BLUE NOTE

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(21.06.2004 aktualisiert)
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(26.10.2004 aktualisiert)
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© Christian Widermann 2003, 2004
Seiten: 1 2
Die kleinen nördlichen Antillen:
Ein paar geruhsame Tage in Martinique:

Nach unserer Überfahrt hatten wir noch ein paar schöne Tage in Martinique. Mit Johanns Dingi verbrachten wir einen Nachmittag mit Wasserskifahren auf dem Traumstrand St. Anne und betauchten das Riff an der Hafeneinfahrt, wo wir besonders schöne trompetenförmige Schwämme und gut erhaltene Korallen sahen. Abends feierten wir unsere Ankunft offiziell mit einem Pina Colada aus der Strandbar und mit mehreren Di-Punch aus der Bordbar, die mit einem Sack geschenkten Eiswürfeln aus der Strandbar subventioniert wurde. In Le Marin navigierte ich erstmals mit Laptop und Max Sea, was sich als durchaus hilfreich, genau und einfach erwies. Dass manche Leute vermutlich trotz High Tech nicht in der Lage sind die mit Bojen perfekt markierte Riffeinfahrt zu finden, bewiesen die zwei Yachten, die während der zwei Tage praktisch neben unserem Ankerplatz auf dem Riff landeten und nur Dank des spiegelglatten Wassers und Polizeieinsatzes wieder runtergezogen werden konnten.


Aber auch die Arbeit kam nicht zu kurz. Die Propellerwellenlagerung wurde erneuert und viele andere Kleinigkeiten aus dem Fundus der unzähligen Bootszubehörgeschäfte verschönerten oder verbesserten die Blue Note. Abends waren wir meist völlig platt wie viel wir ausgegeben haben, obwohl wir eh nur das Notwendigste besorgt hatten. Nun aber wollten wir endlich die Karibik kennen lernen und beschlossen die Virgins anzulaufen, nachdem wir erfahren hatten, dass die Einreise zu der US Insel Puerto Rico, unserem eigentlichen Ziel, nur mittels bereits in Österreich besorgtem Visa erlaubt ist. Der Abschied von der Mambo, mit der wir jetzt schon zwei Monate fast alle Sorgen und Leiden geteilt haben fiel uns sehr schwer. Fast war Johann schon so besorgt wie mein Vater, weil wir zwei Tage länger für die Überfahrt gebraucht haben. Eine Chance gibt es doch noch die Mambo zu treffen - allerdings mit Flugzeug und in französisch Polynesien.
Die 340 Meilen Halbwind waren alles andere als eine Kaffeefahrt und für uns wesentlich anstrengender als die Atlantiküberquerung. Aufgrund der instabilen Wetterlage wechselte der Wind von 1 bis 8 Beaufort und somit waren wir ständig am Verkleinern und Vergrößern bzw. kompletten Entfernen der Segel. Nachts hatten wir laufend Gewitter, die einem mit ihren unberechenbaren Böen und dem unendlichen Schwarz schon das Fürchten lehren konnten. Schließlich war aber doch - nach 48 Stunden - das diesmal wirklich ersehnte Land in Form einer den Kornaten anmutenden Inselkette um Tortola in Sicht und wir durchquerten den völlig wellenlosen Sir Franzis Drake Channel mit voller Besegelung. Sind wir hier am Neusiedlersee gelandet? Laufend kreuzten irgendwelche Charteryachten unseren Kurs nachdem wir, abgesehen von den Kreuzfahrtschiffen in der Nacht, zwei Tage kein einziges Boot gesehen hatten. Nicht umsonst sind die Virgins als das Mittelmeer der Amerikaner oder als Badewanne der Amis bekannt.

Die Virgins - trotz Massentourismus gibt es noch schöne Plätze:

Erstmals fiel unser Anker in Road Town, dem Hauptort auf Tortola zum Einklarieren, das zwar 15 Dollar kostete aber abgesehen davon relativ unproblematisch ablief. Erstaunt stellten wir fest, dass auf den Virgins kein Handy Signal zu bekommen ist, da man hier irgend ein anderes als ein GSM System hat. Um unsere Eltern zu benachrichtigen verbrachten wir den restlichen Tag damit, wieder einmal ein Internetcafe zu suchen, das hier mit 12 bis 24 Dollar doppelt so teuer als das schon sehr teure in Martinique war. Heiko, der deutsche Eigentümer der Ex Scandal, der ehemals zweiten österreichischen JOD 35 war letztes Jahr auch damit von Lignano hierher gesegelt und ist angeblich in einer der vielen Marinas auf der Insel. Leider habe ich seine Handynummer verschlampt und so schien es aussichtslos ihn hier zu treffen. Wie der Zufall manchmal so will: Als wir vor das Internetcafe gingen entdeckte ich in der angrenzenden Marina einen Bananenmast ähnlich dem meinen mit Julia, der Freundin Heikos an Board. So kam es, dass wir zum Round Tortola Race auf der Wild at Heart, wie Julia und Heiko ihr Boot nun genannt haben, für den nächsten Tag eingeladen wurden -. welch ein Auftakt und herrlicher Zufall.


Zwei österreichische Regattaboote, die laufend miteinander in der Adria Regatten gesegelt sind, treffen sich wieder am anderen Ende der Welt, nur weil in Puerto Rico ein Visum erforderlich war. Leider trennten sich unsere Wege wieder, da Heiko das Unterwasserschiff erneuern musste. Ein Treffen nach einer Woche konnten wir nur vage vereinbaren. Wirklich wie man in den Segelabenteuerbüchern liest: Die Beziehungen zu anderen Seglern sind spontan, intensiv und herzlich aber umso schneller wieder vorbei. Getröstet wurden wir mit einem schönen Wracktauchgang zwischen Salt- und Cooper Island, wo man als Tauchattraktion mehrere alte Fischer und Lotsenboote versenkt hatte. Der Ankerplatz auf Cooper Island war übersät von Mooring-Tonnen, die 25 Dollar pro Nacht kosteten und das Ankern zu einer Wissenschaft machte, um den wild an den Bojen schwojenden Chartergurken nicht in die Quere zu kommen. Überhaupt sind die Virgins unglaublich teuer - beispielsweise kostet ein Tag in der Marina 45 Euro - Wasser, Strom und Dusche noch nicht inbegriffen. Lebensmittel sind im Diskonthandel mindestens doppelt so teuer als bei uns in Europa. Abends besuchte uns plötzlich ein Schlauchboot und siehe da Craig, ebenfalls Crew auf der Wild at Heart beim Round Tortola Race lud uns auf ein Bierchen in seine Beneteau 37, die an der Nachbarboje hing ein. Craig ist Amerikaner und war neben mir und Heiko der einzig männliche der Crew, der sich nicht als Captain aufgespielt hatte.
Schließlich dehnte sich die Einladung zu mehreren leckeren Drinks und einem tollen Steak aus. Fast schon mit schlechtem Gewissen verabschiedeten wir uns und überlegten fieberhaft was wir als Gegenleistung dalassen konnten. Eine der Kokosnüsse, die ich am nächsten Tag unter Einsatz meines Lebens für Conny erntete, hätte es wohl nicht getan. In Salt Island entdeckten wir mit der Salt Island Bay tags darauf einen Ankerplatz, der nicht im Hafenführer beschrieben war und waren dort auch völlig einsam - allerdings nicht lange - motiviert durch uns schienen plötzlich auch die Charterskipper mutig geworden zu sein und fielen wie die Heuschrecken ein. Nachts - Gott sei Dank - bevorzugten sie scheinbar eine der Mooring-Tonnen in der Nachbarbucht und wir hatten unsere lang ersehnte einsame Ankerbucht. Die Kokosnüsse, die wir an Bord mit der Machete knackten, hinterließen eine Riesensauerei, da das Epoxy durch die säurehältigen Schalen, ähnlich wie durch Rotwein, stark angegriffen wurde.


Den Tag verbrachten wir mit zwei Traumtauchgängen an der Rhone, einem Postdampfer der 1867 bei einem Hurrikane vor Salt Island sank. Wir sahen eine Riesenlanguste, zwei mächtige Barrakudas, kapitale Zackenbarsche, Schildkröten und andere mächtige Raubfische - unter anderem auch Horden von Tauchern, die ebenfalls an einer der von der Naturparkbehörde ausgelegten Mooring-Tonnen festgemacht hatten.
Auf ging`s zum nächsten Tauchziel "The Indians", vier Felsnadeln die für ihren Reichtum an Großfischen bekannt sind. Und wirklich sahen wir einen großen Adlerrochen mit schöner Zeichnung und einen Barrakuda. Rechtzeitig konnten wir einem Wachboot des Naturschutzparkes gerade noch entkommen, die kontrollierten, ob eh alle Touris brav die 50 Euro Festmachegebühr bezahlt hatten, für die zu entrichten wir bisher leider keine Gelegenheit hatten. Die ehemals schöne Ankerbucht "The Bight" auf Peter Island war hoffnungslos mit Mooring-Tonnen zugepflastert und so verdrückten wir uns in eine andere Bucht südlich von Treasure Point, wo wir in einem leeren Bojenfeld ankerten. Der einzige Chartersegler, der hier her kam hängte sich auf die einzige Tonne die unserem Schwojradius am nächsten kam - vermutlich damit er sich nicht so alleine fühlt über Nacht. Dafür sichteten wir bei unserem Tauchgang um die Ecke sogar einen Hai und einen ein Meter großen Tarpon. Am Strand feierten wir gemeinsam mit den dort heimischen Sandflöhen wieder einmal mit einem guten Schluck Meyer Cabernet Sauvignon Cuvee Barique aus 1997 (meinem Lieblingswein, den wir uns bis hierher aufgehoben hatten) die gelungene Atlantiküberquerung. Nur mit Genua (weil wir das Tauchzeug nicht verstauen wollten) ging es um Tortola herum zur Nachbarinsel Jost van Dyke, wo wir unter Palmen die Zeit auf den Mini Palmeninseln Sandy Cay und Sandy Spit verbrachten und bei einem tollen Tauchgang am Durchbruch zur Nordküste zwischen den Inseln Green Cay und Little Jost van Dyke gleich 3 Adlerrochen, zwei Barrakudas und eine aufregende, weil erstmals steil abbrechende Unterwasserlandschaft genossen. Tags darauf verholten wir in die White Bay, die komplett von einem Riff umsäumt wurde. Dort legten wir einen Arbeitstag ein und reparierten das längst überfällige Großsegel, das am Achterliek schon fast durchgescheuert war und verbrauchten bis auf einen kleinen Streifen unser letztes Reparaturmaterial. Manchmal passieren schon seltsame Dinge: Als wir uns zur Cane Garden Bay auf der Nordwestseite Tortolas aufmachten und das frisch reparierte Groß hochzogen, zerfetzte das Segel am Top in der Nähe der Stelle, die wir schon einmal geflickt hatten. - also Maschine an und bei Sonnenuntergang in der Cane Garden Bay den Reparaturtag beendet und das letzte Segelreparaturmaterial verbraucht. Mitternachts wurde ich durch ein Rauschen ähnlich dem eines Wildflusses geweckt - was war das?? Über Nacht hat der sogenannte Ground-swell eingesetzt und bricht meterhoch über das Riff. Die Wellen waren so hoch, dass das Motorboot neben uns an der Mooring-Tonne fast kenterte. Unseren Schlafplatz verlegten wir auf den Kajütboden, wo man wenigstens irgendwie liegen blieb. Morgens wurden wir von Wellenreitern umzingelt, die anders als wir ihren Spaß hatten. Die Segler einschließlich uns verließen bei Sonnenaufgang fluchtartig die Bucht und wir beschlossen nun eben von Road Town aus auf den Mount Sage, der höchsten Erhebung von Tortola, unsere Bike Tour zu machen. Die Straßen erwiesen sich als unglaublich steil und waren kaum fahrend zu bezwingen. Dafür bot sich uns ein Blick auf die Insel abseits der Touristentrampelpfade, und unser Herz erfreute sich an der schönen grünen Urwaldlandschaft (Mahagoniwald und sonstige unbekannte Pflanzen) und der Reagee Musik, die aus fast jedem Auto oder Haus tönte. In Road Town versuchten wir noch Heiko aufzustöbern und klapperten alle Marinas in der Gegend vergebens ab. Also lichteten wir eben ohne Heiko den Anker zum Inseljuwel Marina Cay an der Nordspitze Tortolas. Kaum hatten wir die Genua ausgerollt, sahen wir die Wild at Heart in der Bucht vor Road Town unweit unseres Ankerplatzes liegen. Also Segel weg und Anker fällt wieder in Road Town neben der Wild at Heart, die allerdings unbewohnt zu sein schien. Nach einer Runde Monopoly kam auch Heiko mit seinem Mini Dingi angerudert und wir feierten das Wiedersehen gleich mit ein paar Di-Punch mit unserem letzten Santo Antao Rum und wie könnte es anders sein - Popcorn. Der gemeinsame Trip nach Anegada wurde fixiert nur der Treffpunkt war etwas ungewiss - entweder zur Full-Moon Party in Marina Cay oder sonst weiter nördlich im Gorda Sound. Ein gemeinsames Abendessen im Haus eines Freundes der Beiden bescherte uns mit Kochbananen, Yam Knollen und Süßkartoffeln zusammen mit australischen Chiraz eine breite Palette der heimischen Küche. Bei regnerischem Wetter ging`s weiter zu den Dog Island, die nette Tauchplätze bieten sollen. Als ich Conny den nicht gerade kleinen schlafenden Hai zwischen einem Korallenstock, über den wir gerade hinwegtauchten, zeigte, durchzuckte es sie als ob sie in eine Steckdose gegriffen hätte und wechselte blitzartig die Seite. Den Tag ließen wir an der netten Insel Marina Cay ausklingen, die - wie nicht anders zu erwarten - völlig mit Mooring-Tonnen und Charterbooten zugepflastert war. In der gegenüberliegenden Ankerbucht Trellisbay fanden wir tatsächlich einen gemütlichen Ankerplatz und genehmigten uns zur Feier des Tages einen Drink im berühmten Restaurant The Last Ressort mitten auf einer kleinen Insel in der Bucht. Tags darauf zogen wir weiter zur nächsten Insel Virgin Gorda in der Hoffnung dort Heiko zu treffen. Und kaum hatte ich die Riffeinfahrt in den Gorda Sound ausgemacht, sahen wir auch schon ein sehr sportliches Boot, dass uns sehr bekannt vorkam....
Nach einem netten Abend mit Spagetti und eisgekühltem Rumpunsch, lichtete die Blue Note zusammen mit der Wild at Heart die Anker Richtung Anegada, einer völlig flachen mit Riffen umgebenen Insel im Norden der BVI´s. Der Vergleichsschlag zwischen den beiden ehemaligen Konkurrenten war eher Gaudi und wir gewannen schließlich den Angelwettbewerb mit einem fast ein Meter langem Barrakuda. Die Blue Note hielt sich gar nicht so schlecht trotz ihrer gut 20 cm tieferen Wasserlinie und dem natürlichwieder einmal gerissenen Groß.


Gott sei Dank weist Anegada eine relativ enge und seichte Riffdurchfahrt auf, die die Charterboote fernhält und die Ursprünglichkeit der Insel bewahrt. Der Abend mit Barrakudafilets, Rotwein und einer spannenden Monopoly Runde mit etlichen Rumpunsch´s ließ nichts mehr zu wünschen übrig.


Als Heiko und ich in die Strandbar Eisholen fuhren und einem einheimischen Fischer, der gerade Lobster zubereitete, von unserem Festmahl erzählten, stieg die Spannung noch um Einiges, da angeblich Barrakudas über einen halben Meter Länge möglicherweise das Gift Ciguatera in sich tragen. An Komik nicht zu übertreffen war der betrunkene Seevogel, der auf unserer Reling auf und ab torkelte und schließlich doch runterfiel weil er das Gleichgewicht nicht halten konnte.
Gesund und munter ernteten wir am nächsten Morgen noch Kokosnüsse am schönen Strand und feierten nach Rauschefahrt Abschied mit Heiko und Julia, da wir weiter nach St. Martin wollten. Für das Ausklarieren hatte ich mir eine besonders schwierige Variante überlegt. In der Hoffnung, dass die Straßen hier nicht so steil sind wie in Tortola, wollte ich mit dem Bike vom Gorda Sound über den 500 Meter hohen Gipfel von Virgin Gorda nach Spanisch Town um dort auszuklarieren und dann wieder retour über den Berg um etwas Höhe für den Kreuzschlag nach St. Martin zu gewinnen. Die Strassen erwiesen sich leider als noch steiler und vor Spanisch Town sammelte ich in einem ständigen auf und ab noch extra Höhenmeter. Aufbauend waren die vorbeifahrenden Autos die meist applaudierten und anerkennend winkten. Ich fragte mich, ob die mich nur verarschen wollten, da es sicher nicht viel Deppen gibt die bei der Affenhitze schwitzend mit einem Rad zu sehen sind.
Nach einer tollen Portion Spagetti war ich wieder regeneriert und bei Sonnenuntergang verschwand Virgin Gorda schon im Heckwasser.