BLUE NOTE

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(21.06.2004 aktualisiert)
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© Christian Widermann 2003, 2004
Seiten: 1 2
St. Martin: Willkommen in Frankreich

Bis zu 30 Knoten Wind und ordentliche Wellen gegen an waren doppelt gerefft eine feuchte und anstrengende Angelegenheit. Dafür sahen wir im Morgengrauen schon St. Martin und erreichten den Hauptort Marigot nach 15 Stunden und 95 Seemeilen Anlieger und zum Schluss sogar Kreuzkurs. Erstmals seit 2 Wochen sahen wir wieder Fahrtensegler und fühlten uns gleich so richtig wohl.


Das Einklarieren verlief französisch locker und freundlich. Wegen unserer leeren Campinggasflasche mussten wir allerdings erfolglos resignieren, nachdem wir einen halben Tag von einem Laden zum nächsten durch die ganze Stadt gejagt wurden. Trost fand Conny bei den zahllosen Tax Free Ramschläden, die hier vermutlich wegen der Kreuzfahrttouristen wie die Schwammerl aus dem Boden schießen. Während Conny zum Shopping ging, packte ich mein Bike aus und strampelte die gewohnt unglaublich steilen Strassen auf den 500 Meter hohen Pic Paradies. Die restlichen Tage hier wollten wir von Traumbucht zu Traumbucht segeln und die reichlich vorhandenen Tauchplätze abklappern. Auf der Insel Tintamare wurden zwei Anegada Kokosnüsse geknackt und leckerer Kokosnusssirup gekocht und auf der Ilet Pinel hatten wir neben einem Traumankerplatz erstmals wieder die Gelegenheit das Surfbord auszupacken. An der holländischen Seite von St. Martin entdeckten wir Traumtauchplätze vornehmlich bei als künstliche Riffs versenkten Wracks mit glasklarem Wasser, Schwärmen von Barrakudas und anderen großen Raubfischen wie Thunfisch und Zackenbarschen. Der erste Oktopus, den ich am Atlantik hier fand, entkam nur knapp dem Suppentopf. Auch die Riesenlanguste war schneller als ich und somit speisten wir eben fischlos in der schönen aber leider schon ziemlich bebauten Ankerbucht Baje Longue.

Saba: The unspoiled Queen - nicht nur ein Slogan

Eigentlich wollten wir erst nach St. Barts aber der Wind verharrte hartnäckig auf SO und so lag der Anlieger nach Saba auf der Hand. Die Beschreibung im Hafenführer las sich vielversprechend: Steile Vulkaninsel ohne geschützte Buchten oder die für die Karibik typischen Sandstrände mit Palmen, die aufgrund ihrer einzigartigen Unterwasserlandschaft als Tauchparadies gilt. Der Vermerk in der Seekarte, dass bei Grundseen keine geschützten Ankermöglichkeiten auf der Insel vorhanden sind, stimmte uns zuversichtlich die gesuchte Einsamkeit zu finden und nicht ständig von Charterbooten umringt zu sein. Und so war es auch....
Das ganze Seegebiet rund um die Insel wurde zum Nationalpark erklärt und es ist von Tauchen bis über Ankern so ziemlich alles verboten. An der Westseite der Insel wurden allerdings vier Mooring-Tonnen ausgelegt an die sich Yachten gegen eine geringe Gebühr von 3 Dollar die Woche hängen durften. Die freundliche Dame vom Saba Marine Park erklärte uns,dass das Tauchen nur mit den Saba Tauchschulen erlaubt ist, meinte aber wir können uns ja dumm stellen wenn wir alleine erwischt werden. So planten wir unsere Tauchgänge immer in der Früh und am Abend ein, wenn keine Tauchbote an den Spots waren und wir damit rechnen konnten, dass die Aufseher noch keinen Dienst hatten. Und was wir sahen war wirklich einzigartig. So unser Lieblingsplatz Shark Shoal:
beispielsweise: aus glasklarem, dunkelblauem Wasser ragt aus über 100 Meter Tiefe eine mit Korallen bewachsene Felsnadel aus Vulkangestein bis 20 Meter unter die Wasseroberfläche. Der Felsen ist rund 20 Meter im Durchmesser und fällt senkrecht oder überhängend in scheinbar unerreichbare Tiefe. Wie der Name schon sagt, patroullieren dort die unterschiedlichsten Haie zusammen mit anderen großen Raubfischen wie Thuns oder Zacki´s um den Felsen und garantieren zusammen mit den farbenprächtigen, überhängenden Korallenfelsen einen unvergesslichen Tauchgang. Alle Plätze, die wir in Saba betauchten waren ähnlich einzigartig und wir begegneten außer Riesenzackenbarschen, spielenden Ammenhaikindern und Schildkröten Gott sei Dank keinem Parkwächter der uns Hopps nahm und unser Boot beschlagnahmte.


Wie unter Wasser so ist Saba auch über Wasser wunderschön und in der Karibik einzigartig. Die Insel wird von Weißen, vornehmlich von Holländern bevölkert, die in Einklang aber doch nicht vermischt mit den Schwarzen leben. Alle Häuser haben einen eigenen Holzbaustil und sind mit ihren grünen Fensterläden und den roten Dächern in die unglaublich steile Berglandschaft wie Adlerhorste eingebettet. Kriminalität oder unfreundliche Menschen gibt es angeblich auf dieser Insel nicht. Da es bis vor wenigen Jahren auch keinen Hafen gab, wurde die Fracht teil im Surf an der Wells Bay an Land gebracht. Auch wir versuchten unser Glück mit dem Dingi und den Fahrrädern und hatten bei dem Schwell unsere liebe Not das Dingi mit seiner Fracht vor dem "Dingitod" an den Felsen am Strand zu bewahren. Schließlich hatten wir das Dingi sicher an Land gezerrt und strampelten mit den Fahrrädern, die diesmal aber wirklich unglaublich steile Strasse in den Ort The Bottom. Von dort ging`s weiter auf den 500 Meter hoch gelegenen Hauptort Windwardside, von wo wir zu Fuß über einen schönen Pfad durch den Dschungel, den wie immer in Nebel verhüllten und etwa 1000 Meter hohen Gipfel Mount Scenery erreichten. Durch Nebel und die schon mit Moos bewachsenen Baumleichen, die der letzte Hurrikane verursacht hatte, gings wieder zu den Bikes und wir konnten nicht widerstehen ein paar Zitonen zu ernten, die am Weg hingen. Zurück wollten wir von Upper Hells Gate über den Pfad Sandy Cruz Trail, der laut Nationalparktante sogar mit dem Bike befahrbar sein sollte. Erst schleppten wir das Rad aber ewig lang über Stock und Stein mitten durch den Dschungel.


An Biken war leider auch die restliche Strecke bergab nicht zu denken. So kam auch Conny zu einer heldenhaften, zweistündigen radeltrage Erfahrung - ob sie noch eine Radeltour mit mir macht?
Als Belohnung ernteten wir dafür einen Rucksack voll Bananen und irgendwelche uns unbekannten etwas bitteren Citrusfrüchte, die hier mitten im Urwald in einer aufgelassenen Plantage wild wuchsen.
Zum Boot zurück war es dann noch schwieriger, da die Wellen größer wurden und mit Getose an den Felsen am Strand brachen. Natürlich musste auch genau jetzt der Tomosmotor absaufen und weil zwei Stunden Rad tragen scheinbar noch nicht reichten, beendeten wir den Triathlon schwimmend, das Dingi mit unseren Rädern hinterherziehend. Mit schwerem Herzen lichteten wir den Anker - äh die Mooring-Tonne - und machten uns auf zu der französischen Insel St. Barts, da unser Campinggazvorrat zur Neige ging und wir uns auch wiedereinmal zu Hause melden wollten.

Kurzbesuch bei der High Society in St. Barts:

Regen, Sturmböen und Flaute begleitete uns den Kreuzschlag nach Gustavia und nach einem Tag Campingazflaschen-Suche und vergeblicher Suche nach dem Hafenmeister zum Einklarieren fielen wir fast so schnell wie die blutrote Sonne ins Meer todmüde ins Bett. Gleich am Morgen ging es weiter nach St Eustatia, da wir uns neben den Superyachten und den Chopard-, Gucci- und Channelboutiquen mit unserer Blue Note und den salzverkrusteten Hosen etwas deplaziert vorkamen.

St. Eustatia - und was kann man noch alles verbieten?:

Bei der Überfahrt regnete es wiedereinmal und wir verloren langsam den guten Glauben an den immerwährenden Nordostpassat, da wir wie seit einigen Tagen den Südost auf die Nase hatten. In Statia ist das Einklarieren auch nicht gratis: 10 US - Dollar knöpfte uns die dicke schwarze Mammi im Hafenamt ab. Tauchen ist natürlich auch nur mit einheimischen Tauchschulen erlaubt und daher für uns unerschwinglich teuer. Als Strafe wurde die Beschlagnahmung des Bootes angedroht also verzichteten wir auf das Tauchen und die ganze Tauch- und Nationalparkmafia. An Land kann es ja auch ganz interessant sein. Da reizte uns beispielsweise der Quill, ein 600 Meter hoher schlafender Vulkan, in dessen Krater ein einzigartiger Dschungel gedeihen soll. Am Weg zum Krater passierten wir ein Schild mit der Aufschrift: "national parc - entering this zone is only allowed with a trial tag (was immer das auch ist haben wir nie rausgefunden) which must be bought at the Park office - touching anything is forbidden......"


Die Baumriesen im Park waren dafür in der Tat gewaltig und der Weg in den Krater wirklich eine abenteuerliche Kletterpartie durch eine uns völlig neue Pflanzenwelt. So etwa als ich über einen Felsblock, der wohl eine Stufe des Weges war, kletterte suchte ich Halt und machte Bekanntschaft mit einem Baum, dessen Leeseite mit spitzen Dornen übersät war - nicht sehr nett!

Weihnachten in St. Kitts und alles ist hin!

Der Hauptort von St. Kitts - Basseterre zählt wohl nicht zu den beschaulichen Orten in der Karibik. Überall tönte laute Musik aus riesigen Lautsprechern und oft wird man von teils betrunkenen unfreundlichen Einheimischen angepöbelt.
Nachdem wir die 3 Meter hohe Pier im Tiefwasserhafen aus unserem Dingi erklettert hatten empfing uns ein schwarzer Rastafari vor der Tür des Zollgebäudes mit einem schroffen Whats up?! Nachdem wir freundlich unser Anliegen erläutert hatten durften wir dann doch vier Formulare mit x- Durchschlägen ausfüllen und die 15 US Dollar Klarierungsgebühr bezahlen.
Nicht zu fassen was uns alles an diesem Tag, einen Tag vor Weihnachten, kaputt ging: Bei 30 Knoten auf der Kreuz verabschiedete sich eine Lattentasche und die Latte drohte das Segel zu zerfetzten. Also war der Tagesablauf mit Segelreparatur schon vorprogrammiert. Als Belohnung war dann aber ein tolles Essen angesagt - Risotto mit Erbsen, Kalamari, Muscheln und Thunfisch. Aber Nein: Ausgerechnet heute - nachdem wir uns endlich geeinigt hatten was wir als Weihnachtsschmaus braten werden - fallen beide Brenner unseres Campinggaskochers buchstäblich auseinander, da sie völlig durchgerostet waren. Ein neuer Kocher kann vielleicht erst in Guadeloupe gekauft werden und nicht mal das ist sicher. Also kochten wir mit meinem Coleman Kocher am Boden was letzt endlich auch lustig war, da wir Gott sei Dank in der White House Bay einen völlig einsamen , landschaftlich schönen und ruhigen Ankerplatz gefunden hatten.
Zumindest das Tauchen war in St. Kitts noch erlaubt und wir erkundeten einen ziemlich stark zerschellten Frachter, ein versenktes Lotsenboot und ein nettes Riff. Sensationen begegneten uns Unterwasser allerdings keine. Beim Flaschenfüllen hatten ich wieder eine harte Zeit - der Kompressor streikte! - Nachdem der Vergaser komplett zerlegt war und die Kerze gewechselt wurde, Riss auch noch der Starterseilzug und das dumme Ding funktionierte immer noch nicht ordentlich - bis nach einer Extraportion Öl dann doch wieder alles wie geschmiert lief. Weihnachten selbst war trotzdem ganz nett - guter Wein, gutes Essen und eine Runde Monopoly - anders als wir es gewohnt waren aber schon sehr beschaulich in unserem gemütlichen ausnahmsweise nicht schaukelnden Heim.