern ein neuer geschickt werden konnte. Tatsächlich kam dieser auch am Tag unserer Abreise an und wir machten uns mit den Rädern schon um 7 Uhr auf den Weg zum 20 Kilometer entfernten Flughafen. Doch so einfach geht es nun auch wieder nicht. Es reichte nicht den Cargo - Flughafen zu finden, was schon schwierig genug war - nein, wir mussten insgesamt 15 unterschiedliche Räume in unterschiedlichen Behörden durchwandern, die alle Dollars wollten und fleißig irgendwelche Formulare ausfüllten. Es kostete uns viel Überzeugungsarbeit den Zoll zu überzeugen, dass es sich beim Wechselrichter um einen Gegenstand des persönlichen Gebrauchs handelte und nicht von uns 30 Dollar zusätzlich Zoll einzufordern. So kamen wir mit 20 Dollar davon, die an allen möglichen Büros für irgendwas bezahlt werden mussten. Mich als ehemaligen Unternehmensberater hat der Ablauf schon fasziniert und daher möchte ich einen kleinen Ausschnitt (alles könnte gefährliche Aggressionen hervorrufen) wiedergeben. So kassierte der Zoll 10 Dollar Servicegebühr. Der Kassabeleg dafür wurde in einem anderen Büro ausgestellt. Mit dem Kassabeleg musste eine Rechnung beantragt werden (natürlich in einem anderen Gebäude) für die wieder eine Gebühr von 4 Dollar wieder in einem anderen Gebäude zu bezahlen war. Nachdem wir den insgesamt 4-stündigen Ablauf erledigt hatten, schwor ich mir nach meiner Rückkehr meinen alten Beruf wieder aufzunehmen und sämtliche Firmen von ähnlichem Papierkrieg zu befreien um so das Leben für alle Menschen lebenswerter zu gestalten - ein heroisches Ziel, nicht?
Bevor wir ablegten, mussten wir noch die Marina Rechnung bezahlen. Anstelle von 4 Tagen wollten die Gauner uns 5 Tage berechnen mit der Ausrede ihr Computer würde systembedingt Mittags umstellen. Das dies nicht so sein kann und wir deshalb nicht 16 Dollar extra zahlen kostete 2 weitere Stunden entnervendes verhandeln. Die Rechnung war mit 86 Dollar immer noch hoch genug und völlig übertrieben - bedenkt man, dass ein kubanischer Monatslohn etwa 8 Dollar beträgt. Um uns den Abschied von Kuba leichter zu machen wurde unser Boot 4 Stunden lang von Drogenhund, Zoll und Hafenkapitän durchsucht. Hier hatte sich Connys kleines Gastgeschenk an den Zollbeamten ausgezahlt, denn sonst hätte der meine Zigarrenschachtel beschlagnahmt, weil die Rechnung dafür fehlte. Gerne wären wir wie die anderen Segler noch länger geblieben um auf weniger Wind aus einer günstigeren Richtung zu warten. Die 30 Knoten gegen an mit der spitzen Golfstromwelle waren uns aber immer noch lieber als länger in der Marina zu bleiben. Außerdem mussten wir weiter zu den Azoren, schließlich wurden wir in etwas über einem Monat am 3000 sm entfernten Flores von unserem Mitsegler Thomas erwartet.
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